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Niedersachsen Immer mehr Lehrlinge verlassen Niedersachsen
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22:15 24.01.2012
Von Sören Hendrik Maak
Immer mehr junge Menschen kehren Niedersachsen den Rücken, um sich in anderen Bundesländern ausbilden zu lassen.
Immer mehr junge Menschen kehren Niedersachsen den Rücken, um sich in anderen Bundesländern ausbilden zu lassen. Quelle: dpa
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Hannover

Demnach absolvierten 2010 etwa 16 900 junge Menschen mit niedersächsischem Erstwohnsitz in anderen Bundesländern ihre Ausbildung, nachdem es im Jahr 2000 nur 13 400 sogenannte Auspendler gab. Hinzu kommt eine unbestimmte Zahl von Auszubildenden, die auch ihren Erstwohnsitz in einem anderen Bundesland angemeldet haben.

Auch wenn man die nach Niedersachsen einpendelnden Auszubildenden aus anderen Ländern gegenrechnet, bleibt der Saldo negativ. Michael Köster, Sprecher der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit, spricht von einem „für Niedersachsen negativen Trend“. Unter Berücksichtigung von sogenannten „Einpendlern“ verbuchte das Land 2010 ein Minus von 6100 Personen. Vor zehn Jahren gab es noch ein leichtes Plus von 70 Auszubildenden. Der Austausch findet mit den angrenzenden Stadtstaaten Hamburg und Bremen, aber etwa auch mit Nordrhein-Westfalen und mit ostdeutschen Ländern statt. Genaue Zahlen hierzu liegen noch nicht vor.

Über die Gründe für die Flucht der Auszubildenden in die Nachbarländer kann Studienautor Uwe Harten derzeit nur spekulieren. Die Regionaldirektion der Arbeitsagentur erwägt daher, eine Folgestudie in Auftrag zu geben, bei der Ursachen und regionale Schwerpunkte genauer untersucht werden könnten.

Die meisten Auspendler gibt es in kaufmännischen Büroberufen. Im Dezember 2010 fuhren 2150 Auszubildende zum Arbeiten regelmäßig in ein anderes Bundesland. Fast 1500 dieser Auspendler zog es nach Bremen oder Hamburg. Mit 1210 Auszubildenden stark vertreten sind auch Gesundheitsberufe. Die Autoren der Studie betonen, dass mehr als die Hälfte der insgesamt 52 in Niedersachsen untersuchten Berufsfelder eine „erhöhte Auspendlerneigung“ zeige.

Aus dem IAB-Betriebspanel geht hervor, dass die seit 2004 gemessene Ausbildungsaktivität in Niedersachsen stagniert, während sie in anderen westdeutschen Bundesländern ansteigt. Ende 2010 gab es am Arbeitsort Niedersachsen 172 100 Auszubildende, in den beiden Vorjahren waren es etwa 2000 mehr.

Verloren sind die Auspendler für Niedersachsen noch nicht. „Im Vergleich zu Studenten, die andernorts Erfahrungen sammeln, ist der Klebeeffekt bei Auszubildenden allerdings höher“, sagt Michael Köster. In den meisten Fällen werde vor Ort eine Anschlussbeschäftigung nach der erfolgreichen Ausbildung angestrebt.

„Wir nehmen die IAB-Studie sehr wohl wahr“, sagt Carl-Michael Vogt von der Handwerkskammer Hannover. Der Kammerbezirk sei jedoch eher saugende als abgebende Region. Mobilität sei grundsätzlich gut. „Dennoch müssen wir darauf achten, dass wir eine Aufnahme- und attraktive Bildungsregion bleiben.“

Die Einstellungsbereitschaft der niedersächsischen Unternehmen ist im vergangenen Jahr derweil weiter angestiegen. Wie die Bundesagentur bekannt gab, wuchs die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellenmeldungen gegenüber dem Vorjahr um 10,8 Prozent auf insgesamt 192 604 Meldungen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ist landesweit auf ein neues Rekordhoch von 2,6 Millionen geklettert. Arbeitslos waren durchschnittlich 274 616 Menschen – so wenige wie seit 19 Jahren nicht mehr. Besonders junge Menschen profitierten vom Aufschwung. Die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren sank 2011 um knapp zwölf Prozent auf 26 905.

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