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Niedersachsen Greenpeace-Aktivisten steigen auf Reaktor Unterweser
Nachrichten Politik Niedersachsen Greenpeace-Aktivisten steigen auf Reaktor Unterweser
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22:22 22.06.2009
Von Susann Reichert
Am Montag sind 22 Umweltaktivisten auf die Reaktorkuppel des Atomkraftwerks Unterweser geklettert.
Am Montag sind 22 Umweltaktivisten auf die Reaktorkuppel des Atomkraftwerks Unterweser geklettert. Quelle: David Hecker/ddp
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„Es war erstaunlich einfach, dort hochzukommen“, sagte Heinz Smital von Greenpeace: „Das hat uns selbst überrascht.“

Gegen halb drei Uhr morgens verschafften sich etwa 50 Aktivisten Zutritt zum Gelände. „Sie hatten Leitern dabei, mit denen sie über die Zäune kletterten“, sagte Anke Rieken von der Polizeiinspektion Cuxhaven/Wesermarsch. Petra Uhlmann, Sprecherin des Kraftwerkbetreibers e.on-Kernkraft, verurteilte das „gewaltsame Eindringen“: Mehrere Zäune seien beschädigt worden, außerdem sei es zu kleineren Rangeleien mit Sicherheitskräften gekommen.

22 Aktivisten gelang es schließlich, auf die etwa 60 Meter hohe Reaktorkuppel zu klettern. Die Polizeikräfte, die aus ganz Niedersachsen angerückt waren, ließen die Demonstranten gewähren. 30 Helfer, die am Boden geblieben waren, wurden vom Gelände geführt.

Greenpeace will mit der Aktion deutlich machen, dass der Atomreaktor nicht ausreichend gegen einen terroristischen Angriff oder einen Flugzeugabsturz geschützt sei. Bei Stefan Wenzel, dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Landtag, fanden sie damit ein offenes Ohr: „Wenn Greenpeace-Aktivisten fast ungehindert mit 60 Litern Farbe auf die Reaktorkuppel gelangen können, braucht man nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, welche Gefahren von einer Terrorattacke drohen“, sagte Wenzel, während Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander versicherte, dass „die Sicherheit in diesem Kraftwerk bestens gewährleistet“ sei. Die Polizei sei sofort vor Ort gewesen und habe erkannt, dass es sich nicht um Terroristen handele. „Und selbst mit Sprengstoff hätten sie keinen Schaden an der Kuppel anrichten können“, sagte Sander.

Laut e.on-Sprecherin Uhlmann habe das „gestaffelte Objektsicherungskonzept“ des Kraftwerks funktioniert. Der sogenannte Detektionszaun solle gar nicht vor Eindringlingen schützen, sondern lediglich dazu dienen, dass diese bemerkt werden. Dann könnten die Sicherheitskräfte dafür sorgen, dass niemand in „sicherheitstechnisch relevante Gebäude“ eindringt – die Reaktorkuppel zählt nicht dazu. „Wenn wir keinen ausreichenden Schutz gegen Einwirkung von außen hätten, würde uns die Genehmigung entzogen“, sagte Uhlmann. Genau das fordern sowohl Greenpeace als auch die Grünen im Landtag.

Gegen 17 Uhr beendeten die Umweltschützer gestern ihre Aktion. Sie hinterließen einen mit schwarzer Farbe gemalten Totenkopf von 20 Metern Durchmesser und den Schriftzug auf dem Beton. „Ein Banner würde sofort entfernt, sobald wir weg sind“, sagte Smital. „Die Farbe wird erst mal dran bleiben“, hofft der Greenpeace-Aktivist.