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Niedersachsen Landeschef Armin-Paul Hampel im Kreuzfeuer der eigenen Leute
Nachrichten Politik Niedersachsen Landeschef Armin-Paul Hampel im Kreuzfeuer der eigenen Leute
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00:16 16.12.2017
In Berlin im Bundestag, zu Hause in der Kritik: der niedersächsische AfD-Landesvorsitzende Armin-Paul Hampel. Quelle: imago/Jens Jeske
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Hannover

 In der Führungsebene des niedersächsischen Landesverbandes der Alternative für Deutschland (AfD) gibt es neue Hinweise auf heftige Verwerfungen. Insbesondere der Führungsstil des Landesvorsitzenden Armin-Paul Hampel wird von seinen Parteifreunden im Vorstand massiv kritisiert. Sie werfen Hampel unzureichende Teilnahme an Sitzungen, mangelnde Einbindung bei Entscheidungen und einen selbstherrlichen Umgang vor. Das ergibt sich aus dem Protokoll eines sogenannten Landeskonvents der AfD im November, das der HAZ vorliegt. Der Konvent empfahl schließlich den Rückritt des gesamten Landesvorstands, um den Weg zu Neuwahlen im Januar freizumachen.

Ein Konvent ist bei der AfD ein Gremium, das sich vor allem mit politischen, organisatorischen und finanziellen Fragen der Partei befasst. Am 26. November trat der Landeskonvent in Achim bei Bremen zusammen, unter Beteiligung zahlreicher Vorstandsmitglieder. Es ging um die Lage nach der Bundestagswahl und um den kommenden Landesparteitag im Januar.

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Vernichtende Kritik

Die unter Tagesordnungspunkt 5 „Aussprache“ geäußerte Kritik diverser Vorstandsmitglieder an Hampel war vernichtend. Jörn König aus Hannover sagte, Hampel habe Bundesvorstandssitzungen, in denen es sogar um niedersächsische Themen gegangen sei, vorzeitig verlassen und habe an Zweidrittel der Telefonkonferenzen der Landesvorsitzenden gar nicht teilgenommen. Der Niedersächsische Landesverband sei beim Bundesvorstand „sehr schlecht angesehen“. Hampel vermittele auch in Berlin den Eindruck, dass er am Landesverband nicht interessiert sei: „Keine Führung.“

Thomas Ehrhorn aus Celle beanstandete, dass Hampel immer wieder Einzelabsprachen vornehme, ohne andere Vorstandsmitglieder einzubinden. Bei strittigen Themen setze er Abstimmungen zu Zeitpunkten an, an denen seine parteiinternen Gegner nicht vollständig anwesend seien. 

Bitter beklagte sich laut Protokoll die Landesschatzmeisterin Evelyn Witerzens. Armin-Paul Hampel fordere von ihr Loyalität ihm gegenüber, sie müsse aber gegenüber den Mitgliedern und dem ganzen Vorstand loyal sein. Hampel habe sie auf offener Straße vor Zeugen und am Telefon „rüde beschimpft“, heißt es in dem Protokoll. Er gehe auch selbstherrlich mit Geld der Partei um. Von Hampel eingereichte Spesenrechnungen seien nahezu vollständig gestrichen worden, eingereichte Telefonrechnungen um ein Drittel gekürzt worden.

Uneins waren sich die Vorstandsmitglieder über einen im Wahlkampf mit AfD-Werbeplanen eingesetzten Lkw, der 15 000 Euro kosten sollte; weil der Anschaffungspreis weit überschritten worden sei, gebe es mittlerweile laut Hampel einen Beschluss über 28 000 Euro; andere sagten, ein solcher Beschluss existiere nicht.

Keine Unterstützung für Guth

Besonders kritisiert wurde , dass die Spitzenkandidatin und heutige AfD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Dana Guth, im Wahlkampf von Hampel nicht unterstützt worden sei. Er habe sie im Gegenteil sogar herabgesetzt. Sie habe für ihre Kampagne auch kein Geld aus dem AfD-Landtagswahlbudget in Höhe von 700 000 Euro erhalten.

Nur ein Vorstandsmitglied, Maik Schmitz vom Kreisverband Northeim, sprang den Unterlagen zufolge Hampel bei und sagte, die parteiinterne „Gegenseite“ werfe immer nur „Dreck“. Hampel selbst wollte sich in der Sitzung laut Protokoll zu den Vorwürfen nicht äußern.

Hampel mochte auch am Mittwoch nicht detailliert auf die Vorhaltungen eingehen. „Das Protokoll  ist nicht autorisiert“, sagte er. Der Protokollant hat es nach HAZ-Recherchen aber mit den Versammlungsleitern abgestimmt.

Von Bert Strebe