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Niedersachsen Abgang mit Ansage: SPD-Fraktionschefin Hanne Modder hört im Herbst auf
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Landtag Niedersachsen: SPD-Fraktionschefin Modder hört im Herbst auf

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08:27 06.01.2022
Tritt bei der Landtagswahl am 9. Oktober nicht mehr an: Johanne Modder, Vorsitzende der SPD-Fraktion im niedersächsischen Landesparlament.
Tritt bei der Landtagswahl am 9. Oktober nicht mehr an: Johanne Modder, Vorsitzende der SPD-Fraktion im niedersächsischen Landesparlament. Quelle: Holger Hollemann
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Hannover

Die SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Johanne Modder, wird bei der kommenden Landtagswahl am 9. Oktober nicht wieder antreten. Das hat die 61-jährige Ostfriesin jetzt ihren Parteigremien bekannt gegeben. Ihr sei diese Entscheidung nicht leichtgefallen, schreibt Modder, die seit 19 Jahren den Wahlkreis Leer/Borkum als direkt gewählte Abgeordnete vertritt. „Es war mir allerdings immer wichtig, den Zeitpunkt des Abschieds selbst zu bestimmen und den richtigen Zeitpunkt dabei nicht zu verpassen.“

Klassisch über die Kommunalpolitik eingestiegen

Modder ist über die Kommunalpolitik in die Landespolitik gekommen. Die gelernte Verwaltungsangestellte mit dem typisch ostfriesischen Zungenschlag steht seit 2013 an der Spitze der SPD-Fraktion, die in der ersten Wahlperiode mit den Grünen die Regierung stellte. Den Titel „Mutter der Kompanie“, den manche schon scherzend zu „Modder der Kompanie“ umformten, mag Modder überhaupt nicht. Er klingt ihr zu despektierlich. „Meine Fähigkeiten haben nichts mit einem ,Bemuttern’ zu tun, sondern mit klassischer Führung.“ So gelang es ihr auch in Krisenzeiten, „den Laden zusammen zu halten“, was vor allem in der Zeit der rot-grünen Einstimmenmehrheit von großer Bedeutung war. Interne Kritiker kreiden Modder an, dass sie keine große Rednerin sei und zu wenig interne Diskussionen in der Fraktion zulasse. Andere loben jedoch ihre große Zuverlässigkeit und Führungsstärke.

Es war keine Frage, dass Modder nach dem Zustandekommen der großen Koalition mit der CDU Ende 2017 wieder an die Spitze der SPD-Fraktion rückte, die sie vier Jahre mit dem inzwischen zum Kultusminister ernannten Grant Hendrik Tonne geleitet hatte (und jetzt mit Wiard Siebels). Interne Unzufriedenheiten in Corona-Zeiten führten indes dazu, dass die Wiederwahl der Fraktionsvorsitzenden im Mai 2020 zum Stresstest geriet. „Hanne“, wie sie alle nennen, bekam lediglich 65 Prozent der Stimmen.

Stets eine feste Bank für Stephan Weil

Das vergleichsweise bescheidene Ergebnis hat sie damals gewurmt – doch nach eigenem Bekunden bei dem Entschluss, im Herbst auszusteigen, keine Rolle gespielt. Sie habe keine halben Sachen machen wollen, etwa nur für eine halbe Wahlperiode anzutreten, und sich jetzt reiflich überlegt, „auch mal wieder frei und nicht fremdbestimmt über den eigenen Terminkalender bestimmen zu können“.

Für Stephan Weil ist und bleibt Modder eine feste Bank. Sie zählte ganz früh zu seinen Unterstützerinnen und Unterstützern – auch als in ihrem SPD-Bezirk noch Olaf Lies mit Weil um die Führung konkurrierte. Deshalb lässt sie kaum ein böses oder auch kritisches Wort über den Regierungschef zu. So weist sie die Frage, ob nicht auch Weil mit seinen 63 Jahren irgendwann die Macht in jüngere Hände übergeben sollte, weit von sich. „Stephan Weil ist unumstritten unsere Nummer eins und die Frage der Erneuerung keine Frage der Spitzenkandidatur, sondern eine Frage, welche Themen Partei und Fraktion nach vorne bringen“, sagt Modder.

Sie selbst betont, dass die große Koalition zwar fast 90 Prozent ihrer Ziele aus dem Koalitionsvertrag verwirklicht habe, aber noch einiges „in der Pipeline“ habe, etwa die Überarbeitung des Klimagesetzes und ein niedersächsisches Krankenhausgesetz. „Das ist nicht unerheblich.“ Ein großes Loblied singt sie auf die neue niedersächsische Sozialministerin Daniela Behrens, die in Krisenzeiten eine „Superarbeit“ mache.

Weiter in Rat und Kreistag aktiv bleiben

Nach ihrem angekündigten Rückzug aus der Landespolitik bleibe sie in der Kommunalpolitik aktiv, sagt Modder im Gespräch mit der HAZ. Sie sitzt im Rat und im Verwaltungsausschuss der Gemeinde Bunde sowie im Kreistag und Kreisausschuss in Leer. Und dann seien da noch Ehemann, zwei erwachsene Kinder und vier Enkelkinder, sagt die Sozialdemokratin. Das Leben werde ihr jedenfalls nicht langweilig.

Von Michael B. Berger