Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Niedersachsen Nach Erdstößen: Wintershall Dea will Erdgasbohrungen im Kreis Verden aufgeben
Nachrichten Politik Niedersachsen Nach Erdstößen: Wintershall Dea will Erdgasbohrungen im Kreis Verden aufgeben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:08 06.12.2019
Die Erdgasförderanlage Völkersen-Nord des Gas- und Ölkonzerns Wintershall Dea soll nur noch bis 2036 betrieben werden. Nach zwei leichten Erdbeben im Landkreis Verden will der Konzern auf weitere Bohrungen dort verzichten. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Hannover

Der Erdgas- und Erdölkonzern Wintershall Dea wird künftig auf weitere Bohrungen im Erdgasfeld Völkersen/Völkersen-Nord verzichten. Das hat Konzernmanager Dirk Warzecha am Donnerstag angekündigt. Der Konzern reagiere damit auf die leichten Erdbeben, die am 20. November dieses Jahres die Region im Landkreis Verden erschüttert haben. Die vor gut zwei Wochen verzeichneten Erdstöße seien „wahrscheinlich“ eine Folge der langjährigen Erdgasförderung in dem Gebiet, erklärte das Unternehmen. Forderungen nach einem sofortigen Stopp der Förderung, wie sie etwa der BUND oder auch örtliche Politiker erhoben, kommt Wintershall Dea indes nicht nach.

Verzicht auf weitere Bohrungen

Zuletzt war im zweiten Quartal dieses Jahres in Völkersen-Nord nach Erdgas gebohrt worden. Theoretisch könnte das Unternehmen nach Worten seines Sprechers Michael Sasse noch einige andere Bohrungen auf dem Erdgasfeld vornehmen, das zu den produktionsstärksten in Deutschland gehört und aus dem seit 1992 Erdgas gefördert wird. Doch werde man jetzt sukzessive die Förderung auslaufen lassen, kündigte Sasse an. Bis 2036 werde das Gasreservoir erschöpft sein.

Minister Althusmann lobt Entscheidung

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann begrüßte die Reaktion des Unternehmens. Er sagte am Donnerstagabend der HAZ: „Die Entscheidung, die Erdgasförderung auf den Feldern Völkersen freiwillig langfristig auslaufen zu lassen, spricht für das Unternehmen Wintershall Dea. Ebenso die Ankündigung, die seismologische Überwachung vor Ort zu intensivieren.“ Es sei nachvollziehbar, dass bei den Bewohnern der Region das Verständnis für Wirtschaft und Arbeitsplätze schwinde, wenn die Erde infolge der Erdgasförderung bebe, erklärte Althusmann.

Am 20. November dieses Jahres hatte die Erde im Landkreis Verden gleich zweimal gebebt – einmal um 18.28 Uhr, dann um 22.30 Uhr. Die Erdstöße erreichten nach Angaben des Landesbergamtes Magnituden-Werte von 3 und 3,2. Sie ließen Gläser klirren, Häuserwände vibrieren und den Schreibtisch des Bürgermeisters von Kirchlinteln wackeln. Anwohner Verdens hatten das Gefühl, eine U-Bahn rattere unter der Kleinstadt hindurch. Etliche Schadensmeldungen gingen inzwischen bei der Firma Wintershall Dea ein. Sie sicherte zu, für die Schäden an den Gebäuden – meist Risse im Putz – schnell und unbürokratisch aufzukommen.

Erdgasfeld mit 76 Quadratkilometern

Die Ursache für das Beben ist in 5000 Metern Tiefe unter Kirchlinteln zu suchen. Dort erstreckt sich auf 76 Quadratkilometern das Erdgasfeld Völkersen, das Wintershall Dea ausbeutet. Das Landesbergamt erklärt den Zusammenhang zwischen Förderung und Erdbeben mit den sich auf- und abbauenden Spannungen in dem unter extrem hohem Druck stehenden Sandsteingefüge. In den Poren des Sandsteins lagert das Erdgas. Entweicht es durch die Förderung aus dem Gestein, fällt dort der Druck ab, und es kommt zu Spannungen mit anderen Schichten.

49 Erdbeben seit dem Jahr 1900

Im Landkreis Verden sind nach Angaben von Wintershall Dea bisher insgesamt 22 Erdstöße gemessen worden, von denen rund die Hälfte für die Bevölkerung spürbar war. In ganz Niedersachsen hat es nach Angaben des Landesbergamtes seit 1900 bis heute 49 Erdbeben mit einer Magnitude über 2,0 gegeben, ab der Erdbeben für den Menschen wahrnehmbar sind. Neun von ihnen lagen über der Magnitude 3.

Lesen Sie auch

Von Michael B. Berger

Wegen eines Urteils des Bundesverfassungsgericht muss das vor Kurzem verabschiedete Polizeigesetz nachgebessert werden. Streit gibt es über die Schleierfahndung.

05.12.2019

Die CDU-Fraktion im Landtag hat ihren Vorstand neu gewählt. Der bisherige Fraktionsvorsitzende Dirk Toepffer aus Hannover steht auch weiterhin an der Spitze. Er erhielt 88,4 Prozent der Stimmen. Auch die sechs Stellvertreter Toepffers wurden im Amt bestätigt.

05.12.2019

SPD und CDU wollen das Ministergesetz verschärfen, um Interessenskonflikten beim Wechsel in die freie Wirtschaft vorzubeugen: Politiker sollten nach dem Ausscheiden aus dem Amt eine Frist von bis zu 18 Monaten einhalten. Das ist aber nur als sogenannte Kann-Bestimmung formuliert. Grüne und AfD fordern strengere Regelungen.

05.12.2019