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Niedersachsen Sanders Last-Minute-Flug
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22:19 07.12.2011
Von Michael B. Berger
Klimaretter kurz vor dem Rücktritt: Hans-Heinrich Sander.
Klimaretter kurz vor dem Rücktritt: Hans-Heinrich Sander. Quelle: dpa
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Hannover

 „Ich habe nichts gegen Fortbildung und die Erweiterung Ihres tief liegenden Horizontes, aber was wollen Sie, Herr Sander, in Durban?“ Hans-Heinrich Sander, Niedersachsens Umweltminister, ist zur UN-Klimakonferenz im südafrikanischen Durban geflogen. Im Landtag rief das nur Spott hervor. Ausgerechnet Sander als Klimaretter? Schließlich befindet sich der 66-jährige Freidemokrat in Niedersachsen bereits im Sinkflug. Bei der ersten Sitzung des Landtags im neuen Jahr will der Minister seinen Rücktritt einreichen, um Platz für seinen Staatssekretär Stefan Birkner zu schaffen. „Bei der Reise werde ich als einer von drei Vertretern der Umweltministerkonferenz den Herrn Bundesumweltminister begleiten, sodass eine politisch ausgewogene Vertretung der Bundesrepublik bei den Konferenzen gewährleistet ist“, schrieb Sander, um sein Fernbleiben bei den Landtagsberatungen diese Woche zu entschuldigen. Unter „ausgewogen“ versteht er die Hinzuziehung der FDP. Sander ist der einzige Freidemokrat unter den Umweltministern und wegen seiner politisch zuweilen unkorrekten Art auch bundesweit bekannt.

„Die Begründung dieser Reise entbehrt nicht einer gewissen Tragikomik“, spottete der Grüne Stefan Wenzel und berichtete, dass Sander in Durban täglich an einer Besprechung mit Norbert Röttgen teilnehmen dürfe: „Jetzt verstehe ich endlich, warum bei diesen Umweltkonferenzen so wenig herumkommt.“ Der SPD-Abgeordnete Markus Bosse beklagte, in Sachen Klimaschutz passiere so gut wie nichts in Niedersachsen, dafür laufe jetzt der Landesumweltminister „mit stolzgeschwellter Brust“ auf der Klimakonferenz herum.

FDP-Generalsekretär Gero Hocker wurde zur Verteidigung des Abwesenden nach vorne geschickt. Nach seinen Worten muss die Abschiedsreise für Hans-Heinrich Sander geradezu eine Qual sein: „Wer den Minister kennt, weiß, dass ihm Flugreisen ein Gräuel sind und dass er seine Freizeit am liebsten mit seiner Frau im heimischen Golmbach verbringt.“ Wie würden sich die Grünen aufregen, wenn Sander das Angebot zur Mitreise zum Klimagipfel ausgeschlagen hätte, fragte Hocker. Darauf gab es keine Antwort. Die Reise- und Hotelkosten begleicht nicht Bundesumweltminister Röttgen, sondern das Land Niedersachsen. Das hiesige Umweltministerium beziffert sie mit „etwa 8500 Euro“.

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