Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Salzgitter Corona-Pandemie: IG BAU warnt vor Folgen für Frauen in Salzgitter
Nachrichten Salzgitter

Corona-Pandemie: IG BAU warnt vor den Folgen für die Frauen in Salzgitter

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:19 30.03.2021
In der Gebäudereinigung sind viele Frauen mit 450-Euro-Verträgen beschäftigt. In der Krise sind die Arbeiterinnen kaum geschützt.
In der Gebäudereinigung sind viele Frauen mit 450-Euro-Verträgen beschäftigt. In der Krise sind die Arbeiterinnen kaum geschützt. Quelle: IG BAU
Anzeige
Salzgitter

Sie kümmern sich meistens um Haushalt und Kinder, haben niedrigere Einkommen und müssen häufiger um ihren Job fürchten: Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (BAU) warnt vor einem Rückschritt bei der Gleichberechtigung in Folge der Corona-Pandemie. „Insbesondere Mini-Jobs werden in der Krise zunehmend zur Karrierefalle“, kritisiert Bezirksvorsitzender Karl-Heinz Ehrenberg. Nach Angaben der Arbeitsagentur sind aktuell 58 Prozent der insgesamt rund 6.500 geringfügig entlohnten Arbeitsverhältnisse in Salzgitter in Frauenhand. In der Gebäudereinigung liegt der Frauenanteil bei den 450-Euro-Stellen sogar bei 63 Prozent.

„Geringfügig Beschäftigte gehen nicht nur beim Kurzarbeitergeld leer aus. Sie sind auch häufiger von Entlassungen betroffen“, so Karl-Heinz Ehrenberg. Die IG BAU plädiert dafür, die Minijobs in der jetzigen Form abzuschaffen und sozialversicherungspflichtig zu machen. Eine Anhebung der Verdienstgrenze auf 600 Euro, wie sie einige Arbeitgeberverbände fordern, liefe hingegen auf einen Ausbau prekärer Arbeitsverhältnisse hinaus.

Zudem stehe das Ehegatten-Splitting einer echten Gleichberechtigung am Arbeitsmarkt im Weg. „Durch hohe Abzüge in der Steuerklasse 5 bleibt vielen Frauen nur wenig vom Bruttoverdienst. Das führt auch zu geringen Arbeitslosenansprüchen und Einbußen beim Elterngeld“, kritisiert Karl-Heinz Ehrenberg. Die Politik müsse das Thema in diesem Wahljahr anpacken und eine Reform der Einkommenssteuer voranbringen.

Die IG BAU Braunschweig-Goslar verweist zugleich auf die gestiegene Belastung von Frauen in der Pandemie. „In Zeiten geschlossener Kitas und Schulen bleibt die Kinderbetreuung nach wie vor meist an den Frauen hängen. Hinzu kommen die Arbeit im Haushalt und die Pflege von Angehörigen“, argumentiert der Bezirksvorsitzende. Neben besseren politischen Rahmenbedingungen sei hier auch ein gesellschaftliches Umdenken nötig. „Männer, die beruflich etwas zurücktreten, können der Partnerin helfen, den nächsten Karriereschritt zu gehen und Lasten in der Familie fairer zu verteilen.“

Nach einer repräsentativen Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung ist die durchschnittliche Erwerbsarbeitszeit von Frauen im Zuge der Corona-Krise stärker gesunken als die von Männern. Vor Ausbruch der Pandemie arbeiteten Frauen demnach im Durchschnitt fünf Stunden pro Woche weniger als Männer in einem bezahlten Job. Im Herbst 2020 betrug die Differenz bei Erwerbstätigen mit betreuungsbedürftigen Kindern elf Stunden pro Woche. Zwei Drittel der befragten berufstätigen Frauen mit Kindern gab an, in der Partnerschaft den größeren Teil der Kinderbetreuung zu übernehmen. Sieben Prozent sahen die Hauptverantwortung bei ihrem Partner, 27 Prozent sprachen von einer Gleichverteilung der Sorgearbeit.

Von Roland Weiterer