Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Niedersachsen Ein Grandseigneur der Komik
Nachrichten Politik Niedersachsen Ein Grandseigneur der Komik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:27 27.12.2018
Fritz Weigle, alias F. W. Bernstein, hier an seinem 75. Geburtstag vor seinem Goethe-Bild im Frankfurter Caricatura-Museum. Quelle: epd
Hannover

Zum Herrgott hatte er bestenfalls ein ironisches Verhältnis. Vor dem Tod hatte er keine Angst. Über vermeintliche Autoritäten witzelte er. Für Freunde hatte er ein großes Herz –und zu Weihnachten immer eine selbstgezeichnete Karte parat. Überhaupt war er ein großer Menschenfreund. Am Donnerstag ist der Lyriker, Satiriker und Zeichner F. W. Bernstein im Alter von 80 Jahren in Berlin nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Ein Grandseigneur der Komik.

Altmeister der gepflegten Respektlosigkeit

Bernstein, der eigentlich Fritz Weigle hieß und aus dem schwäbischen Göppingen stammte , war ein Multitalent. Wie auch die anderen, die sich einst ironisch die „Neue Frankfurter Schule“ nannten, unter ihnen Robert Gernhardt, F.K. Waechter, Chlodwig Poth und auch Eckhard Henscheid. Bernstein konnte zeichnen, dichten, wunderbar Klavier spielen, schwäbeln und unterrichten. Denn nie ging er, stets ein aufmerksamer Beobachter, ohne Zeichenblock aus dem Haus.

Fritz Weigle war ein engagierter Lehrmeister. Nicht nur an der Pädagogischen Hochschule in Göttingen, an der er bis zu deren Auflösung Anfang der achtziger Jahre als Akademischer Rat unterrichtete. Im Gegensatz zu seinen Künstlerfreunden, die sich ganz der Kunst verschrieben, wählte Bernstein erst den Lehrer- und später den Professorenberuf, den er von 1984 bis zu seiner Emeritierung 1999 an der Hochschule der Künste in Berlin ausübte. Er war der erste Professor für Karikatur und Bildgeschichte in Deutschland – und lehrte mit Grandezza. „Bernsteins Buch der Zeichnerei – Ein Lehr-, Lust-, Sach- und Fach-Buch sondergleichen“ (1989 erschienen) gibt Zeugnis ab von Weigles Lust am Lehren. Auch nach seiner Pensionierung gab er Zeichenkurse, aus denen die Schüler nicht selten als Freunde hervorgingen. Seine Frau Sabine hat ihren Fritz einmal als „Genie der Freundschaft“ bezeichnet, die er durch Kartenkorrespondenzen pflegte.

Belcanto der Hochkomik

Bekannt geworden sind Bernstein und die anderen Mitglieder der Neuen Frankfurter Schule, zu denen auch Bernd Eilert, Peter Knorr und Hans Traxler zählten, Mitte der sechziger Jahre durch die Zeitschrift „Pardon“, wo sie der kunstvoll verzierten Respektlosigkeit ein wunderbares Forum eröffneten. Ende der 70er Jahre gründeten sie in Frankfurt das Satiremagazin „Titanic“. Ihr Motto wurde F.W. Bernsteins Spruch „Die schärfsten Kritiker der Elche/waren früher selber welche“ Der Satirepreis „Göttinger Elch“, der in der Universitätsstadt verliehen wird, geht auf diesen Spruch zurück. Ehrensache, dass auch Fritz Weigle den „Elch“ erhielt, auch wenn Bernstein etwa im Gegensatz zum noch populäreren Freund Robert Gernhardt stets sperriger und hintersinniger blieb. Ihn als „graue Eminenz“ der Neuen Frankfurter Schule zu bezeichnen, passte in doppelter Hinsicht: Wegen des vornehm zurückhaltenden Auftretens und der umfassenden Bildung, die ihn nicht daran hinderte, immer wieder anarchischen Gedanken Raum zu lassen. Da wird die Wachtel schnell zur Weltmacht, wie eines seiner komischen Tiergedichte hieß. Großartige Lesungsauftritte legten Bernstein, Gernhardt und Waechter in den 90er Jahren als die „Drei Frisöre“ hin – ein Belcanto der Hochkomik.

Bekannt war Bernstein auch durch große Ausstellungen im Frankfurter Caricatura Museum ebenso wie im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover, das er oft und gern besuchte. „Frische Gedichte“ hieß der letzte Band, der im vergangenen Jahr von ihm im Kunstmann-Verlag erschien. Hier fragte er: Was bleibt? Und gibt selbst die Antwort, dass selbst die Herren „Wolfgang von Goe und Friedrich Schi“ irgendwann tief, tief ins Meer der Vergessenheit versinken würden. Von F.W. Bernstein bleiben unzählige Zeichnungen und Gedichte.

Von Michael B. Berger

Eine Arbeitsgruppe aus Bund und Ländern unter der Leitung von Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann (SPD) arbeitet an einem neuen Fördermodell. Allein in Niedersachsen könnten 200.000 Minderjährige profitieren.

23.12.2018

Bei der Genehmigung von Förderschulen misst die Landesregierung mit zweierlei Maß, finden die Grünen. Denn viele der Schulen haben zu wenige Schüler.

23.12.2018

Die Wahl des Europaparlaments rückt immer näher. Die Europäische Union hat daher eine Werbe- und Informationskampagne gestartet, um den Bürgern zu verdeutlichen, wie die EU deren Alltag verbessert. Doch der Vorwurf der zu starken Regulierung bleibt.

20.12.2018