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Niedersachsen Von Krabben und Kohlköpfen
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16:54 21.09.2019
Michael B. Berger Quelle: HAZ

Sie machen sich wieder auf die Socken. Das heißt Socken ist eigentlich nicht ganz richtig, denn die Beine der Chinesischen Wollhandkrabbe sind nackt, aber nicht ganz so eklig wie ihre riesigen, behaarten Scheren. Derzeit sind die Krabben in Massen unterwegs, in Thedinghausen bei Verden und um Thedinghausen herum. Und sie wandern, dass es eine Lust ist. Vom Fluss ins Meer. Und das Ganze nur zur Arterhaltung, denn gewöhnlich leben sie im Fluss, laichen indes im Brackwasser. Wenn ein Weibchen seine zirka 250.000 Eier (es kann auch das Vierfache sein) in der Brackwasserzone ablegt, dann stirbt es. Auch den Gatten ist ein rascher Tod beschieden. Insofern gibt es bei der Chinesischen Wollhandkrabbe, die schon seit der Jahrhundertwende eine Niedersächsin ist, Geschlechtergerechtigkeit. Da ist die Krabbe weiter als viele Parteien in Niedersachsen, selbst als die Sozialdemokraten. Doch das nur am Rande.

Warum ich die Chinesische Wollhandkrabbe erwähne? Weil es ein gleichermaßen skurriles wie auch trauriges Ereignis ist, wenn sich Tausende auf den Weg machen müssen, um der Nachhaltigkeit zu dienen. Wobei der Marsch der Wollhandkrabben sich von den Fridays-for-Future-Demos darin unterscheidet, dass er weder von Umweltministern noch von Landesbischöfen begleitet wird, obwohl sich auch die Krabben für einen guten Zweck auf den Weg machen. Dem der Arterhaltung. Nur ist das Risiko der Panzertierchen wesentlich größer.

Und sonst? Während sich die westliche Welt im Klimarausch befindet, ist halb Dithmarschen „im Kohlrausch“, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. „Anschnitt in Dithmarschen: 80 Millionen Kohlköpfe warten auf die Ernte.“ Und wir sehen sie bereits vor uns, die Kohlköpfe. Wie sie mit den Füßen scharren (au, au, au) und sehnsüchtig auf die Erntebauern warten, auf all’ die Polen und Rumänen, die den satten Dithmarschern die (harte) Arbeit abnehmen. Denn es ist noch ein langer Weg vom Kohl zum Sauerkraut.

Sie werden mir diesen kleinen Ausflug über die niedersächsische Landesgrenze nach Schleswig-Holstein verzeihen. Aber Kohl ist eben keine rein niedersächsische Angelegenheit und diese Kolumne dem Internationalismus sowie dem europäischen Gedanken verpflichtet. Deshalb berichten wir ja auch hin und wieder über Braunschweig, wenn auch selten positiv. Wir würden sogar über Bielefeld berichten, das erst vor Kurzem bewiesen hat, dass es wirklich existiert, wenn es denn etwas Nennenswertes zu berichten gäbe. Das ist an diesem Wochenende indes nicht der Fall, auch wenn Arminia Bielefeld in der 2. (!) Liga weit vor Hannover 96 steht, das sich offenbar auf den Weg der Wollhandkrabbe gemacht hat und Richtung Brackwasser marschiert. Aber man soll mit dem Entsetzen keine Scherze treiben.

Wo bleibt das Positive? Natürlich in Niedersachsen, wo gleich drei Minister diese Woche zur Woche des Wasserstoffs erklärt haben. Niedersachsen soll Wasserstoffland werden, flöteten die Minister Althusmann, Lies und Thümler gleichzeitig. Aber das glauben wir erst dann, wenn alle drei auf ihrer nächsten Pressekonferenz wasserstoffblond erscheinen.

Von Michael B. Berger

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