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06:15 13.07.2012
Von Saskia Döhner
Foto: Die Bundesanstalt für Arbeit will Langzeitarbeitslose zu Erziehern umschulen. In Niedersachsen ist das aber gar nicht möglich.
Die Bundesanstalt für Arbeit will Langzeitarbeitslose zu Erziehern umschulen. In Niedersachsen ist das aber gar nicht möglich. Quelle: dpa
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Hannover

Einzige Voraussetzungen: Sie müssen als Schulabschluss zumindest mittlere Reife haben, und sie müssen die Umschulung wollen. In Nordrhein-Westfalen läuft bei der Arbeitsagentur die erste Umschulung für 1100 Frauen bereits.

In Niedersachsen ist dies bislang nicht möglich. Die Ausbildung zum Erzieher dauert hier vier Jahre. In den ersten zwei Jahren wird man an einer Fachschule zum Sozialassistenten ausgebildet, dann folgen zwei weitere Jahre bis zum Erzieher. Umschulungen kann die Arbeitsagentur nur fördern, wenn die Ausbildung um ein Drittel gekürzt wird oder wenn das Land das letzte Drittel kofinanziert. „Dies ist in Niedersachsen beides nicht der Fall“, sagte der Sprecher der Arbeitsagentur. Derzeit verhandeln Land und Arbeitsagentur über eine Lösung. „Wir sind überzeugt, dass eine Lösung gefunden wird“, hieß es beim Kultusministerium gestern. Es gehe aber nicht um eine grundsätzliche Verkürzung der Ausbildung: „Die Qualitätsstandards werden nicht gesenkt.“

Langzeitsarbeitslose in die Krippen zu schicken, ist eigentlich die Idee von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Ihr niedersächsischer Parteifreund, Kultusminister Bernd Althusmann, kommentierte zurückhaltend: Qualifizierte Umschulungen seien durchaus eine Antwort auf den steigenden Bedarf an Fachkräften im frühkindlichen Bereich. „Beim erreichbaren Umfang sollten wir für Niedersachsen aber realistisch bleiben“, sagte Althusmann. Da es sich um eine hoch anspruchsvolle Qualifikation handelt, setze eine Umschulung ein ernsthaftes Wollen voraus.

„Der Erzieherberuf ist sehr anspruchsvoll. Er setzt eine mehrjährige, gestufte Ausbildung voraus“, betonte Althusmann. Die Kommunen stünden im engen Kontakt zu den berufsbildenden Schulen, um bedarfsgerecht auszubilden. Jährlich beenden rund 2500 Erzieher und Sozialassistenten ihre Ausbildung.

Auch die Krippenträger, Kommunen und Wohlfahrtsverbände, haben Bedenken: „Wir legen Wert auf eine qualifizierte Betreuung“, sagte eine Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes, „vereinfachte, politisch eingefärbte Vorschläge helfen da nicht weiter.“ Berthold Ernst vom Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund nannte von der Leyens Vorstoß „populistisch“. „Menschlich zugewandte Kinderbetreuung kann nicht jeder“, heißt es bei der Arbeiterwohlfahrt. Sozialberufe dürften nicht zu Auffangbecken werden. „Fachliche Eignung kann man lernen, persönliche Eignung nicht“, sagte Cornelia Rundt vom Paritätischen. SPD-Bildungsexpertin Frauke Heiligenstadt warnte vor „Blitzumschulungen“. Grundsätzlich sei es aber zu begrüßen, wenn Erwerbslose sich für einen neuen Beruf qualifizierten.

Wie viele Erzieher in Niedersachsen fehlen könnten, wenn im nächsten Sommer der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz kommt, ist unklar. „Bei mir hat noch kein Bürgermeister angerufen, weil er eine Erzieherstelle nicht besetzen kann“, sagte Ernst vom Städte- und Gemeindebund. Gleichwohl sei bekannt, dass vor allem in den Großstädten Betreuer dringend gesucht würden.

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