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Niedersachsen Kadaver in der Asse sind bekannt
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18:04 24.04.2009
Von Michael B. Berger
Der Förderturm des Salzbergwerks Asse II und jetzigen Atommüll-Endlager in Remlingen. Quelle: Nigel Treblin/ddp
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Birkner zeigte sich im Gespräch mit der HAZ befremdet darüber, dass ausgerechnet Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) einen solchen Ausschuss fordert, obwohl es „keine echten Neuigkeiten“ gebe. „Die jüngst von den Grünen genannten Einlagerungen von Tierkadavern und Pestiziden müssten auch dem Bundesumweltminister bekannt sein“, sagte Birkner.

Gabriel hatte vor einer Woche die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses durch den Landtag angeregt, weil „wöchentlich etwas Neues aus der Asse hochkocht“. Doch das Landesumweltministerium weist auf einen umfangreichen Bericht der Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF) hin, der im Frühjahr 2007 dem Bundesumweltministerium übermittelt worden sei. Hier sei auch über Chemikalien berichtet worden, die sich in 0,011 Prozent aller Abfallgebinde befänden.

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„Da die arsenhaltigen Abfälle von einer landwirtschaftlichen Genossenschaft abgeliefert wurden, wird angenommen, dass Reste vor arsenhaltigen Pflanzenschutzmitteln eingelagert worden“, zitiert Birkner aus dem Bericht. Insgesamt fänden sich 497 Kilogramm Arsen in der Asse.

Bei den Tierkadavern handelt es sich nach Birkners Worten etwa um Versuchsratten, die in einbetonierten Fässern begraben worden seien. „Das geschah übrigens in aller Öffentlichkeit“, betont der Staatssekretär und weist auf einen Artikel dieser Zeitung hin, der am 5. April 1967 über die Eröffnung der Asse als „erste deutsche Atommüllgrube“ berichtete. In dem Report der Deutschen Presseagentur wird von 1700 eisernen Spezialfässern aus dem Atomforschungszentrum Karlsruhe berichtet: „Sie enthalten schwach strahlende Abfälle – von der toten Versuchsratte bis zur verseuchten Mullbinde – in Bitumen oder Beton eingegossen.“

Staatssekretär Birkner wies daraufhin, dass das Gabriel unterstellte Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) seit Anfang dieses Jahres Betreiber des Salzbergwerks Asse bei Wolfenbüttel sei: „Gabriel gibt seiner eigenen Behörde keine Chance, die Sache aufzuarbeiten.“ Der von Gabriel geforderte Untersuchungsausschuss mache keinen Sinn. Offenbar wolle Gabriel nur SPD-Landtagsfraktionschef Wolfgang Jüttner unter Druck setzen, der bislang einen Untersuchungsausschuss ablehnt. Darüber will die SPD-Fraktion am Dienstag reden.

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