Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Niedersachsen Niedersachsen setzt auf grünen Wasserstoff
Nachrichten Politik Niedersachsen Niedersachsen setzt auf grünen Wasserstoff
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:02 17.09.2019
Vorbild für den Zug der Zukunft? Ein Brennstoffzellenzug, der mit Strom aus Wasserstoff angetrieben wird, fährt in den Bahnhof Bremervörde ein. Quelle: dpa
Hannover

Niedersachsen fordert vom Bund eine stärkere Unterstützung der grünen Wasserstofftechnik. Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) und Umweltminister Olaf Lies (SPD) stellten dazu am Dienstag eine Bundesratsinititiative vor. „Eine gezielte Wasserstoffstrategie ist der Schlüssel für eine auf Wachstum und Umweltschutz ausgerichtete Klimapolitik“, sagte Althusmann.

Geeignet für schwere Lastkraftwagen

Der sogenannte grüne Wasserstoff könne mit Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt werden, erläuterte Lies. Dabei wird mit Hilfe von Wind- oder Solarstrom Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff aufspalten – im Gegensatz zum grauen Wasserstoff, der aus Erdgas produziert wird. Wasserstoff habe viele Vorteile, er sei gegenüber Strom gut speicherbar und als Antriebsmittel leichter als beispielsweise Batteriezellen, erläuterte der Umweltminister. „Wenn Sie einen 40-Tonner-Lastkraftwagen haben, der eine Reichweite von 600 Kilometern haben soll, brauchen Sie eine sechs Tonnen schwere Batterie, hingegen nur 60 Kilogramm Wasserstoff.“

„Wir wollen Niedersachsen zur Drehscheibe der deutschen Wasserstoffwirtschaft machen“: Umweltminister Olaf Lies (SPD) betankt in Laatzen ein Auto mit Brennstoffzelle. Quelle: Ole Spata/dpa

Althusmann wies darauf hin, dass man in Niedersachsen bereits erfolgreich einen Wasserstoff-Nahverkehrszug erprobe, der zwischen Cuxhaven und Bremervörde verkehre. „Da brauchen wir etwa Ausschreibungen, die generell diese Antriebsart nicht diskriminieren.“ Auch würden Nutzfahrzeuge für Transport, Straßenreinigung und die Abfallsammlung bereits mit Wasserstoff betrieben und erprobt.

Niedersachsen soll Mittelpunkt der Wasserstoffwirtschaft sein

Die Bundesratsinitiative soll erreichen, dass Hürden für den Aufbau einer durch Wasserstoff gestützten Industrie abgebaut werden. Wesentliche Voraussetzung hierfür ist nach Lies’ und Althusmanns Worten, dass der Bund Stromnebenkosten wie etwa die Umlage für Erneuerbare Energien streicht. Der Einsatz von grünem Wasserstoff sei ein wichtiger Bestandteil für die Energiewende und biete Niedersachsen große Chancen. „Wir wollen Niedersachsen zur Drehscheibe und zum Mittelpunkt der deutschen Wasserstoffwirtschaft machen“, sagte Lies.

Auch für die Stahlindustrie interessant

Althusmann sagte, dass auch die nördlichen Anrainerstaaten wie die Niederlande und die skandinavischen Länder sich auf die Wasserstoffwirtschaft einrichteten, sodass man „eine an der alten Hanse ausgerichtete Wasserstoffstrategie“ entwickeln sollte. „Um die Nutzung von Wasserstoff kommen wir im Verkehr und in der Schwerindustrie nicht herum“, meinte der Wirtschaftsminister. Es sei auch kein Zufall, dass ein Stahlkonzern wie Salzgitter Wasserstoff einbeziehen wolle, um die CO2-Minderungsziele zu erreichen. Man müsse die Infrastruktur auf diese Enerhgie ausrichten – das heißt die Häfen ebenso wie die Bahnen.

