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Niedersachsen Celle leiht sich Geld bei Bürgern
Nachrichten Politik Niedersachsen Celle leiht sich Geld bei Bürgern
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07:36 02.07.2009
Von Klaus Wallbaum
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Die Rechnung ist einfach: Celle braucht mindestens 20 Millionen Euro, einmal wegen der bevorstehenden Einnahmerückgänge und dann wegen der geplanten Investitionen. Wollte die Stadt am Kreditmarkt ein Darlehen aufnehmen, so fielen dafür Zinsen von rund 4,1 Prozent an.

Deshalb reifte bei der für Finanzen zuständigen Stadträtin Susanne Schmitt (CDU) und bei Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) der Plan einer Anleihe: Bürger, Unternehmen und Verbände geben der Stadt kleinere oder größere Beträge, erhalten dafür eine Urkunde und bekommen das Geld nach etwa sieben Jahren garantiert zurück. Die Verzinsung beträgt dann etwa 3,3 Prozent. „Unterm Strich hätten wir, verglichen mit der Kreditaufnahme, geringere Ausgaben für Zinsen von bis zu 80.000 Euro im Jahr“, schwärmt der Oberbürgermeister. In sieben Jahren könne man so eine halbe Million Euro erwirtschaften.

„Das ist eine interessante Idee, die eine nähere Prüfung verdient“, lobt Christian A. Geiger, Geschäftsführer des niedersächsischen Städtetages. In Celle verweist man auf Städte wie Weimar und München. Oberbürgermeister Mende meint zudem, man dürfe neben dem finanziellen auch den ideellen Wert der Aktion nicht vernachlässigen. „Dies kann dazu führen, dass sich die Bürger noch stärker mit ihrer Stadt identifizieren.“

Zwar will Celle über die Anleihe zehn Millionen Euro einnehmen, aber die Stadt wendet sich ausdrücklich auch an die Kleinanleger, die lediglich Beträge um 200 Euro geben. „Die bekommen dann eine schöne Urkunde, und diese können beispielsweise Großeltern ihren Enkeln zur Konfirmation oder zu Weihnachten schenken.“ Da die Verzinsung etwas oberhalb derer von Bundesschatzbriefen liegen soll, hätten die Celler Anleihen sogar einen Wettbewerbsvorteil.

Im Innenministerium in Hannover sieht man die Celler Pläne mit Skepsis. Rechtlich ist die Anleihe zulässig, solange die Stadt nicht selbst die Schatzbriefe herausgibt, sondern – wie geplant – mit Sparkasse und Volksbank zusammenarbeitet. Aber Ingo Marek von der Kommunalabteilung verweist auf die Erfahrungen, die 1996 in Hannover mit der Expo-Anleihe gesammelt wurden: Weil die Zinsen anschließend gesunken waren, rechnete sich die Anleihe für die Stadt nicht – sie hätte in den Folgejahren zu niedrigeren Zinsen neue Kredite aufnehmen können, musste dann aber die Zeichner der Anleihe bedienen.

In Celle aber vertraut man offenbar fest auf die Inflation, die dann zu höheren Zinsen führen wird. Insofern könnte das Celler Modell Schule machen.