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Deutschland / Welt Dramatischer Appell an Altmaier: „Man darf den Bürgern nichts mehr verheimlichen“
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08:55 03.05.2019
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier Quelle: imago images / photothek
Berlin

Der Rekordsommer 2018 hat viele Menschen aufschrecken lassen – nicht nur in Deutschland. Ist der Klimawandel am Ende doch realer als gedacht? Maßnahmen, seine Ursachen zu beseitigen und die Folgen einzudämmen, werden Opfer erfordern. „Rettet das Klima! Wer zahlt den Preis?“ – so das Thema bei Maybrit Illner am 2. Mai.

Die Themenschwerpunkte

Die Zukunftsängste jüngerer Generationen manifestieren sich seit einigen Monaten in der von Greta Thunberg ins Leben gerufenen Bewegung „Fridays for Future“. Ebenso fordern immer mehr Politiker und Wissenschaftler eine drastische Reduzierung der CO2-Emissionen. Maybrit Illner wirft in ihrer Sendung die Frage auf, was für Kosten eine deutlich klimafreundlichere Politik eigentlich hätte und wer letztlich für diese aufkäme. Die im Bundestag diskutierte und von den Grünen vehement geforderte CO2-Steuer könnte helfen, Treibhausgase zu verringern. „Sie wird kommen, die Steuer. Vielleicht nicht gleicht und vielleicht nicht dieses Jahr, aber sie wird kommen“, so Illner zu Beginn der Sendung. Damit würden die Preise für Benzin, Diesel, Öl und Gas steigen. Wäre das Wohl des Klimas und der Umwelt also letztlich das Übel für Unternehmen und Verbraucher? Funktioniert sozialer Klimaschutz überhaupt?

Mehr zum Thema:
Wie „Fridays for Future“ mit den eigenen Idealen ringt

Die Gäste

Der Parteivorsitzende der Grünen, Robert Habeck, ist überzeugt: Eine CO2-Steuer wäre mit dem Geldbeutel der Bürger vereinbar. Man müsste nur für eine Umverteilung der durch die Steuer eingenommenen Gelder sorgen. Letztlich käme das besonders ärmeren Menschen entgegen. Die produzierten ohnehin weniger Emissionen. „Das würde die Lenkungswirkung schaffen, die wir brauchen“, so Habeck. „Wenn wir das Klima nicht schützen, zahlen wir auch in der Wirtschaft und Gesundheit einen Preis, den wir jetzt noch nicht einmal absehen können.“

Energie- und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ist ebenfalls der Ansicht, dass mehr für den Klimaschutz getan werden müsse. Jedoch sieht er klare Grenzen in der Zumutbarkeit für die Bürger. „Wir dürfen die Menschen zur Rettung des Klimas nicht noch mehr belasten“, stellt er klar. Altmaier spricht sich für den Emissionshandel als effizientes Modell zur CO2-Reduzierung aus und meint: „Alles was wir tun, darf nicht dazu führen, dass die wirtschaftliche Dynamik in Deutschland beschädigt wird.“

Die Meeresbiologin Antje Boetius unterstützt die Bewegung „Scientists for Future“ und steht klar auf der Seite Habecks. Besser als durch höhere Preise, meint sie, ließen sich keine Verbesserungen beim Klima erzielen. „Wir müssen endlich aufhören, an den kleinen Stellschrauben zu drehen“, so Boetius.

Marie-Christine Ostermann, FDP-Mitglied und geschäftsführende Gesellschafterin bei einem Lebensmittelunternehmen, spricht sich gegen eine CO2-Steuer aus und meint: „Wir müssen die Menschen mitnehmen. Wenn sie ihre Arbeitsplätze verlieren, werden sie nichts mehr fürs Klima tun.“

Der Ökonom Christoph M. Schmidt glaubt, es existiere keine soziale Ausgewogenheit in der Klimapolitik. Man dürfe die Bürger nicht maßregeln, sondern die Politik müsse für geeignete Rahmenbedingungen sorgen und Anreize setzen. Außerdem: „Ein Ziel sollte es sein, dass man die deutsche Wirtschaft nicht gleich umbringt.“

Die Journalistin Petra Pinzler hat mit ihrer Familie ein Jahr lang versucht, konsequent CO2 zu vermeiden. Etwa zehn Tonnen CO2 verbraucht jeder Deutsche pro Jahr. Sie schafften es, bei sieben Tonnen pro Kopf zu landen.

Das Duell des Abends

Was wohl schon vor der Sendung die meisten geahnt hatten bestätigte sich: Wenn Peter Altmaier und Robert Habeck aufeinandertreffen, wird es keinen Konsens geben. So auch diesmal nicht. Während der CDU-Politiker neben der Reduzierung von Treibhausgasen die Notwendigkeit betont, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu erhalten, fällt ihm Habeck immer wieder ins Wort: „Das ausspielen von wirtschaftlicher Prosperität ist blöde und dumm, wenn wir nicht in die Puschen kommen, werden wir dramatische wirtschaftliche Probleme haben.“

Der emotionalste Moment

Oft reden Politiker von Themen, in denen sie keine Experten sind. Wissenschaftler hingegen können sich auf ihr Fachgebiet konzentrieren. Umso beunruhigender erscheinen die nicht enden wollenden Plädoyers der Meeresbiologin Boetius. Emotional wird es, als sie von ihren eigenen Erfahrungen berichtet: „Sie können sich nicht vorstellen, was wir Forscher an den Polkappen alles sehen. Es ist ein Desaster und wir sind mitten drin.“ Nicht weniger dramatisch wirkt ihr Appell an Wirtschaftsminister Altmaier kurz vor dem Ende der Sendung: „Wir Deutschen sind mit Schuld daran, dass reihenweise Arten aussterben. Bitte tun sie etwas.“

Der interessanteste Satz

Boetius ist wohl die beliebteste Persönlichkeit an diesem Abend. Zumindest erhält sie deutlich mehr Applaus für ihre pathetischen Reden, als die anderen Gäste von Frau Illner. Als Altmaier abermals die wirtschaftlichen Interessen Deutschlands vor den Klimaschutz stellt, platzt ihr der Kragen: „Diese Sendung führt zu nichts, wenn man nicht sagt, was kommt. Wir haben nur noch zehn bis 12 Jahre. Man muss nicht so tun, als wären alle doof da draußen. Man darf den Bürgern nichts mehr verheimlichen, es geht um internationales Handeln.“

Fazit

Obwohl sich an diesem Abend scheinbar alle der Anwesenden über die Notwendigkeit von mehr Klimaschutz einig sind, gehen die Meinungen bei der Umsetzung entsprechender Maßnahmen weit auseinander. Maybrit Illner ist sicher: die CO2-Steuer kommt. Ob sie letztlich aber den gewünschten Effekt erzielt und noch dazu ein sozial tragfähiges Modell darstellt, vermögen die Politiker und Experten am Runden Tisch nicht zu klären.

Bei all den Unklarheiten, die in der Sendung auftauchen, definieren Habeck und Boetius die einzig unbestreitbaren Wahrheiten: Es wird nicht ewig so weitergehen, wie bisher. Man braucht nicht über CO2-Steuern, Emissionshandel oder die Zumutbarkeit von Klimaschutz für die Bürger sprechen, wenn es, ohne drastische Maßnahmen, in einigen Jahrzehnten nichts mehr zu schützen gibt.

Von Flemming Goldbecher/RND

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