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Niedersachsen will Windräder im Wald ermöglichen

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17:18 30.11.2021
Nicht überall wohlgelitten: Windräder im Wald, hier in Baden-Württemberg.
Nicht überall wohlgelitten: Windräder im Wald, hier in Baden-Württemberg. Quelle: Patrick Seeger/dpa
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Hannover

Niedersachsen will zugunsten der Energiewende die Regeln für den Bau von Windrädern und Solarparks lockern. Künftig können Windkraftanlagen auch in Waldgebieten errichtet werden – allerdings nur sehr behutsam und auf ausgewählten Flächen. Für Fotovoltaikanlagen sollen auch bisher vorrangig landwirtschaftlich genutzte Flächen verwendet werden dürfen.

Dies sind zwei der wesentlichen Festlegungen, auf die sich das rot-schwarze Kabinett im sogenannten Landesraumordnungsplan am Dienstag geeinigt hat. Dort ist jetzt festgeschrieben, dass 2,1 Prozent der Landesfläche für Windenenergie verfügbar sein sollen. Noch vor Weihnachten sollen die Daten veröffentlicht und im nächsten Frühjahr endgültig beschlossen werden.

65 Gigawatt aus Solarstrom bis 2040

Der Plan definiert auch sogenannte Vorranggebiete Wald, in denen es keine Windräder geben darf. Sie umfassen knapp 300.000 Hektar historisch alte Waldstandorte, die entsprechend der Vereinbarungen des „Runden Tisches zur Zukunft der Windenergie“ auch künftig nicht für die Windenergie in Betracht genommen werden sollen.

Zu den erzielten Kompromissen zählt der Plan, künftig auf ausgewiesenen Ackerflächen das Aufstellen von Fotovoltaik zu ermöglichen. „Bis 2040 sollen 65 Gigawatt aus Solarstrom produziert werden“, erläutert der Sprecher des Umweltministeriums, Christian Budde: „50 Gigawatt sollen auf Dächern entstehen, 15 auf Freiflächen, die bisher vorrangig für die Landwirtschaft genutzt werden sollten.“ Doch dieser Vorrang, so Budde, falle nun weg – zu Gunsten der Energiewende. Anfang November hatte der Landtag in Hannover bereits beschlossen, dass künftig auf alle gewerblichen Neubauten eine Solaranlage gebaut werden muss.

Der Landtagsabgeordnete Christian Meyer von den Grünen sagte, den Vorstoß zu den Windrädern im Wald müsse man sich genau anschauen. Bei Forst-Monokulturen sei so etwas vielleicht möglich. Grundsätzlich begrüße er aber, dass die Windenergie ausgebaut werden soll.

Streit um Gipsabbau im Harz

Es gibt kaum ein Vorhaben, über das im Hintergrund so viel gerungen wurde, wie um den Raumordnungsplan. Einen ersten Entwurf hatte die Landesregierung zurückgezogen, nachdem es viele Einwände und Kritikpunkte gegeben hatte.

Einer der strittigsten Punkte war der Gipsabbau im Südharz, der um etwa 40 Hektar erweitert werden sollte. Natur- und Umweltschützer bäumten sich auf, auch Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) legte Protest ein. Eine einzigartige Gipskarstlandschaft im Harz sei in Gefahr ebenso wie der vor Jahrzehnten vereinbarte „Gipsfrieden“ mit dem Land. „Die umstrittenen kleinflächigen Erweiterungen im Bereich Gipsabbau im Landkreis Göttingen werden zurückgenommen“, erklärte die federführende Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) am Dienstag knapp.

UVN rechnet mit neuen Konflikten

Für Volker Müller von den Unternehmverbänden Niedersachsen (UVN) führt dieser Kompromiss in neue Zielkonflikte. Er wies darauf hin, dass derzeit viel Gips aus Rauchgasentschwefelungsanlagen in Kraftwerken gewonnen wird. „Die neue Ampelkoalition in Berlin will bundesweit 400.000 neue Wohnungen schaffen und gleichzeitig bis 2030 alle Kohlekraftwerke abschalten, doch die produzieren heute etwa 60 Prozent des Gipses, den man für den Wohnungsbau unbedingt braucht“, sagte Müller. Angesichts der Wohnungsnot sei der in Niedersachsen erstrittene Gipsfrieden doch äußerst zweifelhaft, meinte Müller. Das Umweltministerium betonte, dass Gipsabbau in Niedersachsen auch weiterhin möglich bleiben werde, allerdings nicht in dem gewünschten Umfang.

Von Michael B. Berger