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Deutschland / Welt Wie der NSU Rechtsrockkonzerte nutzt
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12:48 04.02.2019
„Rock gegen Überfremdung“: Das Rechtsrockkonzert im thüringischen Themar zieht jedes Jahr mehr als 5000 Anhänger der Neonazi-Szene an. Quelle: imago/Michael Trammer
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Berlin

Frühere NSU-Kontaktleute sind bei Rechtsrockkonzerten aktiv. Das geht aus einer Antwort der Thüringer Landesregierung auf eine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Raymond Walk hervor.

Laut Thüringer Verfassungsschutz sind frühere NSU-Kontaktpersonen auch in der rechtsextremen NPD und in einzelnen Neonazi-Gruppierungen zu finden.

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Um wie viele Personen es sich handle, könne nicht gesagt werden, heißt es weiter in der Antwort. Ihre Anzahl soll im niedrigen zweistelligen Bereich liegen.

NSU-Helfer nimmt an Neonazikonzert teil

„Dass immer noch Personen, die Kontakte zum NSU-Trio pflegten, in der Szene aktiv sind, ist leider nicht überraschend“, sagte Walk. Tatsächlich war im vergangenen Herbst bekannt geworden, dass ein NSU-Helfer bereits kurz nach seiner Verurteilung im Sommer an einem Neonazikonzert in thüringischen Kirchheim (Ilm-Kreis) teilgenommen hatte.

Rechtsrockkonzerte erfüllen vornehmlich zwei Zwecke. Sie sind Netzwerktreffen der Extremen Rechten, und sie dienen der Finanzierung der Neonazi-Szene.

In beiden Fällen ist die Grenze zum Rechtsterrorismus fließend“, sagte die Linken-Bundestagsabgeordnete Martina Renner, Expertin für Rechtsextremismus, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Zehn Morde in sieben Jahren

Die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) ermordete zwischen 2000 und 2007 neun Migranten und eine Polizistin. Die Zahl der an den Taten Beteiligten und ihrer lokalen, überregional vernetzten Unterstützer ist umstritten. Ihr Umfeld wird auf 100 bis 200 Personen geschätzt, darunter V-Personen und Funktionäre rechtsextremer Parteien.

Walk kritisierte, der Verfassungsschutzbericht zeige nur ein unzureichendes Bild des Rechtsextremismus in Thüringen. Darin kämen viele Szene-Kleingruppierungen nicht namentlich vor, die aber in der Antwort stünden.

Insgesamt werden in der Antwort der Regierung 15 Gruppen aufgeführt, deren Personenstärke jeweils als sehr gering eingestuft wird. Allerdings sei in vielen Fällen nicht bekannt, wie viele Menschen dort tatsächlich aktiv seien.

Walk verlangte zehn zusätzliche Stellen beim Verfassungsschutz. Auch SPD-Innenminister Georg Maier hatte in der Vergangenheit mehr Stellen in den Raum gestellt.

Themar größtes Rechtsrockkonzert Europas

Thüringen gilt als Hochburg für Rechtsrockkonzerte. So kamen 2017 etwa 6000 Neonazis aus ganz Europa nach Themar (Landkreis Hildburghausen). Themar gilt als größtes Rechtsrockkonzert Europas. Organisator ist Tommy Frenck, dem enge Kontakte ins Landratsamt nachgesagt werden.

Frenck führt auch das Gasthaus „Goldener Löwe“ im wenige Kilometer entfernten Kloster Veßra. Dort kosten an speziellen Tagen Schnitzel und Brötchen mit Hackbuletten jeweils „nur 8,88 Euro“. Avancen dieser Art fallen bevorzugt auf den 20. April – den Geburtstag Adolf Hitlers.

Der Preis fürs „Führerschnitzel“ spielt auf den ehemaligen deutschen Diktator an. Die „8“ markiert in Neonazi-Kreisen den achten Buchstaben im Alphabet. Zweimal „8“ bedeutet zweimal „H“ – das Kürzel für den Führergruß „Heil Hitler“.

Rund 64 Prozent aller politisch motivierten Straftaten, die 2017 in Thüringen begangen wurden, waren laut Verfassungsschutzbericht der rechten Szene zuzuordnen. Insgesamt habe es sich um 1353 Fälle gehandelt. Der Verfassungsschutz ging 2017 von rund 835 Rechtsextremen in Thüringen aus.

Von Jörg Köpke/RND