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Niedersachsen Keine Abiturienten im Jahr 2020
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00:17 06.06.2015
Von Heiko Randermann
Foto: Wird es 2020 nicht geben: Schüler während ihrer Abiturprüfung in Niedersachsen.
Wird es 2020 nicht geben: Schüler während ihrer Abiturprüfung in Niedersachsen. Quelle: dpa
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Hannover

Mit den Stimmen von SPD und Grünen hat der Landtag die seit Monaten umstrittene Novelle des Schulgesetzes beschlossen. Damit kehrt Niedersachsen als erstes Bundesland wieder zum Abitur nach 13 Jahren an Gymnasien zurück. Außerdem werden Gesamtschulen gestärkt, Förderschulen weiter zurückgefahren und die Schullaufbahnempfehlung an Grundschulen wird abgeschafft. Die HAZ beantwortet die wichtigsten Fragen zur Zukunft der Gymnasien.
Wie schnell wird das Abitur nach 13 Jahren wieder eingeführt?

Das Gesetz gilt ab dem nächsten Schuljahr, das am 1. August beginnt, allerdings nicht für alle Jahrgangsstufen. Eingeführt wird es zunächst für alle, die nach den Sommerferien in die Klassen 5 bis 8 kommen. Die Jahrgänge 9, 10, 11 und 12 müssen noch das Turbo-Abi absolvieren. Das bedeutet auch, dass es im Jahr 2020 an den Gymnasien einen Jahrgang ohne Abitur geben wird.

Sind die Schulen schon auf die Umstellung vorbereitet?

Bereits seit Februar gibt es Entwürfe für die neuen Lehrpläne, an denen sich die Schulbuchverlage und die Gymnasien orientieren konnten. Die Umstellung sei „nicht aufregend. Es ist immer leichter, etwas zu entzerren als etwas zu verdichten“, meint GEW-Chef Eberhard Brandt. Dagegen kritisiert der Vorsitzende des Philologenverbands Horst Audritz, dass den Schulen die Vorbereitungszeit davonlaufe. So sei nicht klar, ob in der elften Klasse 30 oder 32 Wochenstunden angeboten werden müssen. Die Fachkonferenzen, die die Planung machen müssten, „werden vor den Ferien keine Termine mehr finden“, warnt Audritz.

Können Schüler trotz Gesetzesänderung weiter nach 12 Jahren ihr Abitur ablegen?

Das freiwillige Turbo-Abi ist möglich, dafür müssen Schüler zum Beispiel die zehnte Klasse überspringen. Wer sich dafür entscheidet, soll durch Förderstunden unterstützt werden.

Warum wird die Schullaufbahnempfehlung in der vierten Klasse abgeschafft?

„Wir wollen den Druck von den Grundschulen nehmen“, sagt Heiner Scholing, bildungspolitischer Sprecher der Grünen. Stattdessen wird es zwei Beratungsgespräche für Eltern geben. Faktisch ändert sich dadurch nicht viel, denn auch bislang mussten sich Eltern nicht an die Schullaufbahnempfehlung halten, sondern konnten ihr Kind bei jeder weiterführenden Schule anmelden. Jetzt fällt allerdings die Möglichkeit der Zwangsabschulung von schwachen Schülern vom Gymnasium etwa auf die Realschule nach der 6. Klasse weg.

Muss ich befürchten, dass unser Gymnasium geschlossen wird, weil es jetzt durch eine Gesamtschule ersetzt werden darf?

Diese Frage ist in der politischen Diskussion am heftigsten umstritten. „Das Gymnasium bleibt die stärkste Schulform in Niedersachsen. Es wird kein Sterben von Gymnasien geben“, versichert Kultusministerin Frauke Heiligenstadt. Die Opposition hingegen erwartet zwar auch keine sofortigen Schulschließungen, sieht aber durch das Gesetz die Grundlage für ein langsames Aushöhlen der Gymnasien und ein systematisches Stärken der Gesamtschulen gelegt. Da in den nächsten Jahren die Schülerzahlen weiter zurückgehen werden, könnten Schulträger gezwungen sein, sich in dünn besiedelten Gebieten zwischen Gesamtschule und Gymnasium am Ort zu entscheiden, befürchten CDU und FDP. Der Schulexperte der Grünen, Heiner Scholing, nennt diesen Gedanken ein „Schreckgespenst“.

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