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Niedersachsen Streit um mögliches Ende der Förderschulen
Nachrichten Politik Niedersachsen Streit um mögliches Ende der Förderschulen
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19:00 28.05.2009
Von Saskia Döhner
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„Wir mussten immer kämpfen, mit Behörden, Krankenkassen, Kindergärten, Schulen“, berichtete Frank Hehlgans, Vater einer zwölfjährigen mehrfach behinderten Tochter aus Goslar, die mittlerweile in die 7. Klasse eines Gymnasiums in Bad Harzburg geht. Birgit Feickert, Mutter eines Mädchens mit Down-Syndrom, sagte, sie habe fast drei Jahre nach einem Platz an einer weiterführenden Schule gesucht.

„Solche Kämpfe sollen Eltern in Zukunft nicht mehr führen müssen“, sagte FDP-Bildungsexperte Björn Försterling. Karl-Ludwig von Danwitz (CDU) sprach von einem langen Weg, der Fragen wie die gesellschaftliche Akzeptanz, die Lehrer-aus- und -fortbildung und Barrierefreiheit in den Gebäuden einschließe.

20 Jahre lang habe man vergeblich auf das Prinzip der Freiwilligkeit gesetzt, sagte Grünen-Bildungspolitikerin Ina Korter: „Jetzt ist Zeit für ein Gesetz.“ In dem Entwurf der Grünen wird ab 2010 die schrittweise Abschaffung der Förderschulen und die Übernahme der Kinder mit Handicaps in regulären Schulen gefordert. Lebenshilfe-Geschäftsführer Kersten Röhr mahnte aber, dass es am Ende keine „Restschulen“ für schwer behinderte Kinder geben dürfe. „Eine Schule für alle“ ist auch nach Ansicht von Ernst-Bernhard Jaensch vom Sozialverband Deutschland das Ziel: „Menschen mit Behinderungen sind Teil des gesellschaftlichen Alltags, je früher Kinder daran gewöhnt werden, desto besser.“ Er appellierte an alle Parteien, sich zum gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern zu bekennen. Seit Anfang des Jahres gilt in Deutschland eine entsprechende UN-Konvention, die verlangt, dass Kinder mit Handicaps Regelschulen besuchen.

Förderschulen aber generell aufzulösen, lehnen CUD und FDP ab. Wichtig sei es, den Eltern die Wahlfreiheit zu lassen, hieß es. Frauke Heiligenstadt (SPD) machte sich für einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Konvention stark. Es mute merkwürdig an, dass ausgerechnet die Integrierten Gesamtschulen, die unterschiedliche Schüler am längsten zusammenhielten, durch die Einführung des Turboabiturs zu einer früheren Differenzierung gezwungen werden sollen. „Niedersachsen setzt in der Bildungspolitik auf einen ganz anderen Weg als andere Bundesländer, man kommt sich wie ein Geisterfahrer vor, alle anderen kommen uns entgegen.“

Am Freitag geht die Anhörung zum gemeinsamen Unterricht mit den Stellungnahmen von Wissenschaftlern weiter.