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Niedersachsen Ostern, was ist das? Ein Gespräch mit drei jungen Pastoren
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00:16 25.04.2019
Die Pastorin Marit Ritzenhoff und die Pastoren Sebastian Kühl und Martin Miehlke (von links nach rechts) sprechen über Ostern. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Die Kirche muss ins Freie, ruhig auch mal in den Wald – die jungen Pastoren geben im HAZ-Interview überraschende Antworten.

Liebe Frau Pastorin Ritzenhoff, liebe Pastoren Kühl und Miehlke, Ostern naht und Sie müssen über die Auferstehung predigen. Was ist das, kurz gefasst?

Marit Ritzenhoff: Immer wieder neue Hoffnung. Nach dem Dunklen (Karfreitag), das Helle.

Martin Miehlke: Im Osterfest steckt die Energie. Weihnachten ist ganz schön, aber auch ein bisschen cheesy. Aber in Ostern steckt die gesamte Energie des Christentums. Da geht es richtig los, mit dem Stein, der von dem Grab zur Seite gerollt war. Das ist der Anfangspunkt von allem. Das Erstaunliche ist doch, dass wir immer noch nach 2000 Jahren über dieses Geschehen reden, obwohl wir gar nicht genau wissen, was damals genau geschehen ist.

Sie müssen darüber reden, weil Sie dafür bezahlt werden.

Alle: Wir müssen nicht, wir dürfen. Und wir wollen.

HAZ: Nun gut, aber was ist cheesy?

Miehlke: So ein bißchen weichgespült. Weihnachten ist schön, Weihnachten wird überall gefeiert, unsere Kirchen sind voll. Das ist toll. Aber die eigentliche christliche Botschaft steckt in Ostern.

Kühl: Das ist das Leben, das sich gegen den Tod durchsetzt, und zwar in einer Situation, in der alles dafür spricht, dass sich der Tod durchsetzt – das ist Ostern.

Ritzenhoff: Ich hatte in diesem Jahr die Osterpredigt im Kopf, als ich Dienstagmorgen auf meinem Handy die Bilder aus Paris sah: Diesen Innenraum, wo alles in Schutt und Asche lag und im Hintergrund steht golden das Kreuz. Man sieht Schwaden und durch das Licht in der Kirche schimmert das Kreuz. Das ist für mich Ostern, wenn das Dunkle noch da ist und dennoch leuchtet das Kreuz.

Das klingt sehr bildhaft.

Ritzenhoff. Ja, soll es auch. Wir denken schließlich auch in Bildern – einer der Gründe, warum Piktogramme so sehr im Vormarsch sind.

Kühl: Ostern spiegelt auch ganz viele menschliche Erfahrungen. Lebenserfahrungen wie auch Sterbenserfahrungen. Man kann doch selbst Situationen erleben, wo man sich fühlt, als stürbe man, etwa wenn man durchs Examen fällt. Mir ist das so gegangen. Aber dann wieder aus so einer Situation herauszukommen, neue Energie und Hoffnung zu schöpfen, das können Erfahrungen sein, die man mit Auferstehung beschreiben darf.

Was würden Sie zu jemandem sagen, der bei Ihnen im Pfarrhaus aufmarschiert und behauptet, ihm sei heute der Herr Jesus erschienen?

Miehlke: Na, das ist doch großartig. Wer kann das schon behaupten? Wer bekommt schon mit, wenn Jesus ihm erscheint? Das ist doch das Interessante an der Geschichte von Johannes 20, wo der Ostermorgen beschrieben wird. Hat Maria Magdalena eigentlich auf dem Schirm, wer sie da am Grab anspricht? Weiß sie, mit wem sie redet?

Manchmal laufen aber auch Menschen mit Jesuserscheinungen durch die Gegend, die eher psychologische Probleme haben...

Kühl: Das gibt es, aber es gibt auch Menschen, die von der Botschaft Jesu erfüllt sind. Paulus, der Apostel, ist zwar Jesus nicht zu Lebzeiten begegnet, konnte aber dennoch seine Überzeugungen so auf den Punkt bringen, dass er sagte, Jesus sei ihm begegnet. Diese Begegnung hat zweifellos sein Leben total verändert, von Grund auf gedreht. Ritzenhoff: In unserem sehr säkularen Umfeld ist es geradezu verpönt von religiösen Empfindungen zu reden, was sehr bedauerlich ist. Da ist eine sehr große Unsicherheit. Da fragen sich manche, darf ich jetzt sagen, Gott ist nahe bei mir?

Apropos säkulares Umfeld. Sind Sie von anderen scheel angeschaut worden, als sie sagten, sie studierten Theologie und seien Christen?

