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Deutschland / Welt Tote bei Attacke auf ukrainische Truppen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Tote bei Attacke auf ukrainische Truppen
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13:49 02.05.2014
Ukrainische Truppen sind in die ostukrainische Stadt Slawjansk einmarschiert.
Ukrainische Truppen sind in die ostukrainische Stadt Slawjansk einmarschiert. Quelle: Yuriy Maksimov
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Slawjansk

Mit Hubschraubern und Militärfahrzeugen haben ukrainische Regierungstruppen im Osten des Landes prorussische Aktivisten attackiert. Bei Angriffen auf mehrere Stellungen nahe der Großstadt Slawjansk habe es "mehrere Tote" in den Reihen der Separatisten gegeben, sagte ein Aktivistensprecher am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Das ukrainische Verteidigungsministerium gab bekannt, dass "Terroristen" mit tragbaren Flugabwehrraketen zwei Kampfhubschrauber vom Typ Mi-24 abgeschossen hätten. Dabei seien zwei Besatzungsmitglieder getötet und mehrere verletzt worden.

Kremlchef Wladimir Putin warf der ukrainischen Regierung vor, mit dem Einsatz die "letzte Hoffnung" auf eine diplomatische Lösung zu zerstören. Die Führung in Kiew habe in den Kampfmodus geschaltet und greife friedliche Siedlungen an, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow am Freitag nach Angaben russischer Agenturen. Er sprach von einer "Strafaktion" der Regierungstruppen.

In Slawjansk hält die "Volksmiliz" seit einer Woche mehrere Militärbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Slawjansk fest, darunter drei Bundeswehr-Soldaten und einen deutschen Dolmetscher. Die Geiseln seien an einen "sicheren Ort außerhalb der Kampfzone gebracht" worden, sagte Milizenführer Wjatscheslaw Ponomarjow zu "bild.de".

Das dänische Militär versicherte, dass es den Festgehaltenen den Umständen entsprechend gut gehe. "Nach unseren Informationen sind der dänische und die anderen Beobachter in Sicherheit. Sie werden zwar weiterhin festgehalten, aber in Bezug auf das, was im Moment in Slawjansk vor sich geht, sind sie in Sicherheit", sagte Henrik Mortensen vom Verteidigungskommando der Nachrichtenagentur Ritzau.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und der Schweizer Bundespräsident Didier Burkhalter forderten bei einem Treffen in Bern die bedingungslose Freilassung des OSZE-Teams. Burkhalter führt in der OSZE die Geschäfte.

Der ukrainische Innenminister Arsen Awakow schrieb bei Facebook, dass Truppen der Armee, der Nationalgarde und des Innenministeriums bei den Städten Slawjansk und Kramatorsk eine "aktive Phase der Anti-Terror-Operation" begonnen hätten. Die Operation laufe wie geplant, behauptete er.

Der selbst ernannte "Bürgermeister" Ponomarjow rief alle erwachsenen männlichen Einwohner zur Hilfe auf. "Unsere Stadt wird angegriffen, unsere Stadt wird erstürmt, wir haben Verluste", sagte er. "Wir verteidigen die Stadt, wir werden siegen", betonte Ponomarjow.

Nahe Slawjansk sagte ein Aktivistensprecher der dpa, die Regierungseinheiten hätten den Bahnhof der Stadt eingenommen. Zuvor hatte Ponomarjow bereits den Verlust der Fernsehstation eingeräumt. Er sagte, seine Kämpfer hätten einen Piloten gefangen genommen.

Putin habe gewarnt, eine Militäraktion in der Gegend würde einem Verbrechen gleichkommen, sagte Kremlsprecher Peskow. "Leider bestärkt die Entwicklung seine Einschätzung völlig." Putin habe am Vortag den früheren Menschenrechtsbeauftragten Wladimir Lukin als Sonderbeauftragten in die Region geschickt. Seit Beginn der ukrainischen Offensive sei der Kontakt zu Lukin aber abgebrochen, sagte Peskow. Hingegen betonten Lukins Mitarbeiter, ihrem Chef gehe es gut.

Die Führung in Kiew befürchtet, dass Putin seine Truppen in die Ost- und Südukraine einmarschieren lassen könnte - unter dem Vorwand, russische Bürger oder Interessen dort zu schützen. Ein Mandat für diesen Fall hatte sich der Präsident bereits vom Parlament geben lassen. Allerdings hatte er betont, er hoffe, von dieser Vollmacht nicht Gebrauch machen zu müssen. Die Aktivisten wollen am 11. Mai mit einem Referendum über eine Abspaltung des ostukrainischen Gebiets Donezk von der Ex-Sowjetrepublik entscheiden lassen.

Die prowestliche Führung in Kiew hatte in der russisch geprägten Region einen "Anti-Terror-Einsatz" gegen die Separatisten angeordnet, die in den Gebieten Donezk und Lugansk an der russischen Grenze in mehreren Städten staatliche Gebäude besetzt halten. Bislang hatte die Offensive aber keine Erfolge gebracht.

dpa