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Niedersachsen Viele Krebsfälle in Bothel: Studien sollen Ursache finden
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20:30 21.12.2017
„Schutz der Bevölkerung hat oberste Priorität“: Eine Erdgasförderanlage nahe Rotenburg. Quelle: Foto: dpa
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Hannover

Weil in den vergangenen Jahren auffällig viele Männer in der Samtgemeinde Bothel (Kreis Rotenburg) an Krebs erkrankt sind, hat das Land zwei neue Studien in Auftrag gegeben, um den möglichen Auslösern auf die Spur zu kommen. Das teilte Sozialministerin Carola Reimann (SPD) am Donnerstag in Hannover mit. Das Land unterstütze damit die Aufklärungsarbeit des Landkreises.

Die Ursachen für die Krankheiten in Bothel sind noch immer unklar. Vor Ort gibt es jedoch einen Verdacht: Vermutet wird ein Zusammenhang mit der Nähe des Ortes zu Bohrschlammgruben. In den Gruben befinden sich unter anderem Rückstände aus Grabungen der Erdgasindustrie. Ob die Altlasten die Gesundheit der Anwohner tatsächlich gefährden, konnte bislang allerdings nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Die Erdgas- und Erdölfirma Exxon-Mobil bestreitet einen Zusammenhang.

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Der Landkreis Rotenburg hatte vor einigen Jahren eine erhöhte Zahl von Krebsneuerkrankungen bei Männern in Bothel festgestellt. Alle knapp 7000 Bewohner der Gemeinde waren befragt worden. Örtliche Bürgerinitiativen vermuten seitdem einen Zusammenhang mit einer wohnlichen Nähe der Betroffenen zu Gasbohrstellen und Schlammteichen mit den Rückständen der Bohrungen. „Der Schutz der örtlichen Bevölkerung hat oberste Priorität“, sagte Sozialministerin Reimann am Donnerstag. „Wir haben an renommierte Institute Aufträge vergeben, um mehr Informationen bezüglich der möglichen Ursachen für Krebserkrankungen zu gewinnen.“

Eine Studie wurde an das Klinikum der Universität München vergeben. Die Uni-Klinik soll Zusammenhänge zwischen Abstand von Wohnort zu Bohrschlammgrube und Krebsfällen untersuchen. Laut Sozialministerium hat eine bereits durchgeführte Untersuchung in Bothel ergeben, dass „vor allem eine wohnliche Nähe zu Bohrschlammgruben einen Zusammenhang zu hämatologischen Krebserkrankungen aufweisen könnte“. Für die wohnliche Nähe zu Erdgasförderanlagen „war nur ein schwacher Hinweis zu finden“.

Die zweite Studie soll die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg durchführen. Untersucht wird dabei die Belastung der Bevölkerung mit Benzol und Quecksilber. Dazu sollen Luftproben genommen werden. Die Ergebnisse der neuen Studien werden für Anfang 2019 erwartet.

Von Reimar Paul und Martina Steffen

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