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Salzgitter Das Altersrand-Projekt in Salzgitter geht in die letzte Phase
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Das Altersrand-Projekt in Salzgitter geht in die letzte Phase

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12:14 03.08.2020
Das gemeinsame Essen war nur einer von vielen Bestandteilen der gemeinsamen Betreuung von Kindern und Senioren. Quelle: Sophie Hinrichs
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Salzgitter

„Wo sind denn die Kinder geblieben, ohne sie ist es immer so langweilig“, fragte eine der alten Damen, die im Altersrand im SOS-Mütterzentrum Salzgitter betreut wurden, wenige Tage, bevor auch der Altenservice Corona bedingt geschlossen werden musste. Damit wurde es gänzlich still im Haus. Für das Modellprojekt „Wir schauen über den Altersrand – gemeinsame Betreuung von Kinder und Alten“ war dies auch das Ende der intergenerativen Praxis, denn es gab nichts mehr zu „beforschen“. Geblieben ist für die Verantwortlichen aber eine Fülle an Erkenntnissen in Form von Beobachtungen, Aufzeichnungen und Interviews aus der langen Praxis-Zeit vor Corona.

Bereits 2017 waren die Vorarbeiten für das Modellprojekt, das Ende 2020 offiziell zuende gehen sollte, gestartet. „Das Projektteam aus Wissenschaftlern und Mitarbeiterinnen der Kindergarten-Gruppe und dem Altenservice im SOS-Mütterzentrum haben ganze Arbeit geleistet“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Jetzt liegen großartige Erkenntnisse vor, die derzeit ausgewertet werden.“

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Erste Zwischenbilanz: Im Projektverlauf wurden bis zu 40 Kinder und alte Menschen täglich betreut, mehr als 350 Mahlzeiten gemeinsam eingenommen, 200 Mittagskreise gestaltet, dutzende Spiele gespielt und mehr als 70 Kreativ-Angebote gemacht. „Von den unzähligen spontanen Herzlichkeiten, strahlenden Augen und Besserungen der Alltags-Wehwehchen gar nicht zu reden“, heißt es weiter. Zudem hätten die Verantwortlichen reflektiert, manches Bewährte erhalten, anderes umgestaltet, ergänzt und verworfen.

Die begeisterten Reaktionen aller Beteiligten hätten bestätigt, dass diese Betreuungsform nach den Beschränkungen durch Corona unbedingt wieder aufgenommen werden müsse. „Die alten Menschen warten dringend darauf, sie sind es leid, länger einsam zu Hause ausharren zu müssen“, sagt eine Allgemeinmedizinerin. Die Wirkung der Einschränkungen im alltäglichen Leben durch Corona habe sehr deutlich gemacht, wie verheerend die Kontaktverbote für Kinder und alte Menschen sind.

Umso bedeutender seien daher auch die Ergebnisse aus dem Modellprojekt, die das Altersrand-Team jetzt in einem Werk-Buch zusammenfasste. „Es wendet sich an alle, die sich für die intergenerative Betreuung in Institutionen interessieren, bietet Informationen und Unterstützung bei der Planung und Umsetzung dieses neuartigen Konzeptes“, heißt es. Und es stecke voller Tipps und Tricks für den gemeinsamen Alltag mit Kindern und Alten.

Von Roland Weiterer