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Niedersachsen Niedersachsen verschärft Düngeregeln für fast das halbe Land
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19:35 10.09.2019
Niedersachsen hat seine Düngeverordnung verschärft. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Hannover

In weiten Teilen Niedersachsens werden die Düngeregeln für die Landwirtschaft künftig verschärft, um die Wasserqualität zu verbessern. Die Landesregierung legte am Dienstag eine mit Spannung erwartete Liste von roten Gebieten vor, in denen Grund- oder Oberflächenwasser zu stark durch Nitrat oder Phosphat belastet ist.

Die roten Gebiete in Niedersachsen im Überblick:

Die roten Gebiete sind mit Nitrat belastet, bei den schwarz markierten Flächen ist Phosphat ein Problem. Quelle: Landwirtschaftsministerium Niedersachsen

Die durch Nitrat im Grundwasser belasteten Gebiete umfassen rund 39 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche – also rund eine Million Hektar. Von den 37 Landkreisen und acht kreisfreien Städten in Niedersachsen sind nur sieben nicht betroffen – Emden, Wilhelmshaven, Hameln-Pyrmont, Holzminden, Northeim, Göttingen und Goslar. In der Region Hannover dagegen gibt es vor allem Nitratbelastungen. In Niedersachsen gibt es rund 1100 Messstellen, mit denen 123 sogenannte Grundwasserkörper auf Gift- oder Schadstoffe geprüft werden.

Die betroffenen Flächen rund um die Region Hannover:

Die betroffenen Gebiete bei Hannover. Quelle: Landwirtschaftsministerium Niedersachsen

Gebiete um Steinhuder Meer betroffen

Durch Phosphat ist das Oberflächenwasser – soweit bisher bekannt – in etwa einem Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche belastet. Das entspricht etwa 35.000 Hektar. Betroffen sind sieben Städte und Kreise sowie die Region Hannover – hier vor allem Gebiete am Steinhuder Meer.

Die komplette Karte der betroffenen Gebiete stellt das niedersächsische Agrarministerium im Internet zur Verfügung.

„Wasser ist unser Lebensmittel Nummer eins“, sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD) bei der Vorstellung der neuen Düngeverordnung in Hannover. Man müsse alles dafür tun, um es zu schützen. „Der Handlungsbedarf in Niedersachsen ist hoch“, sagte Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU). „Wir haben intensiv daran gearbeitet, die Vorgaben des Bundes und der EU zu erfüllen.“ Das führe aber auch zu großer Sorge bei den Betrieben.

Landwirte müssen Dünger schneller einarbeiten

Die neue Verordnung sieht in den betroffenen Gebieten verpflichtende Analysen des Wirtschaftsdüngers vor. Erst danach dürfen die Landwirte ihn über die Felder verteilen. Dünger und Gärreste müssen innerhalb von einer Stunde – anstatt früher vier Stunden – in den Boden eingearbeitet werden. Zudem müssen die Landwirte die Lagerkapazität für flüssige Wirtschaftsdünger und Gärreste von sechs auf sieben Monate ausweiten. Teilweise gelten Übergangsfristen bis 2021.

Bauern: Zu viele rote Gebiete

Der Landesbauernverband kritisierte, die Festlegung der roten Gebiete basiere auf einem sehr groben Raster, das zu große Gebiete einbeziehe. „Das ist aus Sicht des Landvolkes Niedersachsen ein ungerechtfertigtes Vorgehen und führt zu völlig unnötiger Betroffenheit einzelner Landwirte“, sagte Landvolkvizepräsident Holger Hennies.

Grüne: Zu wenige rote Gebiete

Die Grünen-Agrarexpertin Miriam Staudte warf der Landesregierung vor, die roten Gebiete schönzurechnen. Das Grundwasservorkommen sei auf mehr als 60 Prozent der Landesfläche in einem schlechten Zustand. „Die ausgewiesenen Flächen sind zu gering, und die Dünge-Vorgaben reichen bei Weitem nicht aus, um die Grundwasserbelastung wirksam zu reduzieren“, erklärte Staudte.

Die EU-Kommission hatte Deutschland wegen zu hoher Nitratwerte im Grundwasser verklagt und 2018 beim Europäischen Gerichtshof Recht bekommen. Die EU fordert vom Bund nun verschärfte Vorgaben, sonst drohen Strafzahlungen in Millionenhöhe. Niedersachsens Bauern müssen also mit noch schärferen Regeln rechnen. Nach den Plänen der Bundesregierung sollen die Landwirte künftig pauschal 20 Prozent weniger Dünger ausbringen dürfen.

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