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Niedersachsen Sozis an den Herd!
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00:22 17.06.2019
Michael B. Berger Quelle: HAZ
Hannover

Man soll ja mit dem Entsetzen keine Scherze treiben, aber der „Spiegel“ stellte kurz vor Pfingsten in einem Aufmacher tatsächlich die Frage, ob man nicht Kevin Kühnert zum SPD-Vorsitzenden machen sollte. Kevin! Man kann, bildlich gesprochen, doch einem Kleinkind kein Maschinengewehr in die Hand drücken. Da sehnt man sich ja schon fast wieder Andrea Nahles an ihren angestammten Posten zurück. Aber Schluss mit dem Thema, zumal es bei der Union auch nicht viel besser ist, und Horst Seehofer durch die Innenministerkonferenz geistert wie Hamlets Geist durch das Königreich Dänemark. Sein oder Nicht-Sein, Schein oder Nicht-Schein, das ist hier die Frage. Unterdessen rät der verbliebene vernünftige Teil der SPD, bloß Ruhe zu bewahren und zum Beispiel kleine Brötchen zu backen. So warf Niedersachsens SPD-Chef Stephan Weil ausgerechnet am Tag der Ausgießung des Heiligen Geistes den Backofen an, knetete Quark- und Mehlmassen zusammen und verblüffte seine Facebook-Gemeinde mit einem halben Dutzend Quarkbrötchen, was zu unzähligen Kommentaren führte. Merke: Breit gekneteter Quark macht satt und stark!

Wer fliegt denn noch auf Sicht?

Für Weils Quarkbrötchen hat man übrigens keine „Rosinenbomber“ einsetzen müssen, die diese Woche auch Norddeutschlands Himmel kurzzeitig verdunkelten, nachdem sie erst wetterbedingt in Wiesbaden festgesessen hatten. Die Dinger können nämlich nur so fliegen, wie Angela Merkel seit 14 Jahren Politik macht: auf Sicht. Aber wir wollen über die Frau Bundeskanzlerin nicht mehr lästern. In der Welt der Mullahs und Komödianten, der Flegelanten und der Penetranten wirkt sie schon fast wie ein Engel der Beständigkeit, während die arme, geplagte Annegret Kramp-Karrenbauer mit abgelegten Karnevalsreden und Attacken auf unverschämte Youtuber Spott auf sich zieht.

Im Zuge der aktuellen Klimadiskussion haben wir uns übrigens entschlossen, endlich eine Markise anzuschaffen und weitgehend auf Socken zu verzichten, wobei fraglich bleibt, ob damit die Apokalypse noch aufzuhalten ist. Auch das Pflanzen von Apfelbäumen, das zumindest in vorreformatorischen Zeiten noch geeignet schien, der Apokalypse eine Nase zu drehen, scheidet in Zeiten knappen Wassers aus. Dafür haben sich jetzt die evangelischen Tagungs- und Gästehäuser zu einem finster-optimistischen Schritt entschlossen. Sie firmieren künftig unter dem Titel „Himmlische Herbergen“, egal, welchen Standard sie bieten. Eine kühne Umformulierung, die eigentlich kaum noch Luft nach oben bietet...

Und sonst? Verblüfft die Zahnärztekammer Niedersachsen mit grimmigen Überschriften, wenn sie meldet „63 Jahre andauerndes Koma beendet“. Man schreckt hoch, dabei ist lediglich die Novellierung der zahnärztlichen Approbationsordnung gemeint. Zahnärztehumor eben, aber der Zahnarzt ist schließlich auch der Folterknecht des kleinen Mannes. Und wo wir grade bei Folterknechten sind: Boris Johnson macht sich auf den Weg, nächster Premierminister seines wunderbaren Landes zu werden. Zum Teufel mit England, es lebe der Brexit!

Von Michael B. Berger

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