Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Salzgitter 2.500 Metaller fordern in Salzgitter Hilfe für den grünen Stahl
Nachrichten Salzgitter

2.500 Metaller fordern in Salzgitter Hilfe für den grünen Stahl

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:03 22.09.2021
Grüner Stahl ist die Zukunft: Insgesamt gut 2.500 Beschäftigte demonstrieren vor dem Werkstor der Salzgitter Flachstahl GmbH.
Grüner Stahl ist die Zukunft: Insgesamt gut 2.500 Beschäftigte demonstrieren vor dem Werkstor der Salzgitter Flachstahl GmbH. Quelle: rk
Anzeige
Salzgitter

Der Stahl soll grüner werden. Das geht aber nicht ohne große Hilfe der Politik. Deshalb haben sich am Mittwoch grob geschätzt 2.500 Mitarbeiter der Salzgitter AG im Rahmen des Stahlaktionstages vor dem Werkstor versammelt. Unter dem Motto „Bereit für grünen Stahl“ hatte die IG Metall die Beschäftigten zur Teilnahme aufgerufen.

Damit der Wandel zu einer klimaneutralen Stahlerzeugung gelingen kann, fordert die Gewerkschaft von der Politik und künftigen neuen Bundesregierung einen Transformationsfonds für die Stahlindustrie mit zehn Milliarden Euro bis 2030. Im gleichen Zeitraum sollen die Wasserstoffkapazitäten in Deutschland auf zehn Gigawatt steigen. Das alles soll in einem 100-Tage-Programm der neuen Bundesregierung stehen.

Der Protest sollte ein „klares und deutliches Signal“ an die Politik sein, „dass endlich etwas passieren muss“, so Hasan Cakir, Konzernbetriebsratsvorsitzender der Salzgitter AG. Seit Jahren werden die großen technischen Veränderungen diskutiert, um die Klimaziele zu erreichen. „Die zugesagte Hilfe muss jetzt kommen.“

Der Gewerkschaft geht es um „verlässliche und verbindliche Rahmenbedingungen“ für die Umstellung auf eine klimaneutrale Produktion. Als einer der Hauptredner unterstrich Thorsten Gröger, IG Metall Bezirksleiter Niedersachsen und Sachsen-Anhalt: „Wir wollen keine warmen Worte mehr von der Politik, wir brauchen Taten, die die Zukunft des Stahls – ganz besonders hier in Salzgitter – wirklich sichern.“

Wie kaum ein Werkstoff habe der Stahl die Industrie verändert und ganze Zeitalter geprägt. Stahl stehe nicht nur für Kraft im Sinne von Stärke, sondern vor allem für Wirtschaftskraft. Laut Thosten Gröger sei nicht nur die Kolleginnen und Kollegen bei der Salzgitter AG, sondern auch für die direkt oder indirekt abhängigen Industriezweige ein klares Signal nötig, „wie es in Zukunft mit der Stahlproduktion in Deutschland weitergehen soll“.

Bereits seit Jahren setzt sich die IG Metall für Rahmenbedingungen ein, die den klimapolitischen Zielen entsprechen, aber auch den Wirtschaftsstandort und seine Arbeitsplätze nicht gefährden. Umweltschutz- und Industriepolitik müssen in Einklang gebracht werden und dürfen nicht konkurrierend gegenübergestellt werden, heißt es. „Die Stahlindustrie hat zur Erreichung der Klimaschutzziele einen weitreichenden Transformationsprozess vor sich“, so Thorsten Gröger.

Um die Klimaschutzziele zu erreichen, sei eine weitestgehende Dekarbonisierung in der unabdingbar. Dies sei technologisch machbar, aber auch mit großen Herausforderungen verbunden. Thorsten Gröger forderte politische Unterstützung von Seiten der EU sowie der Bundesregierung. „Wir kämpfen deshalb für eine Forschungs- und Investitionsförderung, für den Ausbau der notwendigen Energie-Infrastruktur sowie für eine europäische Handelspolitik, die die klimafreundliche Stahlproduktion belohnt, statt sie zu bestrafen.“

Der Konzern verfolgt das gleiche Ziel. „Wir sind mit der IG Metall auf einer Welle“, so Gunnar Groebler, Vorstandsvorsitzender der Salzgitter AG. Es gehe darum, den Standort zukunftssicher zu machen durch eine Transformation von der Hochofen-Route hin zu grünem Stahl. Er fordert einen Ausbau erneuerbarer Energien und der Energie-Infrastruktur. Mit SALCOS haben die Salzgitter AG ein umsetzungsfertiges Konzept. Gunnar Groebler: „Damit wollen wir jetzt starten.“

Unter die Demonstranten mischte sich auch Oberbürgermeister Frank Klingebiel, dessen Vater schon in der Hütte arbeitete. „Stahl ist das Herz Salzgitters und seine Zukunft.“ Den Aktionstag bezeichnete er als hochemotional. Er sei „megastolz“ auf die IG Metall und den Betriebsrat. „Wir brechen in ein neues Zeitalter auf, die Politik muss jetzt Farbe bekennen.“ Der Kampf gegen den Klimawandel gehe nicht gegen die Industrie, sondern nur mit der Industrie. Frank Klingebiel rechnet mit Milliardeninvestitionen, die dazu nötig sind.

Von Roland Weiterer