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Niedersachsen „Wir schießen den Atommüll nicht ins All“
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13:56 16.06.2019
Stefan Studt (Mitte), Chef der Endlagergesellschaft, im Gespräch mit Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (links). Quelle: Bundesgesellschaft für Endlagerung/Stefan Sobotta

Herr Studt, Sie sind Chef der neuen Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), die den deutschen Atommüll sicher unter die Erde bringen soll. Wann wird in Deutschland ein Endlager für hochradioaktiven Müll gebaut sein, für das bisher Gorleben vorgesehen war?

Nach den bisherigen Plänen und dem Standortauswahlgesetz, auf das sich Bundestag und Bundesrat festgelegt haben, soll bis 2031 der Standort ausgewählt sein, an dem das Lager entstehen soll. 2050 soll dann tatsächlich das Endlager gebaut sein. Wir tun jedenfalls alles dafür, dass wir unseren klar definierten Auftrag auch erfüllen.

Im Augenblick ist die Karte, auf dem ein neues Endlager entstehen kann, noch unbeschriftet, eine sogenannte weiße Karte. Aber im Herbst kommenden Jahres soll sich das ändern, wenn Sie bestimmte Regionen ausweisen, in denen ein solches Endlager entstehen könnte. Kommt dann die Stunde der Wahrheit?

Die Suche wird mit jeder Phase des dreigeteilten Verfahrens konkreter. Mit dem Zwischenbericht Teilgebiete können es Regionen in ganz Deutschland sein, die als mögliche Standorte infrage kommen könnten.

Stefan Studt ist seit neun Monaten neuer Chef der Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE), die sich um die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle kümmern soll. Der Sozialdemokrat folgte auf Ursula Heinen-Esser (CDU), die Umweltministerin in Nordrhein-Westfalen geworden ist. Der 57-jährige Jurist und vierfache Vater war bis Juni 2017 Innenminister in Schleswig-Holstein, zuvor Chef der Staatskanzlei in Kiel. Die BGE ist auch Betreiber der Schachtanlage Asse II sowie der Endlager Konrad und Morsleben und des Bergwerks in Gorleben. Rund 1900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für die BGE tätig, die einen Jahresumsatz von 400 Millionen Euro hat.

Im Augenblick ist die Debatte um die Atomkraft nahezu verstummt. Muss man für nächsten Herbst mit einem Aufschrei rechnen?

Ich hoffe nicht, dass es dazu kommt. Man kann aber damit rechnen, dass die Diskussion emotionaler wird. Daher tun wir – das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) in Berlin und die BGE – in diesem intensiven Suchverfahren alles, um die Fehler aus früheren Verfahren zu vermeiden. Wichtig ist die politische Entscheidung, dass wir in Deutschland selbst für eine sichere Entsorgung des atomaren Mülls sorgen wollen. Manche sagen ja, verkauft doch den Müll, manche würden ihn am liebsten ins All schießen. Doch das wäre in jeder Hinsicht unverantwortlich.

In Niedersachsen gibt es bereits die Asse, für die Sie auch verantwortlich sind, sowie den Schacht Konrad, in dem schwach- und mittelradioaktiver Müll gelagert werden soll. Reicht das nicht für ein Bundesland, müsste Niedersachsen da nicht ausgeschlossen werden?

Ich kann schon verstehen, dass eine Region um die Asse herum oder um Konrad herum sehr berührt von diesem Thema ist. Aber daraus kann man nun nicht den Schluss ziehen, dass Niedersachsen aus der Standortsuche ganz heraus wäre. Das wäre wieder eine Vorfestlegung, die wir bei diesem neuen Verfahren ja nun gerade vermeiden wollen und die gesetzlich auch gar nicht infrage kommt. Die Gebiete, die im kommenden Jahr benannt werden sollen, werden in ganz Deutschland gesucht.

Es wird immer noch diskutiert, ob man den Atommüll in einem Salzstock, in einer Tonschicht oder in Granit einlagern sollte. Granit gibt es vor allem in Süddeutschland, Salzstöcke zuhauf im Norden. Wird es ein „Angebot“ aus allen Lagerschichten geben?

Das kann ich Ihnen noch nicht sagen, denn es gibt wirklich keine Vorfestlegungen – es gelten nur und ausschließlich die gesetzlich normierten Kriterien. In letzter Instanz legen übrigens nicht wir als BGE den Standort fest, sondern das wird am Ende eines langen Prozesses und nach umfassenden Erkundungen die Politik tun, der Bundestag und der Bundesrat. Aber wir sind zeitlich noch weit davon entfernt von der Situation, wo sich nach zwei oder drei untertägig erkundeten Regionen die Frage der Entscheidung stellt. Das wird frühestens in zehn Jahren der Fall sein.

Im nächsten Jahr weisen Sie also Eignungsgebiete aus. Was geschieht dann?

Dann wird das BfE mit Bürgern und Vertretern der betroffenen Gebiete eine Fachkonferenz durchführen. Diese Beratungsergebnisse berücksichtigt die BGE anschließend bei dem Vorschlag für die übertägig zu erkundenden Standortregionen. Diese festgelegten Gebiete werden in der zweiten Phase nach standortbezogenen Erkundungsprogrammen untersucht. Anschließend legt die BGE einen Vorschlag für die untertägig zu erkundenden Standorte vor. In der dritten Phase folgen dann wiederum auf bundesgesetzlicher Basis die gesetzlich fixierten Erkundungsschritte, die in einen konkreten Standortvorschlag münden. Die finale Entscheidung wird dann vom Bundesgesetzgeber zu treffen sein. Im Gegensatz zur Diskussion, die Gorleben vorausging, wird dies ein sehr transparenter, kommunikativer und vor allem interaktiver Prozess sein.

Sie sind auch für die Asse zuständig, in der 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Müll lagern. Die sollen Sie herausholen, weil der Schacht abzusaufen droht. Wann fangen Sie mit der Rückholung an?

Wir werden im Herbst eine Skizze präsentieren, wie die Rückholung geschehen kann. Ich nehme an, dass wir Anfang bis Mitte der 2030er Jahre das erste Fass in die Hand nehmen können – ich meine das jetzt bildlich. Das mag als ein sehr langer Zeitraum erscheinen, aber das Vorhaben bleibt sehr komplex, nicht nur wegen der Genehmigungsverfahren, die nach dem strengen Atomrecht ablaufen, sondern auch weil die Sicherheit für unsere Mitarbeiter und die Anwohner oberste Priorität hat. Es muss ein Rückholbergwerk ebenso errichtet werden wie eine Konditionierungsanlage und ein Zwischenlager. Denn im Schacht Konrad gibt es keinen Platz für die Asse-Abfälle. Im Schacht Konrad wird sehr viel schwach- und mittelradioaktiver Müll landen, der durch den Rückbau abgeschalteter Atomkraftwerke entstehen wird.

Wann können Sie sich vorstellen, dass die Asse geräumt sein wird?

Die Bergung ist sicher eine Aufgabe für Jahrzehnte. Für jede einzelne Einlagerungskammer bedarf es umfassender Analysen, in keiner sind die Verhältnisse so wie in der anderen. Die Zugangs- und Bergetechniken sind individuell zu planen, zu genehmigen und zu realisieren. Hier wollen wir natürlich möglichst jegliche menschliche Berührung mit den Abfallstoffen vermeiden.

Von Michael B. Berger

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