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Niedersachsen Landtag streitet über Rettung des Römerlagers
Nachrichten Politik Niedersachsen Landtag streitet über Rettung des Römerlagers
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17:32 18.12.2019
Landtagsabgeordnete haben sich bereits vor Ort über die Funde und die früheren Ausmaße des Römerlagers Wilkenburg informiert. Quelle: Torsten Lippelt
Hannover

Dass die Debatte um ein rund 2000 Jahre altes Römerlager in der Region Hannover zu einem Höhepunkt der Sitzungswoche des Landtags werden könnte, war im Vorfeld nicht zu erwarten. Eigentlich ging es nur um eine Petition, wenn auch eine besondere.5969 Bürger hatten darin eine Änderung bei der Raumordnung des Landes gefordert, um das Marschlager in Wilkenburg vor einem geplanten Kiesabbau zu schützen.

Doch dann lieferten sich Vertreter der großen Koalition auf der einen und der Grünen auf der anderen Seite eine verbale Schlacht über den Umgang mit der Fundstelle. Die Grünen-Politikerin Eva Viehoff erklärte, dass rechtlich nichts gegen eine politische Entscheidung des Landes zugunsten des Römerlagers spreche. Sie warf der Regierung vor, die Petenten „im Regen stehen zu lassen“. Kies könne man auch anderswo abbauen. Viehoff: „Es wäre ein leichtes, dieses nördlichste römische Marschenlager zu schützen.“

CDU: Ohne Abbaugenehmigung bleiben Relikte des Lagers im Boden

Die CDU-Abgeordnete Editha Westmann konterte hart: „Ich sehe Ihnen mal diese vielen falschen Aussagen nach, weil sie kein Mitglied des Petitionsausschusses sind.“ Ja, das römische Marschlager Wilkenburg erweitere das Geschichtsbild, der Nachweis sei wissenschaftlich von großer Bedeutung. Aber: Für die Abbaugenehmigung auf der Vorratsfläche für Sand und Kies sei die Region Hannover zuständig. Und das Marschlager werde nur ausgegraben, wenn diese Genehmigung erteilt werde. Westmann: „Sollte die Region Hannover sich gegen eine Genehmigung entscheiden, werden die erhaltenen Relikte des römischen Marschlagers weiterhin im Boden ruhen.“

Grüne: Landesregierung verhindert Ausgrabung

Nach Ansicht der Grünen ist die Landesregierung schuld, wenn das Römerlager nicht ausgegraben wird. Das machte Fraktionsvize Christian Meyer deutlich. „Herr Thümler hat es verpennt“, schiebe alles auf die Region und wäre für eine Zerstörung des Lagers verantwortlich. Gemeint war Kulturminister Björn Thümler (CDU), der sich allerdings als nicht zuständig für das angebliche Kulturerbe erklärt.

„Nur weil Sie mal Minister waren, wissen sie auch nicht alles“, hielt Westmann daraufhin Meyer entgegen. Die SPD attestierte dem ehemaligen Agrarminister, dass er schon zu seiner Amtszeit hätte aktiv werden und die Raumordnung neu regeln können. Dann mischte sich noch AfD-Parlamentsgeschäftsführer Klaus Wichmann ein: „Wenn dieses Lager ausgewertet werden kann, werden wir die Geschichte um Christi Geburt vielleicht anders erzählen müssen.“ Den Forderungen der Grünen wollte die AfD aber nicht zustimmen: „purer Populismus“.

So lehnte der Landtag am Ende mit großer Mehrheit die Petition ab und beschloss lediglich, dass er davon ausgeht, dass die „denkmalschutzrechtlichen Belange vollumfänglich in einem Genehmigungsverfahren der Region Hannover berücksichtigt werden“.

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Von Marco Seng

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