Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Niedersachsen Und auf Platz 20 - Aygül Özkan
Nachrichten Politik Niedersachsen Und auf Platz 20 - Aygül Özkan
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:49 21.03.2014
Von Klaus Wallbaum
„Nun mal langsam, noch bin ich ja gar nicht im Landtag“: Aygül Özkan rückt für David McAllister auf.dpa
„Nun mal langsam, noch bin ich ja gar nicht im Landtag“: Aygül Özkan rückt für David McAllister auf.dpa Quelle: Emily Wabitsch
Anzeige
Hannover

All denen, die in ihr den neuen Superstar der CDU sehen, hatte Fraktionschef Björn Thümler schon frühzeitig die Illusionen genommen: Wenn die frühere Sozialministerin Aygül Özkan in der nächsten Woche als Nachrückerin in den Landtag kommt, sitzt sie erst einmal nicht vorn in der CDU, sondern in der Mitte der Fraktion - genauer: in der fünften Reihe, auf dem Platz Nummer 20. „Es ist bei uns üblich, die ehemaligen Minister in der Mitte der Fraktion zu platzieren“, sagt Thümler. „In der Mitte“, das heißt soviel wie: „nicht an die Spitze“.

Trotzdem ist der personelle Wandel, der sich in der kommenden Woche in der CDU vollzieht, nicht nebensächlich, sondern ein einschneidendes Ereignis. Der langjährige Fraktionschef und spätere Ministerpräsident David McAllister, Landesvorsitzender der CDU, verlässt am Mittwoch das Landesparlament. Er wird vermutlich noch eine kurze Abschiedsrede halten. Damit kommt die erste Nachrückerin auf der Liste zum Zuge - und das ist Özkan, die vor der Landtagswahl im Januar 2013 auf Platz drei der Landesliste gestanden, aber ihren Wahlkreis in Hannover-Mitte nicht gewonnen hatte. Ihr blieb der Einzug so lange versperrt, wie nicht der erste Abgeordnete der CDU das Parlament verlässt. Und das geschieht jetzt. McAllister sucht seine Zukunft im Europaparlament.

Wo wird Özkan jetzt gebraucht? Die Sozialpolitik und auch die Innen- und Rechtspolitik zählen nicht zu den Feldern, in denen die CDU-Landtagsfraktion derzeit blendend aufgestellt wäre. Doch für Özkan verbietet es sich, sozialpolitische Sprecherin zu werden. Sie müsste dann als Oppositionspolitikerin die Arbeit der Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) kritisieren - wohlwissend, dass deren enge Mitarbeiter Beamte sind, die früher für die Sozialministerin Özkan tätig waren. Um daraus womöglich folgende Konflikte von vornherein zu vermeiden, wechselt Özkan in den Wissenschaftsausschuss und wird stellvertretendes Mitglied im Ausschuss. Peilt sie eine steile Karriere an? „Nun mal langsam, noch bin ich ja gar nicht im Landtag“, sagte sie gestern.

Aber Özkan plant schon ein starkes parlamentarisches Engagement. Ihre Familie lebt in Hamburg, sie hat aber eine kleine Wohnung in der Nähe des Maschsees in Hannover. Bisher schon, ohne Landtagsmandat, war sie politisch sehr rege und aktiv. Für die Konrad-Ade­nauer-Stiftung hielt sie Vorträge, als CDU-Bundesvorstandsmitglied diskutierte sie über Integrationsfragen, im Vorstand des CDU-nahen Wirtschaftsrates leitet sie den Arbeitskreis zu den deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen.

Was Özkan offensichtlich sehr am Herzen liegt, ist der enge Bezug zur CDU in Hannover. Sie spricht von „meinem Wahlkreis“, wenn sie Hannover-Mitte meint, und sie lässt keinen Zweifel daran aufkommen, im Wesentlichen von Hannover aus in die Landespolitik einwirken zu wollen. Ob sie es will oder nicht: Das Thema Integration bleibt ihr auf den Leib geschneidert. Sie war schließlich die erste Migrantin auf dem Stuhl einer Landesministerin.

Klaus Wallbaum 21.03.2014
Saskia Döhner 20.03.2014
Klaus Wallbaum 19.03.2014