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Niedersachsen Schünemann will mehr Bürgerstreifen
Nachrichten Politik Niedersachsen Schünemann will mehr Bürgerstreifen
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22:21 27.04.2009
Von Michael B. Berger
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Was die beiden Pensionäre verbindet, ist der gemeinsame Streifendienst. Tag für Tag und jeweils drei Stunden gehen der ehemalige Polizeibeamte und der Computermann von einst in Stade auf Patrouille. „Bürger im Dienst“ steht auf den Blousons der braungebrannten Männer, die lediglich mit Handy, Trillerpfeife und einem speziellen Alarmruf bestückt sind. „Unsere Waffen, wie wir scherzhaft sagen, holen wir uns morgens im Rucksack von der Polizei ab“, sagt Bründer und lacht.

In Hannover haben die beiden Streifengänger, die keine Polizisten sind, gestern ihren großen Auftritt gehabt. Innenminister Uwe Schünemann (CDU) bat sie in seine monatliche Pressekonferenz, um zu zeigen, wie sehr sich doch der „Freiwillige Streifen- und Ordnungsdienst“ bewährt habe, den er vor zwei Jahren trotz Protesten der Opposition und leisen Zweifeln des Koalitionspartners FDP eingeführt hatte. „Wir haben die Streife ‘Bürger im Dienst’ genannt, weil es einfacher ist – und wollen das Projekt unbedingt fortsetzen“, sagt Stades Erster Stadtrat Dirk Kraska. Denn die Resonanz auf das Projekt, an dem vierzehn Männer und Frauen aktiv teilnehmen, sei eindeutig positiv.

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Stade hatte die meisten Freiwilligen, die sich an dem Projekt beteiligten, das auch in Celle, Nordhorn, der Gemeinde Hermannsburg und vier weiteren Gemeinden angelaufen ist, im wörtlichen Sinn. Minister Schünemann will den Einsatz von freiwilligen Bürgerstreifen jetzt ausweiten. „Ich bin sicher, dass sich jetzt noch mehr Kommunen dafür interessieren werden. Das Sicherheitsgefühl ist erheblich besser geworden.“ Dies habe eine repräsentative Bürgerbefragung in den Testkommunen ergeben. Hier wünschten sich 82 Prozent der Bürger eine Verlängerung. „Das war am Anfang keine Selbstverständlichkeit.“

Von den Testkommunen wollen laut Schünemann sieben die Bürgerstreifen fortführen. Die Gemeinde Belm hat die Streife dagegen zum 31. Dezember 2008 „trotz positiver Resonanz“ eingestellt. Man habe dort keine Notwendigkeit gesehen, räumte Schünemann ein. Auch bei der Polizei gibt es Vorbehalte, der Minister spricht von „Verbesserungspotenzial“. Die Akzeptanz bei der Polizei sei noch ausbaufähig.

Die genauen Ergebnisse der Befragung sollen nun allen niedersächsischen Kommunen vorgestellt werden, von denen sich nur ein Bruchteil freiwillig zum Streifendienst gemeldet hat. Schünemann, der bereits gestern sein Projekt als Erfolg feierte, vermied jegliche Festlegung, wie viele Gemeinden denn künftig Bürger in Dienst nehmen sollten. „Eins steht jedenfalls fest: Mit dem Einsatz unserer Bürgerstreifen nähert sich das subjektive Sicherheitsempfinden der tatsächlichen Lage an“, resümiert Stades Erster Stadtrat Kraska. Denn im Gegensatz zum allgemeinen Empfinden nehme die Kriminalität eher ab.

26.04.2009
Michael B. Berger 24.04.2009