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Niedersachsen Die Asse probt gedanklich den Notfall
Nachrichten Politik Niedersachsen Die Asse probt gedanklich den Notfall
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18:00 02.07.2009
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40 Jahre ist das Atommülllager Asse ohne Sicherheitsnetz betrieben worden. Das hat der neue Betreiber, das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), nun geändert. BfS-Präsident Wolfram König stellte am Donnerstag in Salzgitter einen Notfallplan für das einsturzgefährdete frühere Salzbergwerk bei Wolfenbüttel vor. Diese neue Strahlenschutzordnung, die von sofort an gilt, sieht Vorkehrungen für den Fall eines unkontrollierten Wassereinbruchs in die Grube vor. „Wir haben ein Störfallszenario vorgelegt, das aufzeigt, was passieren kann, wenn sich der Grundwassereintritt schlagartig erhöht“, erklärte König. Schlimmstenfalls könne dann in einem Zeitraum von einhundert Jahren Radioaktivität an die Erdoberfläche gelangen. Die Grenzwerte würden dabei deutlich überschritten.

Obwohl die Wasserzuflüsse in die Asse seit mehr als 20 Jahren bekannt sind, hat es unter dem früheren Betreiber, dem Helmholtz Zentrum München, keinen Krisenplan für das mögliche Absaufen der Grube gegeben. Diese „gravierenden Defizite“, die zu dem Betreiberwechsel geführt hätten, würden nun behoben, sagte König. Ziel des Störfallkonzeptes sei es, einen Wassereinbruch von täglich 500 Kubikmetern noch zu beherrschen.

Dafür sind eine Reihe technischer Vorkehrungen nötig. So werden in der Asse leistungsfähige Pumpen installiert und große Zwischenspeicherbecken angelegt. Zu vier Atommüllkammern werden derzeit Rohre gelegt, durch die im Notfall rasch Beton gepumpt werden kann, um die Fässer abzukapseln. Es gehe darum, möglichst lange zu vermeiden, dass der Atommüll mit Wasser in Kontakt kommt.

In das Bergwerk dringen derzeit täglich zwölf Kubikmeter Wasser ein. Im Schacht lagern 126.000 Fässer mit schwach und mittelradioaktivem Abfall. Noch gebe es keine Hinweise auf eine Zunahme der Zuflüsse, betonte König. Die Lage sei seit etwa 20 Jahren stabil. Dennoch wolle das BfS vorbereitet sein auf den so genannten worst case, den schlimmstmöglichen Fall. „Alle Gutachter können schnelle Veränderungen der Zuflüsse nicht ausschließen“, betonte König. Mit der Strahlenschutzordnung, die das BfS vorläufig in Kraft gesetzt und zugleich dem niedersächsischen Umweltministerium zur Genehmigung zugeleitet hat, werde die Asse „erstmals so behandelt, wie es für eine Atomanlage in Deutschland seit 40 Jahren Vorschrift ist“.

Im Umweltministerium in Hannover will man die Prüfung der Unterlagen in etwa sechs Wochen abgeschlossen haben. Für die Sicherung der Asse stehen dem Bundesamt in diesem Jahr 60 Millionen Euro zur Verfügung. Die Kosten für die Schließung werden Milliarden verschlingen. Die Vorbereitungen für den Notfall bedeuten nach den Worten Königs keine Vorfestlegung auf ein Schließungsverfahren für die Asse. Geprüft werden derzeit drei Optionen: Die Verfüllung des Bergwerks mit Beton, die Umlagerung der Abfälle in tiefere Bereiche oder die Rückholung des Mülls, wie es die Anwohner-Initiativen fordern. Eine Machbarkeitsstudie zu den Optionen erwartet König noch im August.