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Niedersachsen Wulff versucht es locker und kann punkten
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16:48 22.01.2012
Foto: 90 Minuten stellte sich Christian Wulff den Fragen von „Zeit“-Herausgeber Joffe.
90 Minuten stellte sich Christian Wulff den Fragen von „Zeit“-Herausgeber Joffe. Quelle: dpa
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Berlin

Dass dies kein Kreuzverhör wird, ist den Gästen gleich zu Beginn der „Zeit-Matinee“ im Berliner Ensemble klar. „Zeit“-Geschäftsführer Rainer Esser begrüßt Bundespräsident Christian Wulff mit ein paar launigen Worten. Er habe als Kind nicht einmal seinen Teddybären verhauen, später die kranke Mutter gepflegt, die kleine Schwester versorgt. Den „Krawattenmann des Jahres“ lässt Esser auch nicht aus. „Unerträglich“, ruft eine Frau aus dem Publikum und bekommt dafür Beifall. Die Sympathien sind durchaus verteilt im Saal des Brecht-Theaters am Schiffbauerdamm.

Christian Wulff (dunkelblauer Anzug) im Gespräch mit „Zeit“-Herausgeber Josef Joffe (dunkelgrau). Joffe dankt erst einmal, dass Wulff die Einladung vor sechs Monaten angenommen und in den vergangenen sechs Wochen nicht abgesagt hat. Das gepflegte Gespräch beginnt in historischen Höhen mit Friedrich dem Großen. „So schwer wie Friedrich habe selbst ich es in den letzten Wochen nicht gehabt“, sagt Wulff und findet ein paar Lacher unter den mehr als 500 Zuhörern.

Seit sieben Wochen steht Christian Wulff nun unter massiver Kritik, Rücktrittsforderungen reißen nicht ab, aus der Kredit- und Medienaffäre ist jetzt auch noch eine Lobby-Affäre erwachsen. Zuletzt ist es wieder richtig eng geworden. Die Vorwürfe gegen Wulffs Ex-Sprecher und „Freund“ Olaf Glaeseker, die Versuche der Opposition in Hannover, das „System Wulff“ einer allzu großen Nähe zwischen Politik und Wirtschaft zu entlarven - all das könnte dem Bundespräsidenten durchaus noch gefährlich werden.

Der Plausch mit Josef Joffe kommt ein wenig mühsam in Gang, aber Wulff nutzt die sich bietenden Chancen. Die Frage, wie der elfte Bundespräsident den zehnten (Wulff) einmal beurteilen wird, beantwortet er so: „Die elfte Bundespräsidentin (Lacher) wird wahrscheinlich sagen, dass der Zehnte die Republik noch ein Stück weltoffener gemacht hat.“ Und als Joffe später einen Zwischenrufer ermahnen will, widerspricht Wulff: „Das ist die Demokratie.“

Gesprächspartner Joffe macht es Wulff nicht schwer. Vor einiger Zeit hatte er in einem Kommentar schon erkennen lassen, was er von der Affäre des Bundespräsidenten hält. „In Deutschland ist alles ein paar Nummern kleiner; fast möchte man den Amerikanern ihre großen Schurken neiden.“ Richard Nixon, Bill Clinton, auch Chirac, Berlusconi werden genannt. Wer ist dagegen Christian Wulff?

Der setzt weiter auf seine bekannte Verteidigungsstrategie: Ich habe Fehler gemacht, ich habe mich entschuldigt, darüber hinaus habe ich mir nichts vorzuwerfen. Er werde „bestimmte Anrufe nicht mehr tätigen“, sagt er auch. Auch manches aus der Zeit in Niedersachsen müsse neu bedacht werden, auch „ob man sich an bestimmten Stellen neu justieren muss. Das ist überhaupt nichts Schlimmes.“ Als ob es um Details ginge.

Und natürlich setzt Wulff auf eine gewisse Ermüdung des Publikums. Auch während der „Zeit“-Matinee lässt sich die Spannung nicht die ganzen 90 Minuten aufrechterhalten. „Typisch Deutsch?“ ist eigentlich das Thema.  „Wir sollten uns nicht überschätzen“, fällt Wulff dazu ein. Am Ende spricht Josef Joffe von einer „historischen Matinee“. Das Gespräch am Sonntag hat er damit sicher nicht gemeint, aber es ist das 50. seiner Art. Und der Bundespräsident muss tatsächlich auf dem Weg nach draußen ein paar Autogramme geben.

dpa

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