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Niedersachsen Ein 96-Fan in der Höhle des Löwen
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19:11 25.06.2013
Von Saskia Döhner
Foto: Stephan Weil schaut sich im Stadion von Eintracht Braunschweig um.
Stephan Weil schaut sich im Stadion von Eintracht Braunschweig um. Quelle: dpa
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Braunschweig

Als erstes gibt er ein Autogramm: Energische Kringel malt Stephan Weil (SPD) mit seiner linken Hand auf das Papier, das ihm ein älterer Mann am Dienstagmittag vor dem VIP-Zelt hinhält. Der Ministerpräsident schüttelt ihm noch die Hand, lässt sich von einer Mitarbeiterin der Staatskanzlei noch eine Autogrammkarte reichen, unterschreibt auch diese, gibt sie dem Mann und eilt ins Zelt, um dort mit Funktionären des Fußballvereins Eintracht Braunschweig über Gewalt in Stadien und Fans zu diskutieren.

Ausgerechnet beim Erzrivalen Braunschweig beginnt der eingefleischte Hannover-96-Fan seine Sommerreise, lässt sich das Stadion zeigen, das derzeit für 16,5 Millionen Euro eine neue Haupttribüne mit 20 VIP-Logen, 1100 Businessplätzen und Gaststätte bekommt. "Einmal Löwe, immer Löwe" steht auf der Bande des Stadions, das zu den wenigen Stadien in Deutschland gehört, das noch eine Leichtathletiklaufbahn hat.

"Hannover vor Braunschweig?"

"Ich werde in nächster Zeit sicher öfter hier sein", sagt Weil. Eintracht Braunschweig hat nach 28 Jahren den Wiederaufstieg in die erste Bundesliga geschafft. Er freue sich auf schöne Derbys, fügt er hinzu, wobei sei Herz zweifellos für Hannover schlagen werde. Einen Tipp für die Ranglistenplatzierung der beiden Mannschaften in der kommenden Saison hat er auch schon: "Hannover um Platz 10, Braunschweig bei 15." – "Hannover vor Braunschweig?" ruft der frühere Ministerpräsident und Eintracht-Ehrenpräsident Gerhard Glogowski gespielt empört. ,,Sicher nur am Anfang der Saison!"

Weil appelliert an die Fans, sich von den wenigen gewaltbereiten Hooligans die Spiele nicht verderben zu lassen. Fanprojekte zur Gewaltprävention seien unerlässlich, die Fans seien ganz unterschiedlich. "Es gibt solche, die sind von Montag bis Freitag so was von bürgerlich und lassen dann am Wochenende unter dem Stichwort Fan die Sau raus. Und dann gibt es andere, die leben Fußball und sind nicht besonders kommerziell eingestellt, daraus entstehen dann Reibereien mit dem Profifußball." Doch genau diesen Anhänger seien besonders wichtig für die Stimmung im Stadion. 

"Ich bin sachlich und ich mag Menschen."

Vor einem Jahr war Weil schon auf Sommerreise, damals als Spitzenkandidat für die SPD im Landtagswahlkampf, Autogramme hat er da noch nicht gegeben. Damals ging es ums Bekanntwerden. "Dieses Mal ist es viel entspannter, ich muss nicht mehr dauernd mich selbst promoten und auf dem Laufsteg sein",sagt Weil später im Bus. Mit dem Begriff Landesvater kann der 54-jährige Politiker nicht allzuviel anfangen. "Da denke ich an ältere weise Männer." Und Landesväter joggen sicher auch nicht abends, um den Kopf freizukriegen. Sich selbst charakterisiert Weil so: "Ich bin sachlich und ich mag Menschen."

Richtig menschlich wird es, als der Ministerpräsident am späten Nachmittag in Uelzen sieben Jugendlichen das Zeugnis mit dem Hauptschulabschluss überreicht. "Darauf können Sie stolz sein", sagt er zu den Schülern. Dominik aus Ebstorf gehört dazu, in der Woltersburger Mühle hat er wieder Lust aufs Lernen bekommen, seine alte Schule hatte er wegen zu häufigen Fehlens ohne Abschluss verlassen. Jetzt will er im August mit einer Maler- und Lackiererlehre beginnen. "Eine zweite Chance im Leben" nennt Weil, das Qualifizierungsprojekt, das Pastor Gérard Minnaard zusammen mit Langzeitarbeitslosen und regionalen Handwerksbetrieben aus der Taufe gehoben hat.

Später beim maroden Schiffshebewerk Scharnebeck mahnt Weil den dringenden Ausbau der gut 40 Jahre alten Schleuse an am Elbeseitenkanal an. 240 Millionen Euro würde der Ausbau kosten. Bislang liegt das Projekt beim Bund auf Eis. Weil appelliert an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) dies zu ändern. "Wir brauchen die Sanierung dringend, auch für die Hafenhinterlandanbindung nach Hamburg."Bis Freitag wird Weil noch quer durch Niedersachsen unterwegs sein, sich unter anderem in Lemwerder eine Rotorenfirma für Windkraftanlagen, in Hameln das Jugendgefängnis und im Solling ein Baumhaushotel angucken. Er wolle sich nicht nur die heile Welt angucken, sagt der Ministerpräsident, der bestimmt auch noch die eine oder andere Autogrammkarte bei dieser Reise unterschreiben wird. Aber das macht er mit links.

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