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Niedersachsen Pistorius will Pyrotechnik im Stadion zulassen
Nachrichten Politik Niedersachsen Pistorius will Pyrotechnik im Stadion zulassen
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22:02 16.08.2017
Bald in gesonderten Bereichen möglich? Beim DFB-Spiel Hansa-Rostock gegen Hertha BSC haben Berlins Anhänger Pyrotechnik gezündet. Quelle: dpa
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Hannover

DFB-Präsident Reinhard Grindel kündigte zugleich an, dass sein Verband bei Straftaten künftig auf Kollektivstrafen wie das Sperren von Zuschauerblöcken verzichten wolle.

Pistorius’ Vorschlag wurde von mehreren Landesinnenministern scharf kritisiert. Auch die Polizei in Niedersachsen reagierte ablehnend. Pistorius sagte der HAZ, er wolle mit seinem Vorschlag die Diskussion zwischen Vereinen und Ultras beruhigen. „Pyros sind extrem gefährlich, aber leider kaum zu verhindern, weil sie immer wieder ins Stadion geschmuggelt werden“, sagte der Minister. Seinem Vorschlag zufolge dürften nur registrierte Personen angemeldete Brennstoffe in klar gekennzeichneten Zonen zünden. Davon hinge die Erlaubnis ab. „Wenn sich nicht alle dran halten, wird es sofort wieder einkassiert“, so Pistorius.

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Auch der DFB macht einen Schritt auf die sogenannten Ultras zu. „Bis auf Weiteres“ wolle man „keine Sanktionen wie die Verhängung von Blocksperren, Teilausschlüssen oder Geisterspielen mehr“, teilte Grindel mit.

Alexander Zimbehl von der Deutschen Polizeigewerkschaft nannte Pistorius’ Vorstoß das „falsche Signal zum falschen Zeitpunkt“. Gerade in Hannover habe man Riesenprobleme mit den Ultras. Matthias Karsch, Landeschef des Bunds Deutscher Kriminalbeamter, warnte davor, gewaltbereite Fans als Vertragspartner anzuerkennen. „Vor diesen Leuten, die nur ins Stadion gehen, um Ärger zu machen, darf man nicht einknicken. Das ist nicht der kleine Finger, den man ihnen damit reichen würde, das ist die ganze Hand.“

Auch Martin Kind, Besitzer der Fußballsparte von Hannover 96, der seit Monaten von Ultras offen angefeindet wird, reagierte zurückhaltend auf Pistorius’ Ankündigungen. „Nach unserer Einschätzung ist das ein Strategiewechsel.“ Er wisse nicht, was den Minister dazu bewogen haben könnte.

DFB-Chef Grindel will Kollektivstrafen bei Fehlverhalten einzelner Fans abschaffen.

Noch im Juni hatte Pistorius mit dem Satz „Pyrotechnik ist strafbar, Ende!“ eine harte Linie vertreten. Das gelte immer noch, meinte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU): „Pyrotechnik hat in unseren Fußballstadien nichts verloren. Daran gibt es nichts zu rütteln.“ Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ressortchef Lorenz Caffier (CDU) lehnte Pistorius’ Vorstoß entschieden ab. „Sollen wir den Brandstiftern demnächst auch noch Emporen bauen, von denen aus sie ihre Bengalos abfeuern können?“, sagte der Minister dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Grindels Verzicht auf Geisterspiele begrüße er hingegen.

Von Heiko Randermann

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