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Niedersachsen Polizisten sollen in Nienburg Randalierer misshandelt haben
Nachrichten Politik Niedersachsen Polizisten sollen in Nienburg Randalierer misshandelt haben
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23:02 01.07.2009
Quelle: Tim Schaarschmidt
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Auch gegen zwei Beamte der Polizeiinspektion Liebenau wird ermittelt, sie sollen in geringem Umfang beteiligt gewesen sein.

Den Ermittlungen liegt die Anzeige eines 26 Jahre alten Nienburgers zugrunde. Der Mann soll im September 2007 bei der sogenannten „Summerwave-Party“ im Naturbad Eystrup an einer Schlägerei beteiligt gewesen sein. Als die alarmierten Beamten aus Liebenau eintrafen, war die Schlägerei bereits beendet. Was folgte, war nach den Schilderungen des Verdener Rechtsanwalts Jürgen Meyer, ein Platzverweis und „unschöne verbale Äußerungen“ des Nienburgers.

Nach Eintreffen der beiden Nienburger Beamten habe man seinen Mandanten in Gewahrsam nehmen wollen. Dem habe der 26-Jährige sich widersetzt und sei daraufhin von den vier Polizeibeamten unter anderem mit einem Tritt in die Kniekehle zu Fall gebracht worden. „Mit Kabelbindern hat man ihm dann die Hände auf dem Rücken gefesselt“, berichtet Anwalt Meyer. Erst danach sei gegen den immer noch widerspenstigen Mann Pfefferspray eingesetzt worden.

Anschließend wurde der 26-Jährige von den beiden Nienburger Beamten zur Polizeidienststelle der Kreisstadt gebracht. Unterwegs habe sein Mandant die Polizisten weiter beschimpft. Ein absolut inakzeptables Verhalten, meint der Anwalt, das aber in keinem Verhältnis zu dem stehen dürfte, was dann geschehen sei.

Zweimal soll das Polizeiauto nach Angaben des Anwalts einen Zwischenstopp eingelegt haben. „Mein Mandant wurde aus dem Auto gezerrt und auf den Boden geworfen. Dort wurde dann massiv auf ihn eingetreten und eingeschlagen“, sagt der Verdener Jurist und betont, dass der 26-Jährige dabei immer noch gefesselt gewesen sei. Die Gewalt sei so massiv gewesen, dass sein Mandant vermutlich zwischenzeitlich das Bewusstsein verloren habe. Zumindest könne er sich nicht mehr konkret daran erinnern, wie er anschließend wieder in das Polizeiauto gelangt ist.

In Nienburg habe man ihn in die Gewahrsamszelle gebracht und entgegen seiner Bitte die Fesselungen auf dem Rücken nicht abgenommen. „Er konnte sich weder die vom Pfefferspray brennenden Augen auswaschen noch den Toilettengang verrichten“, sagt Anwalt Meyer. Einer der Beamten soll dem Mann gesagt haben, dass er „in die Hose pinkeln könne“. Was er in seiner Not dann auch getan habe.

So massiv die Vorwürfe sind, so schwer dürften sie zu beweisen sein. Hier verweist der Anwalt jedoch auf den für eine Blutabnahme herbeigerufenen Arzt. Dieser habe in seinem Bericht vermerkt, dass die Kabelbinder erst unmittelbar zuvor abgenommen worden sind. Auch die Schnürmarken seien so extrem gewesen, dass er diese ebenfalls in dem Bericht vermerkt habe. Auf den Polizeifotos sollen diese erkennbar sein.

Ein Freund seines Mandanten, der mit auf der Party war, habe die Schreie vom ersten „Zwischenstopp“ noch gehört. „Doch dieser Zeuge ist inzwischen verstorben“, erklärt Meyer. Eine gewisse „Jennifer“, die der 26-Jährige bei der Sommerparty kennengelernt hatte, könnte das massive Vorgehen der vier Beamten zumindest auf dem Gelände des Naturbades bestätigen. Doch von dieser wichtigen Zeugin habe sein Mandant derzeit nicht mehr als den Vornamen.

Die Polizeiinspektion Nienburg wollte zu den Vorwürfen keine Angaben machen. Die „Pressehoheit“ liegt bei Ermittlungsverfahren generell bei der Staatsanwaltschaft. Oberstaatsanwalt Detlev Dyballa bestätigte ein entsprechendes Verfahren. Es würden aber noch Vernehmungen durchgeführt. Nach Vorlage der Akten und sämtlicher Beweise werde man entscheiden, wie es weitergeht. „Entweder wird es eine Einstellung geben oder eine Anklageerhebung.“

von Wiebke Bruns