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Niedersachsen Deckeneinsturz im Atommülllager Asse
Nachrichten Politik Niedersachsen Deckeneinsturz im Atommülllager Asse
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19:03 08.10.2009
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Experten prüfen nun, ob sie die Hohlräume stabilisieren müssen.

Die Schachtanlage Asse bei Wolfenbüttel, in der rund 126.000 Fässer mit schwach und mittel radioaktivem Atommüll lagern, ist einsturzgefährdet. Seit langem dringen rund 12.000 Liter Wasser täglich in die Grube ein. Zudem meldete das BfS in jüngster Zeit mehrmals einen Anstieg des Laugenzuflusses. Auch zu Gesteinsablösungen aus Decken war es in der Asse schon mehrfach gekommen.

Die jetzt eingebrochene Decke ist zwischen zwei Hohlräumen abgestürzt, in denen keine radioaktiven Abfälle lagern. Da die beiden 15 Meter hohen Kammern bereits mit gemahlenem Salz gefüllt sind, ist die Decke nach Angaben des BfS nicht tief gestürzt. Eine Erschütterung hätten die Messegeräte nicht festgestellt. „Es ist kein großer Schaden entstanden, aber es zeigt, dass da Bewegung drin ist“, sagte ein Behördensprecher.

Anders als im aktuellen Fall kann es aber auch bei Kammern mit eingelagertem Atommüll zu Deckeneinbrüchen kommen. Im April drohten größere Gesteinsbrocken auf gelagerte Fässer zu fallen.

Im Untersuchungsausschuss des Landtages zur Asse wurde am Donnerstag in Hannover deutlich, dass Fachleute schon früh Zweifel hatten, ob die Asse zur Atommüll-Endlagerung geeignet ist. Grund für die Bedenken seien Probleme mit der Standsicherheit und der Wasserzutritt, sagte der ehemalige Präsident der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig, Dieter Kind, als Zeuge im Ausschuss. Vor 30 Jahren hätten aber andere Maßstäbe geherrscht. „Heute wissen wir, was wir besser nicht getan hätten vor einiger Zeit.“ Die SPD-Landtagsabgeordnete Petra Emmerich-Kopatsch sieht die Sorglosigkeit im Umgang mit Atommüll belegt. In der Asse habe „das Prinzip Hoffnung“ geherrscht, meinte sie.

Der frühere Asse-Betreiber wies am Donnerstag jedoch Kritik am Umgang mit der Asse zurück. Das Helmholtz Zentrum habe sich einwandfrei verhalten, sagte der Geschäftsführer der Einrichtung, Professor Günther Wess. Nach Pannen und Ungereimtheiten in dem Salzbergwerk verlor das Helmholtz Zentrum allerdings die Zuständigkeit, Betreiber der Asse ist seit Jahresanfang das Bundesamt für Strahlenschutz. „Für mich ging es darum, die Asse sicher zu schließen“, sagte Wess.

Bei der Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Abfall hält der frühere PTB-Präsident Kind unabhängig von den Problemen in der Asse eine Fortsetzung der Untersuchung des Salzstocks Gorleben für notwendig. „Das Moratorium ist ein echter Schaden gewesen für die Entwicklung“, sagte er. Parallelen zwischen der Asse und Gorleben sieht der 80 Jahre alte, frühere Ingenieur Kind nicht. „Asse ist keine Referenz für Gorleben, entscheidend ist die Geologie.“

CDU und FDP im Untersuchungsausschuss sahen sich damit in ihrer Haltung bestätigt. Die Grünen forderten, Gorleben müsse als mögliches Endlager aufgegeben werden. Auch Bürgerinitiativen halten den Salzstock für ungeeignet.

Die frühere rot-grüne Bundesregierung hatte einen Erkundungsstopp (Moratorium) für Gorleben bis höchstens 2010 vereinbart. Die neue schwarz-gelbe Bundesregierung will die Untersuchung des Salzstocks als mögliches Endlager fortsetzen. SPD und Grüne pochen dagegen auf die Suche nach alternativen Standorten in Deutschland.

lni

Klaus Wallbaum 08.10.2009
08.10.2009