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Niedersachsen Werden Harztäler dem Hochwasserschutz geopfert?
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17:03 17.12.2017
Die Innerste-Talsperre bei Langelsheim: Soll sie weiter ausgebaut werden? Quelle: HAZ
Hannover

 Der Antritt der neuen rot-schwarzen Landesregierung hat Niedersachsens Naturschutzverbände an einem Punkt erschreckt. Denn das Koalitionsabkommen von SPD und CDU sieht den Ausbau bestehender und die Planung neuer Talsperren im Harz vor – aus Gründen des Hochwasserschutzes etwa. Doch eine solche Planung sei völlig rückwärtsgewandt und überholt. „Das ist technischer Hochwasserschutz im Stil der 1970er Jahre“, kritisieren die Verbände.

„Die jüngsten Hochwässer mit ihrer flächenhaltigen Wirkung und ihrer schwer einschätzbaren lokalen Dynamik haben gerade wieder gezeigt, dass es wirkungsvoller ist, Fließgewässeer zu renaturieren, Flussauen von Bebauung freizuhalten und weitere Zurückhaltungsflächen an den Flüssen zu schaffen“, sagt Holger Buschmann, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu). Er vermutet, dass hinter dem Koalitionsabkommen auch wirtschaftliche Interessen der Harzwasserwerke stehen könnten, die 1996 unter der Regierung Schröders privatisiert worden sind und einem Konsortium aus Energieversorgern gehören, unter ihnen die Stadtwerke von Hannover (jetzt: Enercity) und Hildesheim. „Welche Täler sollen geopfert werden?“ fragt Carl-Wilhelm Bodenstein-Dresler vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND)  –und vermutet, dass die Grane-Talsperre und die Innerste-Talsperre ausgebaut werden sollen. Eine Talsperrenplanung für das geschützte Siebertal sei auch schon mal andiskutiert worden. „Das ist ein geschütztes Gebiet nach der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtline“, sagt Ronald Olomski vom Niedersächsischen Heimatbund. Eine Bebauung des Siebertales wäre eine „Kriegserklärung an den Harz“, sagt Bodenstein-Dresler.

Doch davon wollen die Harzwasserwerke nichts wissen. „Den Vorwurf, dass wir aus rein marktwirtschaftlichen Interessen einen Ausbau oder Umbau unserer Talsperren im Harz anstreben würden, weisen wir entschieden zurück“, sagt Pressesprecherin Marie Kleine. „Ganz im Gegenteil: Beim vergangenen Hochwasser im Juli hat sich gezeigt, dass gerade die Innerstetalsperre zu klein war, um das Hochwasser ohne beständiges Pumpen des Wassers in die größere Granetalsperre zu fassen.“ Jede Talsperre habe einen Hochwasserschutzraum, der freigehalten werden müsse – gewissermaßen als Raumreserve für Hochwasser. Aber angesichts des Klimawandels müssten auch die Harzwasserwerke ihre Systeme zukunftsfähig weiterentwickeln. „Aktuell haben wir keine konkreten Pläne, eine Talsperre aus- oder umzubauen“, versichern die Harzwasserwerke.  Auch eine neue Talsperre sei „aktuell“ nicht geplant.  Allerdings  wolle man mit dem Umweltministerium ein Projekt starten, das den Harz als Wasserspeicher „als Gesamtsystem in den Blick nimmt“.

Eher kryptisch und allgemein ist die Antwort, die der neue Umweltminister Olaf  Lies (SPD) zu den Fragen des Talsperrenumbaus gibt: „Angesichts der klimatischen Veränderungen mit Extremwetterlagen müssen wir in Zukunft vermehrt mit Hochwassern rechnen. Deshalb müssen wir die Mittel im Hochwasserschutz deutlich erhöhen und auch in Hochwasserschutzprojekte investieren. Vornehmlich sind dabei Maßnahmen zu betrachten, die umsetzbar sind und auch in absehbarer Zeit zu einem Erfolgen führen. "

Eine neue Sieber-Talsperre kann damit nicht gemeint sein.

Von Michael B. Berger

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