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Niedersachsen Mit rollendem „R“ kommt Schröder-Kopf zur Sache
Nachrichten Politik Niedersachsen Mit rollendem „R“ kommt Schröder-Kopf zur Sache
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18:34 04.06.2013
Von Michael B. Berger
Doris Schröder-Kopf im Niedersächischen Landtag als Beauftragte für Migration.
Doris Schröder-Kopf im Niedersächsischen Landtag als Beauftragte für Migration. Quelle: dpa
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Hannover

Wenn Doris Schröder-Köpf im Landtag das Wort ergreift, ist es im Parlament ruhiger als sonst. Regierungs- und Oppositionsabgeordnete hören besonders genau hin, wenn die ehrenamtliche Integrationsbeauftragte zum Thema Syrienflüchtlinge spricht. Zweimal hat sie, die wohl bekannteste Wahlhelferin des Ministerpräsidenten Stephan Weil, zur Sache gesprochen - und Applaus auch von der Opposition bekommen.

Doch auch nach mehr als hundert Tagen im Parlament ist die innere Aufregung noch nicht weg, wenn Schröder-Köpf vor den Landtag tritt. „Ich habe schon viele Reden gehalten in Ehrenämtern, aber ich empfinde es als große Ehre, vor einem Parlament zu reden“, sagt Schröder-Köpf, die einst als Journalistin Parlamentarier beobachtet hat. Deshalb erstaunen sie die rüden Sitten nicht, die mitunter im Landtag herrschen. Nein, manches rhetorische Scharmützel macht der Abgeordneten mit dem herrlich rollenden „R“ richtig Spaß. „Wenn jemand einen Anwurf elegant pariert und schlagfertig ist, dann geht man auch mal zur Opposition und gratuliert“, sagt Schröder-Köpf.

Sie wundert sich indes über die „Zeitfresser“ im parlamentarischen Alltag. Wenn jedes Argument noch einmal vorgetragen wird, obwohl es bereits erwähnt wurde, aber eben nicht von jedem. Da fragt sie sich schon: „Wo, Herrgott, ist denn nun das Problem?“ Denn eines hat sie als Abgeordnete sowie als Mutter zweier schulpflichtiger Kinder eh immer zu wenig: Zeit.

Seit knapp zwei Monaten ist die zierliche 49-Jährige, die sich schon durch die elegante Kleidung von den niedersächsischen Landtagsnormalos abhebt, auch offiziell Integrationsbeauftragte des Ministerpräsidenten. Als solche eröffnet sie ein „Haus der Kulturen“ in Braunschweig, spricht auf einer Gedenkveranstaltung zum 20.Jahrestag des Solingen-Anschlags in Hannover oder macht ihren Antrittsbesuch beim Bund Türkischer Unternehmer in Hannover. Mit den in der Flüchtlingshilfe engagierten Abgeordneten und den Moscheegemeinden in Hannover ist sie bereits vertraut, bei der Diskussion über die umstrittenen Kettenduldungen sofort im Thema.

Wenn sie für die Bereitschaft zur Aufnahme syrischer Flüchtlinge plädiert, kann sie leidenschaftlich werden, dann rollt das „R“ beim Wörtchen „Innovationskraft“ noch etwas kräftiger. Denn die Erneuerungskraft „einer Gesellschaft kommt doch von den jungen Menschen, 75 Prozent der Flüchtlinge aus Syrien sind Frauen und Kinder - hoffentlich kommen die Männer hinterher“, sagt Schröder-Köpf. Als Beauftragte für Migration und Teilhabe ist sie die Botschafterin der „Willkommenskultur“, an der es in Niedersachsen noch hapert.

Der Job ist kein leichter, denn er ist als „Querschnittsaufgabe“ unscharf beschrieben. Sie sieht ihre Arbeit selbst als „Puzzle“, weil sie bei allen Themen, in denen es um Migration und Teilhabe geht, beteiligt werden soll. „Das reicht vom einzelnen Flüchtling bis zur ausgebeuteten Fleischarbeiterin aus Russland“, sagt sie. Einen großen Apparat wie etwa ihr bayerischer Kollege hat Doris Schröder-Köpf nicht. Aber sie ist viel zu diszipliniert, um darüber laut oder gar öffentlich zu klagen. Sie belässt es bei einer Andeutung über die guten Verhältnisse in Bayern.

Als Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe sitzt sie zudem dem Integrationsbeirat vor sowie einer rot-grünen Arbeitsgruppe, die sich um Fortschritte auf diesem Feld bemüht. Hier lobt sie die gute Zusammenarbeit mit der Grünen Filiz Polat, die seit Jahren für die Migranten streitet. Überhaupt sei die Stimmung mit den Grünen gut, sagt die Abgeordnete, die aber auch mit ihren Sitznachbarn aus der SPD, etwa dem jungen Abgeordneten Mustafa Erkan, einen zwanglosen Austausch pflegt.

Die Reform der Härtefallkommission, einen neuen Staatsvertrag mit Muslimen, ein Zentrum für traumatisierte Flüchtlinge in Hannover („ein Haus, in dem Ärzte und Therapeuten arbeiten, so ein Traumazentrum gibt es schon in Berlin ...“) - es steht eine ganze Menge auf der Projektliste von Doris Schröder-Köpf. Gerd Schröder fördert und lobt das Engagement seiner Frau und sei, so viel ist zu hören, „auch zunehmend bereit zu koordinieren, dass er in Hannover bleiben muss, wenn hier Landtagsplenum ist“. Insoweit haben die Schröders den Terminkalender des Altkanzlers, der immer noch sehr viel im Ausland unterwegs ist, durchgeforstet. Denn wenn sich ein Altkanzler auf Reisen begibt, kann auch ein niedersächsischer Ministerpräsident seiner Beauftragten nicht helfen.

Alexander Dahl 05.06.2013
Matthias Koch 30.05.2013