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Niedersachsen Einigung um Klassenfahrt-Boykott rückt näher
Nachrichten Politik Niedersachsen Einigung um Klassenfahrt-Boykott rückt näher
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00:15 12.02.2015
Von Saskia Döhner
Foto: Schüler demonstrieren in Hannover gegen "Bildungswillkür".
Foto: Schüler demonstrieren in Hannover gegen "Bildungswillkür". Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Nach Monaten heftiger Grabenkämpfe suchen die niedersächsische Landesregierung und die Lehrerverbände intensiv nach einem Weg, den Klassenfahrten-Boykott der Gymnasiallehrer zu beenden. Man sei in ernsthaften Gesprächen um eine Lösung, sagte Eberhard Brandt, Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), am Montag der HAZ. Horst Audritz vom Philologenverband sprach von intensiven Beratungen. Vonseiten des Kultusministeriums hieß es, es gebe bilaterale Gespräche mit den Akteuren. Der Konflikt schwelt bereits seit mehr als einem Jahr: Gymnasiallehrer verweigern Klassenfahrten, weil das Kultusministerium ihre Arbeitszeit um eine Unterrichtsstunde pro Woche aufgestockt hat. Schätzungen zufolge finden an 75 Prozent der Gymnasien inzwischen keine Studienreisen und Ausflüge mehr statt.

Mitte Januar hatten Tausende von Schülern in Hannover gegen den Klassenfahrten-Boykott protestiert. Die Schüler dürften nicht länger die Leidtragenden in einem Konflikt sein, für den sie nichts könnten, sagte Helge Feußahrens, Vorsitzender des Landesschülerrates. Auch Elternverbände hatten eindringlich an die Landesregierung appelliert, den Konflikt zu entschärfen. „Lange waren die Fronten richtig verhärtet, und es schien, als ob beide Seiten überhaupt nicht richtig miteinander sprechen“, sagte Sabine Hohagen, Vorsitzende des Landeselternrates, am Montag. „Das ist jetzt wohl anders.“

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) bekräftigte, dass sie den Klassenfahrten-Boykott der Lehrer in keiner Weise für gerechtfertigt hält. Das Land habe ein Entlastungspaket für Lehrer auf den Weg gebracht, ließ sie über einen Sprecher erklären. Auch Lehrkräfte an Integrierten Gesamtschulen erteilten - wie es jetzt auch Gymnasiallehrer müssen - 24,5 Stunden Unterricht in der Woche. Sie brächten ihre Schüler erfolgreich zum Abitur und gingen mit ihnen trotzdem auf Klassenfahrt.

Möglicherweise könnte der geplante neue Klassenfahrtenerlass zur Befriedung des Konflikts beitragen. Pädagogen beklagen seit Langem, dass sie nach Klassenfahrten auf einem Großteil der Kosten sitzen bleiben. Das Land lässt gerade juristisch prüfen, ob Lehrer nicht doch Freifahrten in Anspruch nehmen können, ohne sich als Beamte des Verdachts der Korruption auszusetzen. Zudem fordern Lehrer eine deutliche Erhöhung der Anrechnungsstunden. Bislang müssen sie für fünf Tage Klassenfahrt gerade einmal vier Stunden weniger unterrichten. Unwahrscheinlich ist, dass Klassenfahrten, die bislang eine freiwillige Leistung von Lehrern sind, zur Pflicht werden. Das nämlich käme das Land am Ende viel zu teuer.

Am Dienstag stellt Ministerin Heiligenstadt im Kabinett ihren geänderten Entwurf zum Schulgesetz vor. Auch hier hatte sie sich nach Protesten in einem Punkt kompromissbereit gezeigt: Anstatt Sprachförderschulen wie geplant zu schließen, erhalten diese nun Bestandsschutz.

Jens Heitmann 11.02.2015
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