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Niedersachsen Ganz hinten bei den Krippen
Nachrichten Politik Niedersachsen Ganz hinten bei den Krippen
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20:39 25.06.2009
Von Klaus Wallbaum
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In Niedersachsen wird von allen deutschen Bundesländern am wenigsten Geld in die Betreuungsangebote für Kinder investiert. Quelle: Torsten Silz/ddp
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9,2 Prozent der Kinder bis zu drei Jahren besuchen hierzulande eine Kinderkrippe – das ist der niedrigste Wert in Deutschland. Im benachbarten Sachsen-Anhalt sind es immerhin 52,7 Prozent. Anders ausgedrückt: In Niedersachsen investieren Land und Kommunen 1089 Euro pro Kind, in Sachsen etwa liegt der Betrag bei 2404 Euro.

„Beschämend“ sei das, urteilte die Vize-Fraktionschefin der Grünen im Landtag, Miriam Staudte. „Ein schlechtes Zeugnis für die zuständige Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann“, ergänzte Frauke Heiligenstadt von der SPD. Dagegen betonte Corinna Fischer, Sprecherin des Kultusministeriums, dass die Zahlen der Bertelsmann-Studie teilweise von 2006 stammten und Niedersachsen inzwischen längst dabei sei, aufzuholen: „Im vergangenen Jahr ist es bereits gelungen, die Zahl der Plätze um rund 30 Prozent zu erhöhen.“

Gleichwohl ist der Druck in Niedersachsen besonders groß. Das Kinderförderungsgesetz des Bundes, dessen Ausführung die aus der Region Hannover stammende Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen energisch vertritt, sieht eine Betreuungsquote von 35 Prozent für die bis zu drei Jahre alten Kinder vor, Zieldatum ist 2013. Die Begründung liegt in der demographischen Entwicklung: In den nächsten Jahrzehnten wächst der Fachkräftebedarf, und da werden Väter und Mütter im Job gebraucht – folglich müssen sie mehr Chancen haben, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Hier hat Niedersachsen besonders viel aufzuholen, gefolgt von Nordrhein-Westfalen, wo die derzeitige Betreuungsquote mit 9,4 Prozent nur unwesentlich besser aussieht.

Aber die Probleme sind vielschichtig. Dass in Niedersachsen so wenig Kinderkrippen vorhanden sind, hängt auch mit Traditionen in ländlichen Regionen zusammen – es gibt etwa katholische (und kinderreiche) Gegenden, in denen die Kleinen selbstverständlich im Familienverband betreut werden. Nun kann sich aber Niedersachsen nicht über zu wenig Nachfrage der Kommunen nach Bundes- und Landeszuschüssen beschweren, es gibt im Gegenteil eine Flut von Anträgen. Von knapp 800 konnte erst ein Viertel abgearbeitet werden – auch wegen Engpässen in der Landesschulbehörde.

Außerdem tauchen neue dunkle Wolken am Horizont auf, die den planmäßigen Ausbau der Kinderkrippen am Ende vielleicht noch gefährden können: Die Bundesländer leiden allesamt unter der Wirtschaftskrise, und in ihren Haushalten tun sich große Löcher auf. Niedersachsens Landesregierung ist bereits dabei, sich von dem Plan des beitragsfreien Kindergartenbesuchs im ersten und zweiten Jahr zu verabschieden.