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Niedersachsen In der Asse lagern auch Arsen, Blei und Quecksilber
Nachrichten Politik Niedersachsen In der Asse lagern auch Arsen, Blei und Quecksilber
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17:36 16.04.2009
Von Margit Kautenburger
Atommüllendlager Asse II Quelle: Nigel Treblin/ddp
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479 Kilogramm Arsen sollen in der einsturzgefährdeten Asse lagern. Auch Quecksilber, Tonnen von Blei und andere giftige Metalle seien dort zu finden, berichtet das Magazin „stern“. Zudem sollen giftige Pflanzenschutzmittel aus Bayern in dem früheren Forschungsbergwerk entsorgt worden sein.

Im Bundesamt in Salzgitter zeigte man sich gestern wenig überrascht. „Dass immer neue Details ans Licht kommen, passt in die Situation, die wir bei der Übernahme der Asse vorgefunden haben“, sagte Behördensprecher Florian Emrich. Das BfS hatte Anfang des Jahres die Zuständigkeit vom Helmholtz Zentrum München übernommen, nachdem Pannen und Versäumnisse in der Asse bekannt geworden waren.

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Ungewiss ist indes, ob der Giftmüll illegal eingelagert worden ist. Das BfS gibt darauf eine ausweichende Antwort. „Unseres Wissens war das nicht genehmigt“, sagte Emrich. „Aber das ist unklar, weil es damals noch kein Atomgesetz gab.“ Radioaktive Abfälle enthielten grundsätzlich auch chemisch-toxische Stoffe, erklärte der BfS-Sprecher. Es könnte sich bei den Giften demnach um bekannte Beimischungen handeln. Gleichzeitig sprach Emrich aber auch von „eingelagerten arsenhaltigen Pflanzenschutzmitteln“.

Nach Angaben des BfS hat der frühere Betreiber bereits in einem Bericht von 2004 die Einlagerung von Giftstoffen erwähnt. Zusätzliche Sicherheitsdefizite ergäben sich durch die Stoffe nicht, betonte Emrich. „Aber das passt nicht in unser Sicherheitskonzept für ein Atommüllendlager.“ Das Bundesamt erfasse und bewerte derzeit alle eingelagerten Stoffe neu.

Nach offiziellen Angaben wurden in der Asse zwischen 1967 und 1978 rund 126 000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll deponiert. Mittlerweile ist das Bergwerk baufällig und vom Absaufen bedroht. Das BfS prüft derzeit verschiedene Stilllegungsmöglichkeiten, unter anderem auch die Rückholung des gesamten Mülls.

Anwohner reagierten schockiert auf die neuen Erkenntnisse. „Mit Giftmüll haben wir nicht gerechnet“, sagte Udo Dettmann, Sprecher der örtlichen Bürgerinitiative. Die Oppositionsparteien im Landtag forderten weitere Aufklärung. Die Grünen verlangten, aus allen Atommüllkammern in der Asse Stichproben zu ziehen, damit belastbare Aussagen über die Zusammensetzung des Abfalls möglich seien.

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