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Niedersachsen Gerangel um die dritte Krippenkraft
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19:19 30.05.2014
Von Klaus Wallbaum
Kinder.1 Stefan Arend
Landesweit gibt es rund 3000 Krippengruppen, die eine Verstärkung des Personals nötig haben. Quelle: Stefan Arend
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Hannover

Kommt die hoch qualifizierte dritte Zusatzkraft für jede Kinderkrippengruppe - oder reichen auch angelernte Mütter für diese Aufgabe? Diese wichtige Frage will das Kultusministerium in den kommenden Wochen intensiv mit den Gemeinden beraten. Die Kommunalverbände geben bereits die Richtung vor: „Wenn es um die dritte Betreuerin geht, reicht auch eine Aushilfskraft. Die erste und die zweite Betreuerin sind ja bereits bestens ausgebildet“, sagt Marco Trips, Präsident des Städte- und Gemeindebundes.

In dieser Woche hatten sich die Ereignisse überschlagen. Die Bundesregierung kündigte an, die Länder von ihren Bafög-Anteilen zu entlasten - das bringt Niedersachsen von 2015 an jährlich eine Entlastung von 113 Millionen Euro. Außerdem erhöht der Bund das Sonderprogramm für frühkindliche Bildung, davon hat das Land ebenfalls einen Nutzen, sodass unterm Strich vom kommenden Jahr an jährlich 150 Millionen Euro mehr für Bildung zur Verfügung stehen. Das Geld soll nach dem Willen der rot-grünen Koalition in die dritte Kraft für die Kinderkrippen (also für die Betreuung der Kinder unter drei Jahren) gesteckt werden.

Nach Darstellung des Kultusministeriums gibt es landesweit rund 3000 Krippengruppen, die eine Verstärkung des Personals nötig haben. In vielen Kommunen wird die dritte Kraft bereits beschäftigt. Bisher leistet das Land einen Personalkostenzuschuss von 52 Prozent für die erste und die zweite Kraft. Die erste Kraft ist meist eine Erzieherin, die eine fünfjährige Ausbildung hinter sich haben muss. An die zweite Kraft sind die Anforderungen geringer. Was aber ist mit der dritten Kraft? Kämen hier „Sozialassistenten“ zum Einsatz, so wäre die Ausbildungszeit kürzer. Noch günstiger wäre es, wenn man Mütter einsetzen würde, die nur mehrere Spezialkurse besucht haben müssten. „Es wäre gut, wenn die Ansprüche nicht zu hochgeschraubt werden“, erklärt Trips.

Wenn das Land die dritte Kraft zur Pflicht erklären würde, müsste es diese wohl zu 100 Prozent finanzieren. Die 150 Millionen Euro könnten reichen - aber jährlich beenden nur rund 2100 Erzieher ihre Ausbildung, das könnten zu wenig sein. Wenn die dritte Kraft schrittweise eingeführt wird, könnte dies über allmählich ansteigende Zuschüsse an die Kommunen geschehen. Von einem „Stufenplan“ spricht das Kultusministerium. Björn Thümler (CDU) appelliert an Rot-Grün, die Frage der Qualifikation der Betreuer „pragmatisch“ zu lösen.

Michael B. Berger 28.05.2014
27.05.2014