Ritzenhoff: Mir ist auf einer Uniparty passiert, dass mich ein Student ansprach und fragte, was ich denn mache. Als ich sagte, ich steuere aufs Pfarramt zu, drehte er sich auf der Stelle um und war weg. Das war’s dann. Miehlke: Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Manche sagen, ach, das ist doch ein interessanter Beruf. Da habe ich das Gefühl, also das war’s jetzt. Manchmal kommen auch Fragen wie, muss man da nicht besonders ’doll’ an Gott glauben, das sind dann Gespräche, die nicht so toll sind.

Müssen Sie doll an Gott glauben?

Miehlke: Gegenfrage: Wie glaubt man ’doll’ an Gott? Wie soll man das messen, wie kann man das messen? Wer misst? Ich denke, in gewisser Weise sind diese Fragen vermessen. Am Ende werden wir das alles erst wissen, wenn wir vor dem Herrn stehen. Aber mir ist noch nie jemand völlig verständnislos entgegengekommen, wenn er hörte, dass ich Pastor bin.

Was tun Sie, um junge Leute für die Kirche zu interessieren?

Ritzenhoff: Sie müssen nicht alles in der Kirche völlig umkrempeln, aber sich bemühen, dass Ihre Sprache verständlich ist. Ich oder ich glaube wir (die anderen nicken) haben gute Erfahrungen damit gemacht, an andere Orte zu gehen. Eine Taufe etwa in einem See durchzuführen. Oder auf einem Schützenfest... Miehlke: Kirche muss auch aus sich herausgehen, nicht nur im übertragenen Sinn, sondern aus ihren Häusern heraus. Sie muss den öffentlichen Raum betreten. Kühl: Das ist nicht nur ein Schlagwort, auch wenn es mitunter so klingt, sondern eine ganz praktische Erfahrung. Wenn die Menschen in die Kirche kommen. kann das ein schönes Erlebnis sein. Aber wir merken immer wieder, dass die Schwelle sehr hoch ist. Manchmal muss man nicht die Energie aufwenden, die Schwelle zu schleifen, sondern auf die Försterwiese in den Deister gehen. Wenn das Wetter mitspielt, dann sind schnell 150 Leute da.

Wenn Jesus uns heute begegnen würde, wo säße er – im Aufsichtsrat eines Unternehmens, hier im Landeskirchenamt? In einem Konvent von Superintendenten?

Kühl: Ganz sicher nicht in einer Hierarchie oder ganz oben verortet. Er säße bei den Kindern. Auf Augenhöhe. Er würde klare Worte sprechen. Bei den wenigen, die ihm zuhören. Es wäre nicht der Youtube-Kanal mit 10 000 Abonnenten. Einige versteckten sich sogar, wollten sich nicht zu ihm bekennen. Erst Jahre, nachdem er tot war, wurden es sehr viele.

Muss die Kirche politisch sein?

Miehlke: Man kann nicht nicht politisch sein. Wie kann man Aussagen treffen, ohne sein eigenes politisches Wesen zu zeigen? Man steht als Christ ja nicht neben der Gesellschaft, sondern mittendrin. Aber parteipolitische Aussagen sind tabu. Ritzenhoff: Das geht gar nicht, ist auch nicht sinnvoll. Kühl: Die Wahlempfehlung auf der Kanzel ist zu recht verschrien, aber das heißt nicht, dass sich Kirche nicht klar und spezifisch äußern dürfte. Etwa wenn gesellschaftliche Gruppen ausgegrenzt oder diffamiert werden. Miehlke: Wenn Leute im Mittelmeer ertrinken, nur weil wir es in Europa nicht auf die Reihe kriegen, sie durch Hilfsorganisationen zu retten, dann müssen wir protestieren.

Müsste die Kirche nicht auf den sperrigen Begriff der Sünde verzichten, um die Räume vollzukriegen?

Ritzenhoff: Gegenfrage: Was verstehen Sie denn unter Sünde? Sie können doch nicht das Dunkle wegradieren, um das Helle herauszubekommen. Wir haben doch alle damit zutun. Jeder hat Erfahrungen mit dem Dunklen und weiß, dass auch er Fehler macht oder machen kann. Das ist doch auch der Sinn von Ostern. Erst das Dunkle am Karfreitag durchschreiten zum Hellen von Ostern. Das gehört beides zusammen.

Noch jung auf der Kanzel

Die drei Gesprächspartner der HAZ sind noch nicht lange im Amt. Marit Ritzenhoff ist seit vier Jahren Pastorin. Die 35-Jährige arbeitet in Wunstorf-Luthe. Sebastian Kühl ist 33 Jahre alt und seit zwei Jahren Pastor in Egestorf. Martin Miehlke ist seit zwei Jahren Pastor in Garbsen-Havelse. Sie haben alle ihren Pastorenausbildung im Predigerseminar Loccum im Landkreis Nienburg absolviert.

Von Michael B. Berger

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