Land will Forschung bündeln

Das Land selbst will auch seine Fotschungen zum Thema Wasserstoff bündeln –in einem Forschungsverbund unter dem Dach des Energieforschungszentrums Niedersachsen und mit Hilfe der Universitäten Hannover und Oldenburg. Wissenschaftsminister Björn Thümler will das Konzept dafür am Mittwoch vorstellen. Seine Kabinettskollegen Lies und Althusmann lobten die Entscheidung des Bundes, drei niedersächsische Wasserstoffprojekte als „Reallabore der Energiewende“ auszuwählen und den Landkreis Schaumburg zu einer von neun Modellregionen in Deutschland zu machen. Allerdings müssten die Mittel für die Reallabore erheblich ausgeweitet werden.

Schaumburg wird Wasserstoffregion

Schaumburg setzt voll auf Wasserstoff. Der Landkreis im Weserbergland wurde als einzige Region Niedersachsens in das neue Wasserstoffförderprogramm des Bundes aufgenommen. Jetzt will der Landkreis eine führende Region bei Herstellung und Nutzung des umweltfreundlichen Energieträgers werden. „Für uns ist das eine große Chance“, sagte der verantwortliche Masterplan-Manager Horst Roch. Nach Einschätzung von Landrat Jörg Farr (SPD) könnte die Zukunftstechnologie der Wasserstofftechnik für die ländlich und mittelständisch geprägte Region zu einem wichtigen wirtschaftlichen Standbein werden.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte vor einigen Tagen seine Pläne zur Entwicklung der „grünen“ Wasserstofftechnologie vorgestellt. Dazu wurden bundesweit neun Regionen ausgewählt, in denen die Wasserstoffproduktion mit Strom aus erneuerbaren Energien vorangetrieben werden soll. Der aus Ökostrom gewonnene „grüne Wasserstoff“ hat aus der Sicht von Experten bei der Energiewende großes Potenzial. Er unterscheidet sich vom sogenannten „grauen Wasserstoff“, der aus fossilen Rohstoffen wie Erdgas entsteht.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann äußerte sich zufrieden, dass das Weserbergland zu den Modellregionen gehören soll. „Es ist eine beachtliche Leistung, dass sich der Landkreis Schaumburg unter 85 Kommunen und Regionen aus ganz Deutschland durchgesetzt hat“, sagte der CDU-Politiker.

In der Region Schaumburg mit dem Kreissitz Stadthagen soll nach Angaben von Landrat Farr zunächst ein Netzwerk wichtiger Akteure aufgebaut werden, um die Wasserstoffstrategie umsetzen zu können. „Dabei geht es im Wesentlichen um die Analyse der Potenziale in der Region und das Herausarbeiten möglicher Projekte“, sagte eine Kreissprecherin. Gedacht sei unter anderem an eine Strom- und Wärmeversorgung größerer Gebäudekomplexe durch regenerativ erzeugten Wasserstoff. Dafür kämen kommunale und gewerbliche Einrichtungen ebenso in Betracht wie größere Mehrfamilienhäuser.

Die „grüne“ Wasserstofftechnologie biete auch Betreibern älterer Windparks, deren Förderung auslaufe, neue Chancen. Sie könnten in Anlagen investieren, die per Elektrolyse und mit Hilfe des Windstroms Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff aufspalten.

Zusätzlich werde darüber nachgedacht, den Schwerlastverkehr auf Wasserstoff umzustellen – Lastwagen also mit dem Brennstoff anzutreiben, sagte Roch. „Man könnte dazu Wasserstofftankstellen einrichten.“

Für Sie auch interessant:

Wasserstofftechnologie: Norddeutsche Länder preschen vor

Alles überzeugend – außer der Preis: Ein Wasserstoffauto im Test

Kommentar: Ein weiter Weg zum Wasserstoff

Von Michael B. Berger

Die Jagd auf den Rodewalder Problemwolf wird immer teurer. 150.000 Euro hat sie bislang gekostet, teilte das Land Niedersachsen mit.

17.09.2019

Ab 2021 sollen Volkshochschulkurse strenger besteuert werden. Dagegen regt sich Protest in Niedersachsen: Fachleute sehen darin einen Schlag gegen die Erwachsenenbildung.

16.09.2019

Monat für Monat verlängert Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies die Abschussgenehmigung für den Rodewalder Wolf – ohne Erfolg. Die Suche nach dem aggressiven Tier hat schon 83.000 Euro verschlungen. Jetzt bittet Lies die Jäger um Hilfe. Doch die stellen Bedingungen.

13.09.2019