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Niedersachsen Jüdische Gemeinden in Niedersachsen fürchten Nachahme-Taten
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12:22 10.10.2019
„Der Anschlag hat eine neue Qualität“: Michael Fürst, Vorsitzender des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, sieht das Attentat in Halle als tiefen Einschnitt. Quelle: Daniel Junker
Hannover

Nach den tödlichen Attacken in Halle befürchten die Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, dass es zu Nachahme-Taten kommen könnte. „Der Anschlag in Halle ist eine neue Qualität, wir haben uns in Deutschland bisher nicht vorstellen können, dass jemand eine Synagoge stürmen will, um Menschen zu töten“, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, Michael Fürst, der HAZ: „Ich befürchte, dass wird nicht das letzte Mal sein, dass jemand so eine Tat begehen will. So etwas führt in der Regel leider zu Nachahmungen“, sagte Fürst.

Synagogen nicht zu Burgen ausbauen“

Vor dem Attentat in Christchurch habe man sich nicht vorstellen können, dass ein Attentäter sogar seine Untaten filmt, sagte Fürst. Aber jetzt habe sich so etwas auch in Deutschland ereignet. „Es war ja schon so etwas wie göttliche Fügung, dass der Attentäter in Halle die Tür der Synagoge nicht öffnen konnte.“

In Christchurch in Neuseeland hatte im März ein Rechtsterrorist 50 Menschenbeim Angriff auf zwei Moscheen getötet und die Tat gefilmt.

„Wir wollen Sicherheit, aber keine Getto-Situation“

Fürst zufolge, sind die jüdischen Gemeinden mit niedersächsischen Politikern im Gespräch, um die Sicherheitsmaßnahmen in den jüdischen Gotteshäusern zu erweitern. Aber man könne und dürfe die Synagogen auch nicht zu Burgen mit ständigem Polizeischutz ausbauen. „Wir wollen Sicherheit, aber keine Getto-Situation, das ist mein erklärtes Ziel“, sagte Fürst.

Die jüdischen Gemeinden seien Teil der deutschen Gesellschaft und müssten offen bleiben. Er fühle sich bei den niedersächsischen Sicherheitsbehörden, mit denen man ständig im Kontakt sei, in guten Händen, betonte der Landesverbandsvorsitzende der traditionellen Gemeinden.

Liberale Gemeinden fordern Sicherheits-Etat

Demgegenüber fordert die Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, Katarina Seidler, eine deutliche Erhöhung der Sicherheitsmaßnahmen. „Wir brauchen dafür einen eigenen Etat und können das nicht über den Staatsvertrag mit den jüdischen Gemeinden regeln, wie es einige wünschen“, sagte Seidler der HAZ. Sie befinde sich seit Jahren in Gesprächen mit niedersächsischen Spitzenpolitikern über die angespannte Lage, angefangen beim Ministerpräsidenten bis hin zu den Chefs der Landtagsfraktionen.

„Die Gespräche sind sehr freundlich, aber es bewegt sich fast nichts beziehungsweise viel zu langsam“, sagte Seidler. Die Liberalen Jüdischen Gemeinden hätten bereits ehrenamtlich eine Sicherheitsgruppe gegründet, die vor den Toren Wacht halte, aber dabei könne es nicht bleiben: „Wir können doch nicht unsere Kinder bitten aufzupassen, sondern brauchen ordentliches Sicherheitspersonal.“

Warnungen zu wachsendem Antisemitismus habe man in Niedersachsen allzulange überhört, sagte Seidler, die in diesem Punkt auch anderer Meinung als Michael Fürst von den orthodoxen Gemeinden ist.

„Das Klima wird giftiger“: Fürst fordert mehr Aufklärung

Fürst sagte, die Sicherung der Synagogen sei in erster Linie keine technische, sondern eine gesellschaftliche Frage. „Es geht um das allgemeine Klima, das giftiger wird. Der Antisemitismus ist allmählich in der Mitte der Gesellschaft gelandet, das ist das Problem.“ So höre man immer häufiger, dass es den Holocaust gar nicht gegeben habe. „Es reicht nicht, heute mit Abscheu und Empörung auf das Attentat in Halle zu reagieren, sondern es muss an den Schulen, in der Politik noch mehr Aufklärung geleistet werden“, sagte Fürst: „Da sind wir alle gefordert.“

Entsetzt haben sich auch Vertreter muslimischer Verbände über die Gewalttat von Halle gezeigt. Der Angriff treffe „nicht nur unsere jüdischen Nachbarn und Freunde, sondern die gesamte Gesellschaft“, erklärte Recep Bilgen, Vorsitzender des Moscheeverbandes Schura. Es sei höchste Zeit, dass sich die Gesellschaft gegen den Antisemitismus und jegliche Form von Rassismus einsetze. „Dieser Attacke ist auch ein Angriff auf uns alle“, erklärte Avni Altiner vom Verein „Muslime für Niedersachsen“.

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Von Michael B. Berger

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