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Deutschland / Welt Weiter Streit um DDR-Bewertung
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13:47 13.04.2009
SPD-Chef Franz Müntefering sieht Fehler bei der Wiedervereinigung. Quelle: Michael Gottschalk/ddp
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Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und Berliner Bischof Wolfgang Huber und der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maiziere (CDU) warnten davor, Unrecht und staatliche Willkür zu DDR-Zeiten zu verdrängen und zu vergessen.

Nach Ansicht Münteferings leiden die Debatten darunter, „dass wir 1989/90 nicht wirklich die Wiedervereinigung organisiert haben, sondern die DDR der Bundesrepublik zugeschlagen haben“. Das sei nicht aufgearbeitet. Viele Ostdeutsche hätten das Gefühl, „dass wir sie nicht immer als Gleichwertige behandelt haben wegen des DDR-Systems, für das die Allermeisten ja nichts konnten“. Dabei hätten die meisten ein Recht, stolz auf das zu sein, „was sie unter schweren Bedingungen geleistet haben“. Ungeachtet dessen dürfe nicht verniedlicht werden, dass die DDR ein Unrechtsstaat, eine Diktatur gewesen sei, betonte der SPD-Chef.

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Huber sagte am Ostersonntag in einer Predigt in Berlin, aus dem engmaschig gespannten Netz in der DDR habe es für kaum jemanden ein Entkommen gegeben. 136 Menschen hätten allein an der Berliner Mauer ihren Fluchtversuch mit dem Leben bezahlt. Es gebe deshalb keinen Grund, „heute den Unrechtscharakter des DDR-Staates mit schönen Worten zu übertünchen“, betonte Huber. „Wir dürfen das Unrecht, das in der DDR geschah, nicht vergessen und nicht kleinreden. Das sind wir den Opfern schuldig.“ Zugleich sagte der Bischof, es hätte dem gemeinsamen Deutschland gut getan, wenn von dem Freiheitsjubel 1989 „in seinen herrschaftskritischen und aufrührerisch-auferstehungsmäßigen Zügen“ etwas mehr erhalten geblieben wäre.

Huber sprach gemeinsam mit Lothar de Maiziere zum Auftakt einer Reihe sogenannter Dialogpredigten anlässlich des 20. Jahrestags des Mauerfalls, bei denen jeweils ein Vertreter aus dem Osten und dem Westen auftreten. Der letzte DDR-Ministerpräsident forderte in seiner Rede, die Vergangenheit immer wieder zu erzählen - aus Protest gegen das Vergessen und das Verdrängen. „Was nicht erzählt wird, das ist nicht, das war nicht.“

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) forderte eine differenzierte Sicht auf die DDR. Es müsse unterschieden werden zwischen „dem System namens DDR und den Menschen, die in diesem System gelebt haben“. Daraufhin warf ihm der Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, eine Tendenz zur Verharmlosung der SED-Diktatur vor. „Es ist verständlich, wenn Politiker vor Wahlen den Menschen nach dem Munde reden.“

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bezeichnete die DDR als Unrechtsstaat, würdigte aber ebenfalls die Lebensleistung der Ostdeutschen. Zugleich warnte er vor einer Verklärung der DDR. Es gebe es keinen Grund, „irgendeine Verharmlosung des Systems zuzulassen“, sagte Wowereit.

Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) forderte eine besondere Würdigung jener Menschen, die mit ihrem mutigen Eintreten gegen Unterdrückung und Willkür anderen die Kraft gaben, sich gegen die SED-Diktatur zu erheben. Das Ende der DDR und die „historische Niederlage der sozialistischen Zwangsideologie“ hätten gezeigt, dass man kein Volk auf Dauer teilen kann und der Gedanke der Freiheit stärker ist als jedes Unterdrückungsregime, sagte Schönbohm.

ddp