Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Niedersachsen Leute, schön unfroh bleiben!
Nachrichten Politik Niedersachsen Leute, schön unfroh bleiben!
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:00 21.12.2019
Michael B. Berger Quelle: HAZ
Hannover

Aus ethnologischer Sicht gelten die Niedersachsen, und zwar links und rechts der Leine, als schwerblütige Naturen. Sie sind in der Regel kaum aus der Ruhe und in Wallung zu bringen. Nur wenn es um den Wolf geht, kann auch ein schwerblütiger, dem Wohlergehen des Landes wie der Fruchtbarkeit der Ackerkrume verpflichteter Niedersachse zur Furie werden. Etwa im niedersächsischen Landtag, wo schon Sprüche wie „der Weg von heilig zu scheinheilig ist oft ein kurzer“ (Verkehrsminister Althusmann zu den Grünen) als politisch unkorrekt von der Landtagschefin gerüffelt werden. Heilige Gabi Andretta, lass doch Gnade walten beim bescheidenen Wortspiel ...

Diese Woche übermannte den FDP-Bauern Hermann Grupe heiliger Zorn, als über das „Wolfsmanagement“ des Umweltministers Olaf Lies herzog, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger Stefan Wenzel noch keinen Problemwolf zum Abschuss gebracht hat. Doch nach dem Blut dieses Problemwolfes, der auch vor Hornochsen keinen Respekt hat, rufen jetzt große Teile eines Parlamentes, das sich eher dem ländlichen Niedersachsen verpflichtet fühlt. Aber Lies, der durchaus mit den Weidetierhaltern mitfühlt, kann nichts machen, weil er einfach nicht das Glück eines Waidmannes hat, der einen davonlaufenden Wolf zur Strecke bringt. Doch sollte der Minister getrost das Wort vom „Management“ streichen. Denn auch Manager bändigt so ein Raubtier kaum.

Eine gewisse Verschlabberung

Beim Blick auf die Debattenlage im Landtag drängt sich die Frage auf, wann auch hier die Jogginghose Einzug hält, die zum geheimen Sinnbild der Deutschen Wiedereinigung geworden zu sein scheint und gegen die sich manche Schulen jetzt mannhaft wehren. Wir wollen nicht so weit gehen wie der selige Modezar Karl Lagerfeld, der da sagte, wer eine Jogginghose trage, der habe die Kontrolle über sein Leben verloren. Denn eine gewisse Verschlabberung bringt das Leben schon an sich mit. Doch schön sind sie gewiss nicht, die Hosen zum Weglaufen. Und ein bisschen Wahrung der Form verschönert doch das Leben. Auf dem Schulhof, am Arbeitsplatz, im Parlament. Auch in der realen, analogen Welt.

E-Scooter als apokalyptische Reiter

Gut zur Jogginghose passen die E-Scooter, die jetzt wie Apokalyptische Reiter unsere Radwege und Straßen beherrschen und wild in der Gegend herumlungern, wenn niemand kommt, sie abzuholen. Niedersachsens Städtetag sinnt jetzt auf Abhilfe für ein Problem, das selbst in kleineren Städten zu einer echten Landplage werden kann. Kein Wunder, befördert doch der E-Scooter die allgemeine Infantilisierung der Gesellschaft aufs Wunderbarste.

Her mit der Plastiktanne

Zu ihr gehört auch der Wunsch, möglichst klimafreundlich Weihnachten zu feiern, das grausamste aller Familienfeste, weil hier der heimische Stamm in der Regel zu sich selbst kommen will. CO2-freie Weihnacht heißt: weg mit selbst brennenden Wachskerzen, her mit der Plastiktanne, dem immergrünen Lebensbaum des PVC-Zeitalters. Und wir wollen gar nicht wissen, wie groß der ökologische Fußabdruck des Weihnachtsmannes ist, wenn er schwer mit Geschenken beladen mit mehreren Rentieren und Rennschlitten durch unseren Schornstein rauscht. Am besten: Gar nichts machen und unfroh bleiben. Fröhliche Weihnachten!

Von Michael B. Berger

Niedersachsen-Haushalt - Kommentar: Viel Geld, wenig Visionen

Der Landtag hat mit den Stimmen der großen Koalition den Haushalt für 2020 beschlossen. Mit einem Volumen von 34,7 Milliarden Euro ist er so groß wie nie zuvor in Niedersachsen. Besonders kreativ ist er nicht, meint Marco Seng.

20.12.2019

Der Landtag hat den Haushalt für das kommende Jahr am Donnerstag mit der Mehrheit der großen Koalition beschlossen. Es gibt mehr Geld für Lehrer, 2 Milliarden Euro sind für Investitionen in die Infrastruktur vorgesehen.

19.12.2019

Niedersachsens Städtetag klagt über zu viele E-Scooter und Leihfahrräder, die Plätze und Bürgersteige versperren.

19.12.2019