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Niedersachsen Massiver Widerstand gegen Stromnetze
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11:29 11.09.2010
Von Klaus Wallbaum
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Neue Hoffnung bietet nun das vor wenigen Tagen beschlossene Energiekonzept der Bundesregierung, das ein „Pilotprojekt für Überlandleitungen“ verspricht. Damit könnten die bisherigen Pläne womöglich ersetzt werden – den Bürgerprotesten wäre dann Genüge getan.

Heftiger Streit entzündet sich derzeit vor allem an der Planung der Stromtrasse von Wahle bei Peine über Hildesheim bis nach Mecklar in Hessen. Das Raumordnungsverfahren läuft, und nun liegen 14.000 Einwendungen vor. „Wir wollen alle Beschwerden gründlich abarbeiten, das wird dauern“, sagt Agrar-Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke. Ein Ende 2007 im Landtag beschlossenes Gesetz sieht zwar die Pflicht zur Erdverkabelung vor, doch 2008 wurde ein Bundesgesetz verabschiedet, das nur eine Kannbestimmung hat. Die SPD lässt jetzt die Landtagsjuristen prüfen, ob nicht doch das Landesgesetz Vorrang hat.

Damit aber der Wunsch nach Erdkabeln doch zum Erfolg führt, will die Ripke Vorgaben bei der Raumordnung machen: Immer dann, wenn die Stromtrasse weniger als 400 Meter Abstand zur Wohnbebauung hat, sollen Kabel unterirdisch verlaufen. Ob die Regierung mit dieser Linie die aufgebrachten Bürger vor allem in Südniedersachsen beruhigen kann, ist fraglich. Viele Anwohner in den von der Trassenplanung betroffenen Gebieten bangen um den Wert ihrer Grundstücke, weil bis zu 80 Meter hohe Masten das Landschaftsbild und damit auch die Chance für Tourismus einzuschränken drohen. Der Landtagsabgeordnete Uwe Schwarz (SPD) wirft den Netzbetreibern „Provokation“ vor. Sie schürten mit ihren Plänen den Protest breiter Teile der Bevölkerung, weil sie in Wahrheit den Netzausbau blockieren und damit die Marktchance der Windenergie schmälern wollten. Die geplanten Masten seien doppelt so hoch wie der Gandersheimer Dom, klagt Schwarz.

Die Politik steckt in einem Dilemma: Einerseits werden die Stromtrassen dringend gebraucht, wenn der erhoffte Ausbau der Offshore-Windräder in der Nordsee, der bislang schleppend anläuft, endlich zu einem Boom wird. 2015 soll das der Fall sein. Andererseits wachsen die Bedenken gegen die neuen Trassen.

Eine Lösung könnte darin bestehen, den Strom in schmaleren Gleichstrom-Kabeln von der Nordsee nach Süddeutschland zu leiten. Dafür plant die Bundesregierung in ihrem neuen Energiekonzept ein „Pilotprojekt“. Ripke will nun mit Berlin verhandeln, ob der Bund ein solches Verfahren unterstützen kann und ob damit womöglich die derzeit umkämpften Pläne ersetzt werden können. Das Gleichstrom-Kabel hätte den Vorzug, dass es vermutlich über die vorhandenen Strommasten geleitet oder aber unterirdisch verlegt werden kann. Abzweigungen von der Leitung dürfte es dann jedoch nicht geben, deshalb wären viele neue Masten wohl verzichtbar.