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Niedersachsen Widerstand gegen die Atompläne von Schwarz-Gelb wächst
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21:41 18.10.2009
Von Heinrich Thies
Demonstranten gehen am Sonnabend in einem Protestzug durch Hitzacker nahe Gorleben.
Demonstranten gehen am Sonnabend in einem Protestzug durch Hitzacker nahe Gorleben. Quelle: lni
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Am Anfang stand wie üblich eine Demonstration. Rund 600 Atomkraftgegner und Globalisierungskritiker zogen am Sonnabendnachmittag durch die Altstadt von Hitzacker, um gegen die Pläne von Schwarz-Gelb zu protestieren. „Angie, Guido aufgepasst, der Schwarzbau wird jetzt dichtgemacht“, war auf einem der Transparente zu lesen. Mit dem „Schwarzbau“ ist das Erkundungsbergwerk in Gorleben gemeint, das nach den Vorstellungen von vielen Unions- und FDP-Politikern einmal zum Endlager für hochradioaktiven Atommüll werden soll. Derzeit müssen hier laut einer Regierungsentscheidung die Erkundungsarbeiten ruhen. Doch das könnte sich bald ändern. Die Atomkraftgegner fürchten, dass die neue Bundesregierung das Moratorium aufhebt. Was in diesem Fall im Wendland passiert, steht für Kerstin Rudek, die Sprecherin der Bürgerinitiative Umweltschutz, felsenfest: „Dann brennt hier die Luft.“

Am Abend folgen den Worten denn auch gleich Taten. Im Schutze der Dunkelheit schlüpft ein Dutzend Anti-Atom-Aktivisten durch den Zaun des Endlagerbergwerks in Gorleben, erklimmt ein Dach neben dem Förderturm und entzündet Leuchtfeuer. Gleichzeitig fahren vor dem abgesperrten Gelände mehrere Traktoren vor, und rund 200 Atomkraftgegner jubeln über das Protestfeuerwerk. „Das Maß ist voll“, sagt Monika Tietke von der Bäuerlichen Notgemeinschaft. „Ein schnelles Durchwinken von Gorleben wird es bei uns nicht geben. Wir drehen jetzt richtig auf.“

Parallel zu den Protesten im Wendland bekunden am Wochenende auch Atomkraftgegner in Berlin am Ort der Koalitionsgespräche wieder ihre Widerstandsbereitschaft. Demonstranten bilden eine Kette um die nordrhein-westfälische Landesvertretung, wo sich die Spitzen von Union und FDP treffen. Einige der Aktivisten blockieren so lange die Zufahrt, bis sie von Polizisten weggetragen werden. Andere präsentieren das längste Anti-Atom-Transparent der Welt. Auf eine Länge von einem Kilometer sollen sich die zusammengefügten Spruchbänder aus allen Teilen der Republik schon addiert haben.

„Wer denkt, dass Schwarz-Gelb zum Freifahrtschein für ein Comeback der Atomenergie wird, könnte sich täuschen“, sagt Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Gruppierung „ausgestrahlt“. „Da ist eine Menge Dampf im Kessel.“ Der Anti-Atom-Veteran aus dem Wendland hat einige Tage lang seinen Sitz nach Berlin verlagert, um die Proteste gegen die drohenden Koalitionsvereinbarungen zu organisieren. Doch am Wochenende kehrte Stay ins Wendland zurück. In Hitzacker nämlich ging das „Sozialforum“ zu Ende.

Rund 1000 Globalisierungskritiker, Friedensaktivisten, kritische Kirchengruppen und Atomkraftgegner hatten vier Tage lang auf Einladung der Stadt und der evangelischen Kirchengemeinde im örtlichen Tagungszentrum über ganz unterschiedliche Weltprobleme diskutiert. Das gemeinsame Fazit war auf einem Banner zu lesen: „Die Krise hat einen Namen: Kapitalismus.“ Wie Millionen von Gleichgesinnten auf der ganzen Welt formten die Tagungsteilnehmer am Sonnabendnachmittag ein Menschenbild mit dem Schriftzug: „Stand up!“ Auf Deutsch: „Erhebt euch!“

Die Botschaft richtet sich in Hitzacker selbstverständlich in erster Linie gegen die Atompläne der neuen Bundesregierung. Seit mehr als 30 Jahren symbolisiert das gelbe „X“ im Wendland den Widerstand. Einer, der von Anfang an dabei war, ist Egon Maierhofer. Der pensionierte Pastor ist mittlerweile 79, bei Sitzblockaden aber immer noch in vorderster Front. „Ich werde jetzt noch entschiedener kämpfen“, sagt der Theologe mit den langen grauen Haaren, „Gewaltfrei, aber mit aller Energie.“

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