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Niedersachsen Oettinger und McAllister starten Offshore-Windräder in der Nordsee
Nachrichten Politik Niedersachsen Oettinger und McAllister starten Offshore-Windräder in der Nordsee
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19:42 07.04.2011
Oettinger und McAllister eröffneten am Donnerstag eine Offshore-Windkraftanlage.
Oettinger und McAllister eröffneten am Donnerstag eine Offshore-Windkraftanlage. Quelle: dpa (Archivbild)
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Der symbolische Druck auf den roten Knopf markiert eine weitere Stufe beim Ausbau der Windkraft auf hoher See:
EU-Energiekommissar Günther Oettinger und Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (beide CDU) haben am Donnerstag drei weitere Anlagen des Projekts „Bard Offshore 1“ in Betrieb genommen. Damit bekommt der erste kommerzielle Windpark in der deutschen Nordsee zusätzlichen Schub. Der nach der Atomkatastrophe in Japan angepeilte Atomausstieg erhöht den Druck, die erneuerbaren Energien noch stärker zu fördern.

„Offshore ist wichtig als Ergänzung bei der Stromproduktion“, sagte Oettinger bei der Einweihung der riesigen Windkraftanlagen. „Wir streben an, dass in neun Jahren 35 Prozent aus den erneuerbaren Energien kommen.“ Die beiden Politiker waren am Nachmittag per Hubschrauber in das Baugebiet rund 90 Kilometer nordwestlich der Insel Borkum geflogen. Dort stehen derzeit 17 Anlagen, von denen elf Strom produzieren. Ende kommenden Jahres sollen bereits alle 80 Windräder der 5-Megawatt-Klasse installiert sein.

McAllister nannte die Windenergie eine „Jahrhundert-Chance für die Nordseeküste“. Entscheidend sei zudem ein gleichzeitiger Ausbau der Netze, bei dem auch Kritiker neuer Stromtrassen zu Wort kommen müssten. „Wir brauchen beim Ausbau des Stromnetzes echte Bürgerbeteiligung in Niedersachsen“, betonte der Regierungschef aus Hannover. „Ohne ein gewisses Maß an Erdverkabelung wird es nicht gehen.“ In den vergangenen Monaten hatte sich in Niedersachsen Widerstand gegen den Bau neuer Überlandleitungen zusammengebraut. Über sie soll der Strom aus den Windparks in den Süden gelangen.

Oettinger und McAllister informierten sich über die Details von „Bard Offshore 1“. Der komplette Windpark mit einer Leistung von 400 Megawatt soll rechnerisch bis zu 400.000 Haushalte mit Strom versorgen. Während der genehmigten Laufzeit von 20 Jahren werden nach Angaben des Windpark-Unternehmens Bard aus dem ostfriesischen Emden mindestens 17 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart.

Der ursprüngliche Termin für die Fertigstellung Ende 2010 war immer wieder nach hinten gerückt. Bauverzögerungen durch schlechtes Wetter und technische Probleme waren die Ursachen. Im Mai 2010 stürzte ein tonnenschweres, 90 Meter langes Fundamentrohr einige Meter auf das Bauschiff herunter. Im Juli 2010 kam ein schwedischer Berufstaucher bei Arbeiten in 40 Metern Tiefe ums Leben.

Neben technischen Schwierigkeiten musste Bard finanzielle Hürden meistern: Die Gesamtinvestitionen liegen bei rund 1,6 Milliarden Euro. Käufer ist der Stadtwerke-Verbund SüdWestStrom Windpark. Beteiligt sind 64 kommunale Versorger und Bürgergenossenschaften aus Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, Österreich und der Schweiz. Von der EU kommt ein Investitionszuschuss von 53 Millionen Euro.

Ungelöst sind noch etliche Umweltfragen. Meeressäuger könnten durch die Bauarbeiten vertrieben, Zugvögel verscheucht und bei Kollisionen mit Windanlagen getötet werden, fürchten Umweltschützer. Fischer verlieren womöglich Fanggebiete und müssen immer weiter in die Nordsee ausweichen, um neue Trassen für Stromkabel zu umgehen.

Der Präsident des Bundesverbands Windenergie, Hermann Albers, sieht das Projekt als Beleg dafür, dass die Offshore-Windenergie wegen der hohen Entfernungen zur Küste und der Wassertiefen große Herausforderungen zu bewältigen hat: „Das Projekt ist Schaufenster einer leistungsfähigen deutschen Offshore-Windindustrie.“

dpa

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