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Niedersachsen Stehen bleiben, wenn das Eichhörnchen naht
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HAZ-Glosse Aus meinem Papierkorb: Von Eichhörnchen und Abstandsregeln

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10:30 03.04.2021
Michael B. Berger
Michael B. Berger Quelle: HAZ
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Hannover

Na also, es geht doch, liebe Papierkorbfreunde. Alles eine Frage der Betrachtungsweise. Man muss es sich nur vornehmen, mit eigenen Mitteln. Was? Na, so etwas wie ein Glücksgefühl herstellen in diesen von Ansammlungen entleerten Zeiten. Der Braunschweiger Psychologe Tobias Rahm rät angesichts des bevorstehenden Osterfestes unter Corona-Einschränkungen dazu, ganz bewusst etwas für die Besserung der eigenen Stimmung zu tun. Dies sei mit einfachen Mitteln möglich, sagte er dem Evangelischen Pressedienst. „Bleib stehen, wenn du ein Eichhörnchen siehst“, nannte er als Beispiel für einen möglichen Gute-Laune-Moment.

Das erinnert uns an einen alten Konfirmanden-Witz, den wir jetzt in vorösterlicher Freude an diesem Ort nur wiedergeben, weil es sonst an Gute-Laune-Momenten mangelt. Da fragt der Pfarrer den Jungen namens Fritz: „Was ist das, Fritz, ist flink, rot und springt von Baum zu Baum?“ Der Vorkonfirmand entgegnet: „Normalerweise würde ich sagen, das ist ein Eichhörnchen, aber so wie ich den Laden hier kenne, ist es der Herr Jesus.“

Sechs Hasen oder 20 Eier = 1,5 Meter Abstand?

Ergriffen bleiben wir auch immer wieder stehen (oder sitzen), wenn wir die grafischen Erläuterungen der Landesregierung zu den aktuellen Corona-Verordnungen betrachten. Waren es an Weihnachten Bäume, so bevölkern jetzt immer mehr Kaninchen, die wohl Hasen darstellen sollen, die Grafiken, die vermutlich als niedrigschwelliges Angebot für breite Bevölkerungsschichten gedacht sein sollen aber für empfindsamere Naturen schon eine Beleidigung des Intellektes darstellen könnten. Um uns blöden Bürgerinnen und Bürgern die 1,5-Meter-Abstandsregel einzubläuen, werden beispielsweise sechs Osterhasen grafisch zwischen zwei Personen gesetzt. Wahlweise auch 20 Ostereier. Daneben Sprüche wie „Wir sind stärker“. O, Herr, lass Hirn regnen... Oder kommt dieses Kapitel erst zu Pfingsten?

Immerhin korrigierte Regierungssprecherin Anke Pörksen, die als Mutter Corona in die Annalen der niedersächsischen Verordnungshistorie eingehen dürfte, die jüngsten Einschränkungen zu Osterfeuern dahingehend, dass kleine Gartenfeuer im Ostfriesischen erlaubt bleiben sollen. Für sie seien Osterfeuer stets „große aufgehäufte Haufen“ gewesen, vor denen Menschen stünden, die fröhlich seien und tränken, führte die bekennende Rheinländerin aus. Doch in Ostfriesland gebe es kleinere Feuer im eigenen Garten, „zu denen man wohl Ostfriesentee nimmt“. Nun gut, die bleiben erlaubt. Man gönnt sich ja sonst nix.

Das gilt auch für Bundesinnenminister Horst Seehofer, der im Kern seines Ingolstädter Gemüts, vermutlich eine Gönnernatur verbirgt. Der 72-jährige Seehofer reagierte anheimelnd anarchisch, als ihm der junge Streber Jens Spahn doch eine Impfung mit Astrazeneca anempfehlen wollte. „Ich lasse mir nichts vorschreiben.“ Das ist doch schon was in diesen irren Zeiten, in denen die Wahl einer bestimmten Impfmarke schon zur Frage hochmoralischer Natur hochstilisiert wird. Wir, liebe Papierkorbfreunde, würden wie die Sau im Futtertrog übrigens alles nehmen. Man gönnt sich ja sonst nix...

Bleiben Sie negativ!

Von Michael B. Berger