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Niedersachsen Vernichtendes Zeugnis für Mini-Schulen
Nachrichten Politik Niedersachsen Vernichtendes Zeugnis für Mini-Schulen
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00:15 15.03.2014
Von Klaus Wallbaum
In vielen niedersächsischen Mini-Grundschulen fehlen Lehrkräfte.
In vielen niedersächsischen Mini-Grundschulen fehlen Lehrkräfte. Quelle: dpa
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Hannover

Viele Lehrer fühlen sich überfordert, oftmals werden Eltern für den Unterricht eingespannt und in jeder fünften Schule fehlten Fachkräfte für Mathe und den Sachunterricht. Das geht aus einer Untersuchung des Landesrechnungshofes hervor, die am Mittwoch im Haushaltsausschuss des Landtags vorgestellt wird und dieser Zeitung vorliegt. Niedersachsen hat landesweit 1748 Grundschulen. Davon haben 48 weniger als 50 Kinder, die sich auf die vier Klassen verteilen. In ländlichen Gegenden überall in Niedersachsen liegen die Standorte. Diese 48 Schulen hat der Rechnungshof über detaillierte Fragebogen näher untersucht – und ist dabei auf Missstände gestoßen. Diese Schulen wiesen „erhebliche Unwirtschaftlichkeiten auf“, schreiben die Prüfer. Sie hätten keine vergleichbare Qualität wie größere Schulen. Der Rückgang der Schülerzahlen sei allein in diesen Mini-Schulen erheblich, binnen drei Jahren sank die Schülerzahl um 17 Prozent.

Die Mini-Grundschulen hatten in der Regel zwischen zwei und vier Lehrern. Damit lasse sich kaum angemessen Unterricht machen, meint der Rechnungshof. 19 Prozent der Schulen hätten die 100-prozentige Unterrichtsversorgung unterschritten. Außerdem seien die Schulen oft zu unkonventionellen Wegen gezwungen gewesen. In einer Schule seien alle vier Klassen gemeinsam in der Turnhalle unterrichtet worden. Anstelle der pädagogischen Mitarbeiter seien Eltern für Betreuungsaufgaben eingesetzt worden. Teilweise seien auch Teilzeitkräfte eingesetzt worden, die dann ihre eigenen Kleinkinder in die Schule mitbringen mussten.

„Trotz Erkrankung fühlten sich viele Lehrkräfte verpflichtet, Unterricht zu erteilen, da für sie keine Vertretung sichergestellt war“, heißt es außerdem im Prüfbericht. Einige Schulleitungen hätten von ihren Lehrern verlangt, nur bei Fieber nicht mehr zur Arbeit zu kommen. Diese Praxis sei „mit Blick auf die Fürsorgepflicht des Landes nicht unproblematisch“, schreiben die Prüfer.

Mini-Grundschulen fehlen Lehrer

Widersprüche sieht der Rechnungshof auch beim Einsatz von pädagogischen Mitarbeitern, die nur im Vertretungsfall unterrichten dürfen – und dann auch nur auf Grundlage von Vorbereitungen der Lehrer. „Nach unseren Erkenntnissen unterrichten pädagogische Mitarbeiter bei kurzfristigen, aber auch bei längeren Ausfällen in der Praxis regelmäßig eigenverantwortlich“, heißt es im Rechnungshofbericht.

In jeder fünften der untersuchten 48 Mini-Grundschulen habe eine Fachlehrkraft für Mathe und Sachkunde gefehlt. In 27 Prozent aller Fälle sei der Sport-, in 49 Prozent der Kunst- und in 65 Prozent der Musikunterricht von Lehrern erteilt worden, die dazu gar nicht besonders befähigt waren. Bei einem Drittel der 48 Schulen sei die Stelle des Schulleiters nicht dauerhaft besetzt gewesen. Wenn es Schulleiter gab, seien diese oft beruflich unerfahren und überfordert gewesen.

Nach einem Erlass des Kultusministeriums von 2011 sollen in ländlichen Mini-Grundschulen mindestens acht bis 14 Kinder in einer Klasse sein. Wenn zwei Klassen gemeinsam unterrichtet werden, wird die Mindestgröße mit 18 Kindern angegeben. Die Kosten für kleine Grundschulen sind nach Ansicht des Rechnungshofs viel höher als die für größere, und die Behörde rügt, das Kultusministerium verzichte auf die Festlegung vertretbarer Mindestschülerzahlen und wolle damit „dem Erhalt unwirtschaftlicher Schulstandorte Vorschub leisten“.

Kommentar

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Die Prüfer nennen noch zwei problematische Beispiele. In Hemeln bei Hann. Münden hatte die Grundschule 2010 nur 33 Schüler. Der Rat wollte sie schließen, doch eine Bürgerinitiative begehrte dagegen auf. Die Landesschulbehörde teilte 2012 mit, dass die Schule bleiben dürfe. Mittlerweile sank die Schülerzahl auf nur noch 26. In Hohegeiß bei Braunlage werden in der Grundschule nur 13 Kinder unterrichtet. Zur Schließung kam es bisher nicht – auch weil die Landesschulbehörde der Schule bescheinigte, keine Qualitätsprobleme zu haben. „Die Kommunalpolitiker fühlen sich in Braunlage vom Land allein gelassen“, erklärt dazu der Landesrechnungshof.

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