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Niedersachsen Gefährliche Wurstkeime: 1000 Betriebe in Niedersachsen betroffen
Nachrichten Politik Niedersachsen Gefährliche Wurstkeime: 1000 Betriebe in Niedersachsen betroffen
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19:20 08.10.2019
Blick auf die Produktionsgebäude des Fleischherstellers Wilke Wurstwaren. Möglicherweise mit Bakterien belastete Produkte dieses Herstellers gelangten auch nach Niedersachsen. Quelle: Uwe Zucchi/dpa
Hannover

Die mit Keimen belasteten Produkte der hessischen Wurst-Firma Wilke sind auch nach Niedersachsen gelangt. Nach Angaben des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) stehen etliche Firmen in Niedersachsen auf den Lieferlisten des Betriebes, der inzwischen insolvent ist. „Ohne gezählt zu haben, schätzen wir, dass es an die 1000 Betriebe sind“, sagte Laves-Sprecherin Silke Klotzhuber. Darunter befinden sich den Angaben zufolge Groß- und Einzelhandelsunternehmen, an die die Produkte zum Weiterverkauf geliefert wurden, zahlreiche Kantinen, die die Waren verarbeitet oder auch Kioske, die sie ihren Kunden angeboten haben. Alle Landkreise in Niedersachsen seien seit dem vergangenen Mittwoch dabei, die Rückrufe betroffener Produkte zu bearbeiten, sagte Klotzhuber.

Bundesweit 37 Krankheitsfälle

Seit Anfang Oktober beschäftigt der Lebensmittelskandal Behörden und Verbraucher überall in Deutschland. Nach zwei Todesfällen durch Listerien war der Wurstbetrieb Wilke im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg geschlossen worden. Den Behörden zufolge gibt es mittlerweile 37 Krankheitsfälle, die möglicherweise mit Wurstwaren der Firma im Zusammenhang stehen. In Südhessen hatte es zwei Todesfälle bei älteren Personen gegeben, die das Robert-Koch-Institut untersuchte.

Drei Fälle in Niedersachsen, zwei Tote

In Niedersachsen sind bislang drei Fälle registriert worden, in denen Menschen an dem Bakterien-Typ erkrankten, der in den Produkten der Firma gefunden wurde. Nach Angaben des Landesgesundheitsamtes waren die Erkrankten zwischen 50 und 90 Jahre alt. Zwei von ihnen sind gestorben – einer an einer anderen Erkrankung, bei der zweiten Person habe nicht ermittelt werden können, ob die Listeriose-Erkrankung die Todesursache war. „Es handelt sich nicht um ein akutes Infektionsgeschehen“, betonte das Landesgesundheitsamt. Zwei der Fälle seien im Mai 2019 registriert worden, ein Fall stamme aus dem vergangenen Jahr. Bereits zu Anfang dieses Jahres soll es allerdings erste Hinweise auf den hessischen Betrieb gegeben haben.

Gefährlich für geschwächte Menschen

Listerien sind in der Natur häufig vorkommende Bakterien. Nur sehr wenige Menschen, die Listerien aufnehmen, erkranken an der sogenannten Listeriose. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektionskrankheit meist unauffällig. Gefährlich ist die Infektion für abwehrgeschwächte Menschen wie Patienten mit chronischen Erkrankungen und Schwangere.

Auch Kliniken und Pflegeheime betroffen

Einige Landkreise wie die Grafschaft Bentheim haben bereits Krisenstäbe bei den Veterinärämtern gebildet. „Diese Sache wird uns noch einige Tage beschäftigen“, sagt Silke Klotzhuber vom Laves. Die Waren seien auch an Kliniken, Pflegeheime oder Cateringfirmen gegangen.

Foodwatch: Verbraucher früher warnen

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch fordert, dass die Behörden künftig proaktiv über solche Verdachtsfälle informieren. „Wir brauchen mehr Transparenz, im Durchschnitt wird bei Prüfungen jeder vierte Betrieb beanstandet, doch das bleibt in der Regel geheim“, sagt Foodwatch-Sprecher Andreas Winkler. Eine Tierwohl-Pflichtkennzeichnung hätte in diesem Fall weitergeholfen, meint der Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Meyer: „Sie ermöglicht auch einen besseren Verbraucherschutz durch Rückverfolgung.“

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